Eine neue Schulbank

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Textdaten
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Autor: Dr. C. H. Schildbach
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Titel: Eine neue Schulbank
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 537–539
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1869
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Eine neue Schulbank.
Von Dr. C. H. Schildbach


Soll ich mich rechtfertigen, daß ich mit einem scheinbar so untergeordneten Gegenstand vor die Leser unseres deutschen Weltblattes trete? Daß mir als orthopädischem Arzt diese Angelegenheit von Interesse ist, wird Jeder natürlich finden; daß dieses Interesse aber kein einseitig befangenes ist, sondern von allen Culturvölkern getheilt zu werden verdient, kann nur Derjenige in vollem Maße würdigen, welcher von den Beziehungen der Schulbank zur Gestaltung und den Lebensverrichtungen des jugendlichen Körpers nähere Einsicht gewonnen hat.

Die Gartenlaube (1869) b 533.jpg

Kunze's neue Schulbank.

Das große Publicum, als welches wir hier die sämmtlichen Eltern schulpflichtiger Kinder aufrufen, entbehrt ohne Zweifel bis heute jeden Einblick in die Gefahren, welche durch die falschen, den Erfordernissen des kindlichen Körpers nicht entsprechenden Einrichtungen von Tisch und Bank der Schulen dem Leib und dadurch auch dem Geiste ihrer Kinder drohen, denn hätten sie diesen Einblick, so könnten unmöglich jährlich Hunderttausende und Millionen Kinder immer wieder zu den alten Schulbänken geführt werden, ohne daß nur einmal die Besorgniß ausgesprochen würde, ob an so mancher Beeinträchtigung der Gesundheit der Kinder nicht in irgend einer Weise die Schule schuld sei, in welcher sie so viele Zeit zubringen müssen.

Dieser Aller Theilnahme und Aufmerksamkeit wünsche ich auf die eine Thatsache hinzurichten, daß ich in unserem wegen seiner Schulen so hochgepriesenen Leipzig selbst über tausend Schulkinder untersucht und sehr wenige darunter gefunden habe, die nicht irgend eine seitliche Abweichung der Wirbelsäule zeigten!

Und was ist die Ursache dieser doch wahrlich sehr beklagenswerthen Erscheinung? Hauptsächlich der unverhältnißmäßige Abstand des inneren Tafel- und vorderen Bankrandes (Distanz), zwischen welchen die Herren Pädagogen gar so gern Raum genug sehen, damit das Kind dort aufrecht stehen könne. Man beachte freundlichst die Folge dieser Einrichtung. Ich fand an Leipziger Subsellien eine Distanz von acht bis achtzehn Centimeter, das erstere, geringste Maß in einer ersten Knabenclasse, das letztere, enorm hohe in einer vierten Mädchenclasse. Das Sitzen aber auf solchen Bänken ohne Lehne wird den Kindern sehr unbequem Mehrere Stunden nach einander sich straff aufrecht erhalten können sie nicht; zunächst sinken sie ein, so weit es der Rücken hergiebt; dann fängt auch diese Stellung unangenehm zu werden an und sie suchen eine Stütze. Die einzige, die sich ihnen darbietet, ist die Tafel; um diese zu erreichen, rutschen sie auf der Bank vor bis zur äußersten Kante, – die sich an solchen Bänken ganz glatt gescheuert zeigt, während die hintere Hälfte derselben gar keine Spuren der Abnutzung an sich trägt –, und stemmen die Arme auf den Tisch, welche nun dem Oberrumpf und dem Kopf eine neue Stütze gewähren und der Wirbelsäule einen Theil ihrer Last abnehmen. Mit der Nöthigung zu dieser Stellung wird die unbequeme Bank zu einer schädlichen; der Rücken biegt sich krumm, besonders in seiner untern Hälfte, der Oberkörper sinkt zwischen den Schultern so weit als möglich herab und Brust und Leib erleiden einen bedenklichen Druck. Wird bei dieser Stützung des Körpers zugleich geschrieben, so stellen sich die Schultern ungleich und auch der Körper wird einseitig gebogen und verdreht; dann [534] bleibt es nicht bei krummem Rücken und flacher Brust, sondern der Körper wird zugleich schief, woraus sich mit der Zeit wirkliche Entstellung entwickeln kann. Das ist kein Phantasiebild, sondern Ergebniß der Beobachtung fast aller Orthopäden!

Ich brauche wohl nicht mit ausführlichem Nachweis zu schildern, welche Nachtheile daraus entