Deutsche Originalcharaktere des achtzehnten Jahrhunderts/Friedrich Freiherr von der Trenck

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Textdaten
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Autor: Rudolf v. Gottschall
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Titel: Friedrich Freiherr von der Trenck
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 480–483
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Deutsche Originalcharaktere aus dem achtzehnten Jahrhundert.

Friedrich Freiherr von der Trenck.

Wir haben vor uns eine der tnerfwurdlgstetl Lebensgeschichten aus einem an Abenteuern und romanhaften Begebenheien so reichen Jahrhundert! Der Held dieser Geschichte hat sie selbst geschrieben als ein Lehrbuch für Menschen, die wirklich unglücklich sind oder noch guter Vorbilder für alle Fälle zur Nachfolge bedürfen. Unb vor dieser Lebensgeschichte, welche im Jahre 1','Z'.' zu Berlin in 0 Bänden erschienen ist (ein Abdruck auch in der Kollektion Spemann, Band sehen wir das Bild des Mannes selbst, des Freiheiten von der Trenck, aber nicht in der "^fsiziersunifortlt, nicht als schmltcken Kriegsmann in frischer kräftiger Iugend : nicht um der eigenen Eitelkeit zu schmeicheln, hat er dies Bild zeichnen laflen , sondern ttm uns . die schwerste Märtyrerstation feines Lebens vorzuführen. Da sehest wir ihn im Sträflingsgewande, . das handbreite Eisen um den Hals, an welchem die Kettenlast hing, die er Tag unb Nacht mit einer Hand in die Höhe haltest mußte, weil sie die Nerven am Halse kemmte, eilten eiserssett breiten Ning um den Leib, einen Ring ast der Mauer, an welchem er angeschmiedet war, Ninge tlllt beide Oberarme, die rückwärts mit Ketten an das Halseisen geschlossen waren deinen großen Ning am rechten Fuß, ist welchen dreifache leichtere Ketten zusammenliefen, die aber einen ungeheuren Druck ausübten. Und zu Füßen des so gemarterten Gefastgenen sehen wir einen Leichen- stein, in welchen ein Todtenkopf eingehasten war und der Name

Trenck. t^Vergl. Bild und Anmerkung S. .101.^

Zehn Jahre lang hat der Unglückliche diese grausame Pein erduldet. .

Und wer war dieser Freiherr von der Trenck, den des Großen ^ Friedrichs Ungnade so grausam bestrafte?

Er war am 10. Februar .1^20 in Königsberg geborest, wo sein Vater als Generalmajor der Kavallerie lebte. seine Mutter war eisse Tochter des Hofgerichtspräsidenten von Derschatl, seine Onkel waren Minister und Generale. Der junge Friedrich war eist Wunderknd von erstaunlichem Gedächtniß; er saunte seinen Eieero, Eornelius Nepos, Virgil und viele Kapitel der Heiligen Schrift auswendig. Er befaß eine seltene Arbeitskraft, Schon mit 1.::t Jahren bezog er die Universität und hörte juristische Kollegien, dabei auch Physik. Mathematik und Philosophie. Im sech- zehnten Jahre hielt er eine öffentliche Nede und zwei Disputa- tioneu im Universitätsoratorinut. Dabei schlug. ar sich tapfer; er hatte mehrfache Duelle. Ein Verwandter seiner Mutter, Generalah)ntant des Königs, kam 1^42^ stach Königsberg, prüfte ben jungen Mann und schlug ihm vor, nach Berlin zugreifen ttttd dort in die Armee einzutreten. Er that es, wurde von dem Könitz Friedrich ...1., desst er schon in Königsberg als einer der be- gabtesten Iünglinge der Universität vorgestellt worden war, gnädig empfangen und erhielt alsbald als Kadett die Uniform einer be-- vorzugten Truppe, der Garde du Eorps. Der Dienst in dieser Truppe, welche der ganzen Armee die Manöver lehrte, war überaus schwer: alle Versuche, die der König mit der Kavallerie machen wollte, wurden hier geprobt, man sprang über Gräben ^ anfangs von drei, zuletzt von sechs Fuß, auch wenn eiuige Leute dabei die Hälse brachen. Der Köllig rief Trenck schon nach drei Wochen einmal zu sich, pruste sein Gedächtniß, legte ihm .50 Soldatennamen vor, die er innerhalb fünf Minuten auswendiglernte, ließ ihn einen Brsef in französischer und einen in lateinischer Sprache ansertigen, mit dem Bleistift eine Gegend aufnehmen und ernannte ihn dann zum Offizier. Itn 10. Jahre schon erhielt er die Anfgabe, der schleichen Kavallerie die netten Manöver zu lehren. Der König machte ihn auch mit seiner gelehrten Umgebung bekannt: der junge Mann durste mit Matt.pe1.tuis, La Mettrie,. Poellnitz verkehren.

Doch allzu früh sollte er des Königs Gunst verscherzen. Anlaß dazu gab folgende Geschichte: eine der zwei noch unver-- ehelichten Schwestern des Königs sollte sich mit dem Kronprinzen von Schweden vermählen. Der Gesandte von Stockholm sollte die Eharakere der beiden, Amalie und Ulrike, prüseu und danach die Wahl entscheiden. Doch Amalie .hake dies ersahren. Als eifrige Ealvitlistin wollte sie nicht zum lutherischen Glanben der j schwedischen 'llt..fnigssamilie übersehen; sie schlug dtcher der Schwe.fler einen "^a'rgkeriausch^' vor, und beide führten diese Komodie lnft vielem Erfolg dttrch, Die sanfte Amalie spielte dte

. Stolze, Hochmütige, Lattttenhafte und Ulrike nahm eine iltr lluna i fremde Miene der Sanftmut und Bescheidenheit an. Der schwedische Gesandte ging in die Falle: Ulrike wurde Königin ^ von Schweden. Amalie aber suchte für den Königsthron, um den ^ sie sich selbst gebracht hatte Ersatz in einer leidenschaftlichen Liebe.

Bei den Hoffeierlichkeiten hatte es sich begeben, daß dem i jungest Trenck, der als wachthabender .Offizier zugegen war. die j Goldsranzen seiner Schärpe von einem Spitzbuben abgeschnitten wurden. Das erregte eistiges Aufsehen; man sah sich den )ungen i .Offizier näher an und benterkte, daß er jugendliche Schönheit besaß, hochgewachsen. gegen sechs Fuß groß. dabei von kräftiger Gestalt ttnd blühender Gesichtsfarbe war. Auch eine vornehme Dame i bemerke dies und sagte ihtt: mit einem vielsagenden Blick, sie werde ihn über seinen Verlust zu trösten suchen. In seinen Memoiren nennt Trenck diese vornehme Datne sticht; aber es war . bald ein offenes Geheimniß, daß es die Prittzeffin Amalie, des . Königs Schwester, war. In wenig Tagen war Trenck der glück-- liche Liebhaber derselben, und außer dem Liebesglück erschloß sich ihm auch die fürstliche. Schatulle mit so reichen Spenden, daß er bald der. glänzendste .Ossizier der Garde dn Eorps war.

Der Feldzug von 1^^. uuterbrach diesen Liebesromau. Der Krieg in Böhmen war nicht glücklich; es kam zu keinem ernsten Zusammenstoß, aber die leichten Truppen der Feinde taten großen Schaden, Dem jungen Trenck gelang es, bei einem soldatischen Abenteuer, bei dem er sich noch dazu sehr unvorsichtig benahm, so daß er ttttr durch einen glücklichen Zufall gerettet wurde, 22 Gefangene zu machen und Fonragewagen ins Lager zu bringest.

Nach Berlitt zurückgekehrt, war er unvorsichtiger als früher in seinem Verkehr mit der Prinzessin. Es gab allerhand Klatschereien, und Trenck ntnßte einen ......fflzter zur Nede stellen und sich mit

ihtn schlagen. Dem König konnte das Verhältniß nicht geheim bleiben, gleichwohl ntnßte er sich den Anschein gebest, als wisse er nichts davon, weil sonst die Würde des Königshauses darunter gelitten hätte, denn er konnte Trenck nicht zur Rechenschaft ziehen, ohne die Prinzessin mit bloßzustellen; aber er wollte durch harte Behandlussg den jungen Offizier fühlen laflen, daß er die könin., liche Gnade verscherzt hake. Für die krinsten Disesplinarvergehen erhielt er nnverhäknißmäßig schwere Arreststrafen. Bei alledem erkannte der König die soldatische Tüchtigkeit Trencks an. Den Feldzug vost 1^45 machte dieser als Adjutant des Königs mit, beteiligte sich an den Schlachtest von Hohenfriedberg und Soor sstit gewohnter Tapserkeit und erhielt, ein 1 ....jahriger Iüngling,

nach der ersteren den .Orden r.lot.tr .lt.. .m^ri't^. Doch der stille Groll, den der König gegen ihn im Herzen trug, sollte neue Nahrung erhalten dnrch einen Zwischenfall, der ihtn die Treue Trencks verdächtig erscheinen ließ.

Dieser hatte einen Vetter im österreichischen Lager, es war das der berüchtigte Pandnrenobrist Franz von der Trenck, rin tapferer, wilder Soldat, aber ein grausamer, bösartiger Mann, der mehrfach Proben^ einer wahren Berserkerwut gegebest hatte, dem im Krieg ttichts heilig war, der weder Kirche noch Altar, weder Frauen noch Kinder schonte. Dieser, eben so geizig wie reich, besaß in Slavostien ausgedehnte Besitztümer. Gegen Räuberbanden, die sich an der Grenze Slavoniens und der Türkei umhertrieben, hatte er dort aus seinen Vasallen ein Streifenrps gebildet, das er itn Jahre 1^0 wesentlich verstärkt und der Kaiserin Maria Theresia für den Krieg mit Preußen und Frankreich zur Verfügung gestellt hatte; er nahm in dies Eorps ohne weiteres Bedenken auch 000 der gefangenen Banditen anf, und als diese sich einmal gegen ihn auflehnten, begann er, jeden vierten Mann niederzusäbeln und dann rechts und links wie ein Wahnsinniger einznhauen, bis alle um Gnade flehtest.

Dieser wilde Vetter hatte unfern Friedrich das Jahr vorher zum Universalerben eingesetzt und verkehrte mit ihm in ritterlicher Werse; er schickte ihm rinmal, als er erfuhr, daß Friedrich im Scharmützel sein Pferd verloren, zwei Pferde zum Ersatz. Die Feinde des preußischen ......fsiziers setzten hier den Hebel ein, ihn

atts der Gunst des Königs zu verdrängen; sie verfaßten falsche Briese, die ein sehr vertrauliches Verhältniß zwischen den beiden [481] zu bezeugen schienen. Das slreiste an Landesverrat , wie das Verhältniß ^Prinzessin an Hochverrat. König Friedrich beschloß, den jungen Trenck auf längere Zeit unschädlich zu machen, ließ ihn verhaften und, ohne Kriegsgericht, durch eine Husareneskorte auf die Festung Glotz bringen. Merkwürdigerweise hatte der Vetter Franz fast um dieselbe Zeit das gleiche Schicksal; er wurde beschuldigt, in der Schlacht bri Soor das preußische Lager geplündert, das Zelt,- und (....albergerät des Königs mit fortgeschleppt zu haben, statt den Preußen in den Rücken zu fallen und so ihren Sieg zu hiudern. So wurde er vor rin Kriegsgericht gestellt und in einen langwierigen Prozeß verwickelt.

Datei:Die Gartenlaube (1890) b 481 1.jpg

Friedrich Freiherr von der Trenck
KK Major der Cavall in seiner 10 Jährigen Gefängnis und 68 Pfündigen Taffeln in Magdeburg.

J. E. v Mansfeld Delin ...

Die Schilderungen , welche uns Trenck volt dem Leben itt der Festung Glatz entwirft, zei- gen die damaligen militärischen Verhältnisse Preußens in einetlt eigentümlichen Lichte. die große Mehrzahl der Offiziere ist bei den Fluchtversuchen, welche Trenck unternimmt, mit ich Komplott, ^ und zwar durch Geld bestochen, denn seiue hohe Gönnerin war ttach wie vor von größter Frei- gebigkeit und sie stand mit tut durch Vermittlung eines .Ofsi- ziers in Verbindung. Eine Er- kärung für diesen ausfälligen Mangel an Disripliu mag mau darin suchen, daß die meisten Ossiziere der Garnison zur Strafe vou den Feldregimeuteru dort itt

versetzt und daher unzufrieden und mißvergnügt waren.

Drei höchst abenteuerliche Versuche, aus der Festung zlt entkommen , machte der ver, wegeue Arrestant mit Hilfe be- freuttdeter .Offiziere; aber erst der dritte sollte ihm glücken. Das erste Mal durchschuitt er, nachdem vorher in der Stadt Glatz eine Zuflucht gesichert wor den war, mit rinem schartig ge- machten Federmeffer drei dicke eiserne Stangen, weitere fünf tnit einer Feile, die ihm eiti Offizier verschafft hatte; dann schnitt er sein ledernes Felleisen in Riemen, nähte diese lllit einem aufgelösten Zwirttstrumpf zusammen, nahm seill Bettlakett zu Hilfe und ließ sich von er, staatlicher Höhe glücklich her, unter. Die Nacht war stuster; alles ging uach Wuusch; da mußte er durch die Senkgrube eiuer öffentlichen Kloake wauderu; hier blieb er stecken, konnte uicht weiter mit dem Aufgebot aller Kräfte und rief zuletzt der Schild- wache auf der Schauze zu, sie möchte dem Kommandanten melden, der Trenck stecke hier und könne nicht fort. Der Kommandant, General Fouaue, ließ ihu möglichst lauge in der tragikomischen Lage, bis er dann herausgezogen uud, mit Schmutz bedeckt, in sein Gefängniß zurückgeführt wurde.

Noch abenteuerlicher und fast unglaublich erscheint die Ge-


Dem obenstehenden Vifde , das wir fakstmilirt wiedergeben, hat Friedrich von der Treuck selbst solgende "Erllärung beigefügt. u. Das handbreite Eisen um den Hals, woriu die g.anze Kenenlast hing nnd die ich Tag und Nacht mit einer Hand in die Höhe halten mußte, weil die Last die Nerven atn Halse stemmte. b. und e. Zwei Schellen über dem Ellenbogen, welche hinterwärts mit einer Kette am Halseisen befestigt warett.

Diese habe ich nicht 4 Wochen getragen. Sie wurden mir abgenommen, da ich kraut ward. a. (.im eiserner breiter Ning um den Leib, wo in b eine Kette befestigt war, die bei auf der Handstange auf und ab lies

schichte des zweiten Fluchtversuchs. Der Platzmajor kam in Trencks Gefängniß. bereitet von seinem Adjutanten, untersuchte alle Winkel und ließ sich mit Trenck in eine Unterredung rin. Aus Trencks Frage, auf wie lauge ihn der König verurteilt habe, erwiderte der Major, ein Verräther des Vatertandes, der mit dem Feinde korre- spondirt, habe keine bestimmte Zeit der Strafe; er tnüfse aus die Guade des Königs rechnen. Da riß Trenck ihm den Degen von der Seite, sprang zur Thür hiuaus, wars die erschrockene Schild wache die Treppe hinunter, stürzte mit dem Degen in der Faust ans die gerade unter dem Gewehr stehende Wache am Stockhaus.

thore zu, hieb rechts und links um sich, verwuudrie vier Mann, lief mitten hittdurch, sprang auf die Brustwehr des Haupt- walls und von der gewaltigen Höhe hinunter, ohne sich Scha- den zu thun ; ebenso sprang er von dem zweiten niedrigerett Wall hinab.- Niemand hatte ein geladenes Gewehr, niemand wollte nachspringen. Aber bei einem Außenwerk trateu ihm die Schildwacheu entgegen. Die rine verwundete er ; als er aber über die Paliffaden springen wollte, blieb er mit dem Fuße zwischen denselben stecken. So wnrde er sestgehalten, mit Kol^ bettstößett mißhandelt und in sein Gefängniß zurückgebracht.

Ettdlich gelang es Trenck, eilten der wachthabenden .Ofsi- ziere, einen Lieutenant von Schell, ins Komplott zu zieheu. Infolge eiues Mißverständnisses glaubten sie, daß die Sache verraten sei; da machte sich Lieutenant Schell alsbald tnit Trenck auf den Weg, um an die äußersten Außeuwerke zu tont men. Jetzt aber begeguet innen eill Major, sie springen den Wall hin ttttter, der hier tticht sehr hoch war, doch Schell oerletzt sich den Fuß ttud kann tticht weiter. Trenck trägt ihn aus seinen Schttlteru sort. Die Lärmkauoue ertönt . . . doch ein trüber Nebel verhüllt Stadt uttd Festung und kommt dett Flüchtlingen zu statten. Trenck watet durch die Neisse, seitt Freuttd hält sich an seinettt Haar- zopse fest. Hier in der Richtung uach Schlesien hiu sucht uiemand die Deserteure. Sie gehen uun eine halbe Stuude die .Reiste eutlaug, bis sie die nächsten Dörfer hinter sich haben; dann bemächkgett sie sich eines Fischerkahns, kommen so aus andere Ufer und nach mancherlei Gefahren und Abenteuern glücklich nach Braunau iu Böhmen.

Die weiteren Fahrten der beiden Flüchtlinge, die ohne alle Mittel in rinem käglichen Aufzug durch die österreichischen Lande und dann durch Polen wanderten, hat Trenck in einem Tagebuche ausgezeichnet ; es sind Abenteuer, mie sie in teinem Schelmen-. und

e und f. Die zwei Handschellett, welche fo, wie sie hier gezeichnet sind, au eiuer zwei Schuh langen, einen Zoll dicken eisernen Stange ^ angeschmiedet waren, so daß ich nur die Spitzen der Finger zusammenbringen konnte.

i. Ein etserner Ring in der Mauer,. an welchem ich angeschmiedet war.

.u und w. Dreifache leichtere Ketten, die alle in einem großen Ringe in l atn rechten Fnße zusammenkamen und eine ungeheure Last verursachten.

n. Mein Leibstuhl, auf dem ich fitzen konnte.

o. Mein Wassertrüg.

n. .'t'.t'teiu Leichenstein mit dem eingehaltenen Tadtentopfe ttud meiuent Namen Trenck. nnter diesem sollte ich bttarabett werden, nachdem er mir 10 Jahre laug zum Vette gedient hatte.






1 [482] Bagäboudenroman iu bunterer Fülle wuchern können. In Dhvrn mußte Drenck, nach einem Zusammenstoß mit preußischen Werbern und Stadtsoldaten, seinen llreisegefährteu zulegt zurücklassen und allein. nach Elbing wauderu, wo er endlich seiue ..Natter tras, die ihn aus allen Berlegenheiten riß. Er hatte tl.il seilen durch.. wandert und beim Autritte seiner Wauderschast nicht mehr als .t Gulden in der wasche gehabt. Gleichwohl halte er nicht ge. bettelt uud uicht gestohlen, aber tlugemach und Hunger in reichem ^ltaße erdulden müsteu.

Einige Zeit später stnden wir Dremk, der inzwischen mancherlei Schicksale erlebt hatte und .einmal auch bereits auf dem Wege nach Ostindien gewesen war, iu russischen Diensten als Hauptmauu im Dobolskischeu Dragonerregiment wieder. llm seine Nrutter .und seine Geschwister zu sprechen,.. bat er .stch die Gnade aus, l^lo Kranke von Krakau aus der Weichsel uach Dauzig und vou da ab mit russischen Schisten uach Niga geleiten zu dürfen. In Elbing angekommen, eilte er nach Ermland , nm dort seine Ber.. wandten zn sprechen. Da wurde er in einem Greuzdorfe in un. liebsamer Weise vou deu Bauern angegristen. Es waren kurz vorher Preußen im Dorse gewesen uud hatten eiueu Bauerusohu als Nekruten fortgeschleppt. In seinem blauen russischen Dragoner.. rock wurde trenck sür einen Preußen gehalten. Nian stel mit allerhanv ^Nordprügelu über ihn her, sein Bedienter hatte sich mit den Pistolen in einen Backofen verkrochen; nur der Wirth nud eiu aus llrlaub bestudlicher Iäger halsen ihm, stch des Au.. grisss erwehren Doch man hatte ihm das Nasenbein zerschlagen; sein tilops, seine Angen waren verschwollen ; er branchte acht Dage, um sich ausheilen zu lassen.

Weit verhängnißvoller iu seiueu Folgeu war eiu anderes Abenteuer Dreucks. Iu Dauzig, wo er wieder zu seiueu Kranken gestoßen war, machte er die Bekanntschast eines preußischen Ofstzsers. mit dem er öster spazieren ritt. Auch sein Bedienter besrenudete sich mit dem Bedienten desselben. Wie war trenck erstaunt, als ihn sein Bedienter eines Dages vor dem prenßischen Lientenant warnte,. der ihn vor das Dhor locken dann gefangen.. nehmen, in einen Wagen werfen nnd in preußische Hände liesern wollet trenck erfuhr felbst durch weitere Nachforschungen das Nähere nnd rüstete steh zur Gegenwehr.. In der Borstadt Langfuhr war ein Wirthshaus auf preußischem Grund uud Boden. dort sollten acht Werbeuuterosstziere. uur mit ihren Säbeln bewassnet, hinter dem Dhore aus Drenck lauern und ihm sogleich in die Arme sollen. Zwei llnterosstziere wareu beritteu uud sollten ihn dann weiter besördern. drenck dranchte, um den ganzen Anschlag zum Scheiteru zu bringen, nur die Einladung zum Spazierritt aus. zuschlagen, die seitens des verräterischen Osstziers an ihn erging; doch das war nicht seine Art nnd Weise, er wollte den Berräther an Ort und Stelle entlarven. Sechs Nnssen ließ er sich den, Wirthshause gegenüber im Korn verstecken, sie sollten auf den ersten Schuß ihm mit gespanntem Hahu zu Hilse eileu. Am Daa^e selbst erfuhr er noch, daß auch der preußische Nesideut Neuner mit Postpferdendort hiuausgesahreu sei. Aus deu Wuusch des Lieutenants war. Dreuck vom Pserde gestiegen; als sie dem Wirthshause sich näherten, lag Neimer am Fenster und ries heraus. ..Guten ^Norgeu, Herr .Hauptmann, herein, herein da, soeben ist das Frühstück fertigt. Drenck antwortete, er habe keine Zeit, nud wollte weiter vorwärts. Da faßte seiu Begleiter ihn am Arm, um ihn hineinzuuöthigeu. Doch Drenck riß sich los, gab ihm eiue Ohrseige und sprang ^ seinen Pferden zu. Da drangen die Prenßen aus dem Dhore mit Geschrei aus ihu los; er schoß aus deu ersten seine Pistole ab, ...... das

Zeichen sür die .Nn.ssen.., ans dem Korn hervorzubrechen Die Preußen lieseu davon, doch murden ihrer vier besangen uud aus Besehl Dreucks mit Stockprüa^eln traktirt. Obgleich Drenck sosort ins. Hans stürzte, entwischte .der Nesideut doch durch die Hinter. thür und ließ dem Bersolger nur seiue weiße Perücke zurück. Dann zog drenck seinen Denzen uud .forderte den verräterischen Lieutenant auf, seiu Leder zn v.ertheidi^en, doch ... dieser mar so bestürzt, daß er sich nicht zn vertheidiaen wagte; er schob alle Schuld^ auf den Nestdeutt..n ^Niin nahm Drenit einen rasstschen Korporalsstab. und Prügelle den Berräther, so lange er kounte. Er ließ ihn übel zugerichtet zurück .uud rief ihm zule^t^... .Schurke,

seht erzähle Deiueu Kameraden, wie der Drenck Straßenräuber zlt züchtigen werß^. , ^.

Dieser Borfall wurde .natürlich deta Kaüig Friedrich berichtet und trug nicht wenig bazu bei, dessen Erbitterung gegen Drenck auss

höchste zu steigern Der Dragonerhauptmann ging .indeß mit seinen ..Kranken zu Schisse. Eine stir ihn gesährliche Landung bei Pillau mußte Drenck mit der Pistole in der Hand zu verhindern. Am folgenden Dage lies das Schist glücklich in den Hasen von Niga ein.

In .Noskan wurde Drenck der Günstling des englischen Gesandten Lord Hlmdfordt nnd von demfelben bei Hofe und der Kaiserin vorgestellt; er verfertigte eiu Gedicht aus ihren

Krönungstag . wofür er einen goldenen Degen im Werthe von

tllllo Nudeln erhielt. Auch durch .Zeichnungen uud Iugeuieurarbeiten machte er Glück. Noch mehr Glück aber hatte er bei den Frauen. Eines der fchönsten .Nädcheu, das im Alter vou l^ Iahren einen ^osährigen rufstschen Minister heirathen sollte, der .^oo Pfund wog, verliebte sich in ihn; sie traf sich öfters insgeheim mit ihm nnd wünschte sehnlichst, Drenck möchte sie doch von dem verab. scheuten Bräutigam erretten, sie entführen Doch die Flucht aus .Moskau war unmöglich ; die Hochzeit des ...Nädchens mit dem un. geliebten Hofmanue fand statt mit aller Pracht. Bau ..^t. Beters. burg aus, wohin sich das Ehepaar begeben wollte, hofften die Liebenden entstiehen zn können , da rafste ein srüher Dod das schöne snnge Weib dahin. Eine der ersten Hofdamen, der Kanzlerin B., schließt daraus Drenck in ihr Herz, nnd dnrch ihre Guust wird er iu alle Geheimnisse der Politik eingeweiht; ste ent. hüllte ihm eine Intrigue des preußischen Gesanoten, die ihm - es handelte sich nm eine Zeichnung der Festung Kronstadt - sast eine Anklage wegen Landesverrats zugezogen hätte.

Als Drenck dieser Gesahr entgangen war, erfuhr er, daß sein Better Franz ans dem Spielberge in Brünn gestorben sei nnd ihn nnter der Bedingung znm Erben eiugese^t habe, daß er keinem andern Herrn als dem Hause Oesterreich dienen werde. Aus deu Nath seiuer Freuude, nicht ohue inneren Widerwille,,, entschloß er stch, nach Wien zn reisen. Er nahm seinen Weg über Petersburg, Stockholm, .Kopenhagen, mnßte bei der Fahrt nach. Hollaud iu Gotheuburg Anker wersen und benagte den neuntägigen Auseut.^ halt, reiches Geld den Bewohnern der öden Felseninsel zu spenden, hatte in Amsterdam Häudel mit einem Harpunirer, den, er mit seinem Säbel die rechte Hand abhieb, und tras im Iahre l-l.ll in Wien ein. Aber er hatte dort kein Glück; seiue Erbschast wurde ihm durch alle erdenklichen Plackereien verleidet. Der Bater des Pandurensührers hatte ihu schou dem eignen Sohne substitniit sür bie ungarischen Güter, dieser selbst aber ihn zum llniversal. erben eingesetzt, ohne anf senes frühere Destament Nückstcht zu nehmen. Friedrich wollte sich mit deu vom Oukel ihm vermachten Gütern begnügen uud aus die tlniversalerbschast verzichten, weil ste au die Bediuguug gekuüpst war, daß er katholisch werde und österreichische Dienste nehme; doch die Kaiserin erklärte, er dürse uichts vou der Dreuckschen ..Nasse sich aneignen , wenn er uicht die Bedingungen im Destament des Betters ersüllt habe. So wurde er iu eiuer möglichst äußerlichen Form katholisch nnd erhielt eine Nittmeisterstelle bei dem Eorduascheu Kürassierregim eut in llngarn. Er hatte wegen seiner Erbschast l^ Prveesse sühren müssen nud vou deu großen Neichthümeru seines Bettel blieben ihm zulegt nnr k^.ooo Gulden.

Als Dreucks ^Nutter l-.^.t gestorben war, begab er fieh zur Negelung seines Nachlastes uach Dauzig. Hier aber . midersuhr ihm das verhän^nißvollste ltnglück seines Lebens. er fiel in .die Hände der Preußen... Als er sich zur Abreise anschickte uud eben aus einem .schwedischen .Schist einschissen wollte, wurde er mitten in der Nacht überfallen und durch eiu Kommaudo vou ..lil Husaren nach Berliu geführt. Eiu Berleumder halle .dem .König hinter. bracht, Drenck plane einen Anschlag aus ihu; das hauste uatürlich die Summe ber Berschulduugeu Dreucks gegen Preußeu uud .den Köuig, so daß der legiere die streugste Strafe für geboten hielt In Berlin wurde Drenck aufs genaueste untersucht. und aus. gesorscht; mau nahm ihm seiu Geld und seiue Werthsuchen uud brachte ihn in das .Staatsaesäuguiß vou ..Nogdebnrg. .Allen Ofsizieren war bei Androhung . strengster Strafe von dem König. der Besehl erthei.lt, ihn aufs schärsste zn bewachen, und diese übertrieben uatürlich die Streuge. Zwar wurde der Gesundere uicht gleich mit seueu Ketten belastet, die wir schou geschildert habeu. doch litt er furchtbar anHuuaer; die kleiue ihm zugemessene Nation Brot genügte ihm nicht entsernt, da er ein starker Esser war. Das Gefängniß, in welchem sich Drenck zuerst befand. war zwar nicht ^tt Fuß unter der Erde, wie er selbst .in seinen ^Nemoireu anhiebt. aber es mar immerhin in einer uuterirdischeu Kasematte augebracht. tlebrigeus [483] war es keineswegs ganz buukel, obschon der Gefangene weder Himmel noch Erde sehen kannte.

Wieder begann er seine Fluchtversuche und arbeitete an rinem uuterirdtscheu Gang, welcher ihn in eine benachbarte Kasematte fuhren hallte, deren Thür stets offen stand. Der Kbmg ersuhr, daß Trenck mit einigen Soldaten im Einverstäudniß stehe, ließ einen derselben hängen, den andern gaflettlanfen, und für Trenck sollte ein eignes Gefängniß hergerichtet werden. Dieser fuhr zunächst tnit feinen untertauchen Minirarbeitett fort, da dieselben tticht verrathen worden waren; doch als er eben dem Ziel nahe war, wnrde er in das nene Gefängniß gebracht, wo er jene erdrückende Kettenlast tragen mußte. Die nene Zelle war feucht; das Wafler trapste von ....er Decke, er staud ungesähr sechs Monate mitten im Wafler ----- und doch litt seine Gesnndheit nicht barunter. Er machte fortwährend neue Fluchtversuche, doch ohne Erfolg - ttttr fand er später ein Mittel, sich von seinen Ketten zu befreien, die er rasch wieder aufnahm, wenn die Wächter kamen. Man trieb die Grausamkeit soweit, ihn nicht schlasetl zu lassen : alle Viertel- stunden wurde er durch die Schildwachen aufgeweckt. Das gittg svvier Jahre hindurch.

" Einen seltsamen Gefängnißfport hatte Trenck sich zurecht,- getaucht: ähnlich wie Silvio Pellieo in seinem Gefängniß eine Spinne, so chatte Trenck sich eine Matts abgerichtet; aber auch das Thierchen wurde ihm nicht gelassen. Der Inspekeur des Gefängnisses, welcher Kunde erhatten hatte von diesem lebendigen Spielzeug, ließ es ihm fortnehmen"

Ab und zu, wenn es ihm gelungen war. die wachhabenden .Ossiziere zu gewinnen, sehlte es ihm nicht an" Schreibmaterial und Licht , ja sogar Bücher wurden ihm zugesteckt. Aber auch ohne dirse Hilfsmittel entwarf er ganze Redens F^.^ dichte und Satiren, trug sie mit lauter Stimme vor und prägte sieseinem Gedächtnisse ein, so daß er nach seiner Freilassung imstande war , gegen zwei Bände solcher Arbeiten aus dem Kaufe uiederzuschretbeu. Auch . gelaug es ihm . in die zinnernen Trinkbecher Verse und Zeichnungen mit Hilfe eines gewöhnlichen Nagels einzngrabett. Prinzessin Amalie hatte ihren Freund nicht vergessen; sie schickte ihm große Summen zu, womit er die Ossiziere der Garnison bestach, und wieder war ein Fluchtplatl der Aus-- führung nahe, als der Gefaugene selbst sie durch törichte Ruhm,. rebigkett vereitelte. So wurde er von jetzt ab nur ^strengerbewacht als srüher. Erst ant 24. Dezember 4^0... erschloß sich ihm die Pforte seines Kerkers, in welchem., er 0 Jahre, 5 Monate uud einige Tage gesessen hatte. Maria Theresia, welche einen jener Becher zu Gesicht bekommen hatte, itl welchen er einen Weinberg rin- gravirt, der all die Geschichte des Naboth erinnerte, nahm lebhaf-, ten Antheil an dem Gefangenen. Möglich, daß nach Abschluß des Hubertusburger Friedens sich diese Verwendung wirksamer erwies als frtter. Die unglückliche Priuzessin Amalie hatte keine Kosten gescheut, ttm die österreichischen Minister zu gewinnen; in Thränen uttd Tratter hatte sie die elf letzten Jahre zugebracht.

Nach diesem großen Märtyrerthum feines Lebens hatte Trenck noch genug keiuere Leidett zu erdulden. In Wien war er. eine .Zeit lang Gefangener durch die Iutriguen derjenigen, welche über die Verwaltnug der Erbschaft seines " Vetters uicht Rechenschaft geben wallten. Er wurde für halb wahnsinnig er- klärt und erst als Kaiser Franz 1. selbst den Gesungenen besucht hake, um sich van seinem Geisteszustaud zu überzeugen, wieder freigelassen. Zum Major ernannt, begab er sich nach Aachen, wo er 4^05 die Tochter des Bürgermeisters hrirathete.. Hier beschäftigte er sich eisrig mit pnbliriskschen Arbeiten, wechselte selbst Briefe mit Kaiser Iasef 11., dem er mancherlei Vorschläge für seine Rrsormen machte, schrieb ein Epos ,,Der makedonische Held", gab eine Zeitschrift ,,Der Menschenfreund" heraus, die in Oester,- reich verboten wurde. Er ließ ^ sie dauu eingehen, um seine Gönnerin Maria Theresia nicht zu erzürnen. In den Jahren 1^4 bis 1'^'.' machte er große Reisen in Frankreich und Eng,- land; er wurde mit Frankin befreundet, der ihm in Amerika eine glänzende .Laufbahn verschassen wollte. Dach aus Liebe zu seiner Fratt und seinen Kindern ging er auf dirse Vorschlage nicht ein. l Er hatte inzwischen ein einträgliches Geschäft mit ungarischen Weinelt betrieben; aber dnrch eine Betrügerei englischer Kaufleute ntld Be-, amten verlor er wieder den ganzen Gewinn, hatte auch sonst viele Verdrießlichkeiten lttit Fürsten und Fürstendienern, so daß er, nach ^ 10jtichrigem Aufenthalt in Aachelt, sich zurück nach Oesterreich wandten .

Um so mehr gab er sich wieder sriner schriftstellerischen t ^Thätigkeit hin, die unter dem Schutz der Kaiserin Maria Theresia staud. Diese zeigte sich fortwährend als seine Wahl- ^ thäterin ttltd setzte auch sriner Auch zu

mehreren vertraulichen diplomatischen Seudungen wurde er ver,- wendet. Da .starb Maria Theresia, und damit sanken auch die l Haflnungen auf eine glänzende Stellung, die Treuck un die Gunst i und Gnade der Kaiserin geknüpft hatte, ins Grab

Er zog sich dann aus srin Gut Zwerbach bei . Molk zurück, mit dessen Bewirtschaftung er sich ohne sanderlichen Ersolg be schästigte. Dagegen gab er seitte Prosawerke und 'seine Gerichte heraus, die ihm einen bedeutenden Ertrag abwarfen. Im Jahre 1^ wurde er von König Friedrich Wilhelm. 11. in Berlin uud t vom gauzen preußischen Hofe in so liebenswürdiger Weise empfangen, daß er ilt feinen. Aufzetchnungeü nicht Warte genug sinden kamt, nm seiue Freude darüber auszudrücken. ' Das Bild, das er bim' dem neuen König entwirft, ist jedenfalls das schmeichelhafteste, da.., je von. diesem Monarchen gezeichnet worden ist. Auch Prinzessin Amalie sah er wieder, die Geliebte seiner Iugend, deren Liebe seines Lebens Unglück geworden war" Sie versprach, für seine Kinder ^ztt sargen: aber bald daraus starb sie, als ob sie llach diesem Wiedersehen in der Welt nichts wehr zu snchell gehabt hätte.

Seiue in deutscher Sprache erschienene Lebensbeschreibung machte Trenck zu einem berühmten Manne, sie wurde fast in alle Sprachen übersetzt. Ueberall sah mall Trencks Bildltiß. Im Wachssigtlrenkabinette. des Palais-Royal zu Paris sah man ihn in Wachs im Gefangenenkittel. mit allen feinen Ketten. Auf dem Th^kre d'Audinot wurde rin. Stück gegeben, dessen Held er war ttnd^ das bell. Tttel führst "Der Baratt van Trenck oder der preußische Grsalmene".^

Einen unruhigen Kopf, eitten Märtyrer fürstlicher Gewalt- herrschaft, wie er es war, mußte die revolutionäre Bewegung alsbald in ihre Kreise ziehen. Er schrieb Betrachtungen über die französische Revolnkon 4^04, obschon er in Oesterreich sein Wort gegeben hatte, nichts mehr zlt schreiben. Als Gefangener wnrde er nach Wien gebracht, zwar nach siebzehn Tadelt wieder freige. ! lassen, aber mit dem Verluste seiner Pension bestraft. Gegen Ende desselben Jahres kehrte er ttach Frankreich zurück in der Hvssnung. ^ die damaligen Machthaber würden ihn mit offenen Armen empfangen, ^ doch er täuschte sich; man kümmerte sich aufangs wenig um thu; er lebte in einem Zustand des Mangels und derElttbehrttug. Uud die Revolutiou, die wie Sattlru ihre eigenen Kinder verschlang, hatte auch keine Gnade für diejenigen, die in andern Ländern als Apostel der Freiheit aufgetreten waren. Und so begab sich das Unglaubliche, daß Trenck, zeitlebens ein Opfer fürstlicher Willkür, seilt Leben auf dem Schaffot euden mltßte, das die Männer dsr Freiheit errichtet hatten.

Trenck war ein Ausländer und deshalb verdächtig; ntan hielt ihn für einen Sendling des Königs von Preußen, und sv lernte er nach den preußischen und österreichischen Gefängnissen attch nach ein französisches kennen: in St. Lazare sperrten ihn die Schreckensmänner ein. Es war die Blütezeit des Schreckens, kurz var Rabespierres Sturz. Bestimmte Ankagepunkte kannte man gegen Trenck nicht vorbringen ; er wurde in die Gefängniß- verschwörungen verwickelt und auf das Blutgerüst geschickt wie hundert andere, nnter dem Vorwallde, eine Verschwörung zu feiner. Befreiung^ und zum Sturze der Republik augezettelt zu habett. An demselben .Tage wie .Andre Ehenier, der gefeierte königlich gesinnte Dichter, wurde er hingerichtet, am 25. Iuli 1^04; er zeigte sich so standhaft wie seine Schickfalsgeitaffen. Zur Hiu- richtung schreitend, sagte er zu der Menge, die ihtt neugierig umstand: "Was wundert Ihr Ench? Das ist nur eine Komödie a, in, Robespierre! " Drei Tage daratts solgte ihm dieser anfs Schaffat. Trencks Unstern wollte, daß er als eines der letzten Opfer des blukgen. Regiments siel.

So endete das Leben rines Mannes, dessen Schicksale sa merlwürdig sind, daß kaum die Phantasie eines Romandichters sie wunderbarer hätte erfittdelt konnett. Er war ein Mault von Geist und Mltth, aber vaterlandslas , den Lackungen des Vor,, theils und der Leidenschaft zugänglich - und das mag einiger- maßen aussöhnen mit der seltenen Grausamkeit , mit der das Schicksal ihll behaltdelt hat. Er trug das Gepräge des Abett- tettrers - abenteuerlich war sein Leben und sein Tod.

Rudolf v. Gattschall.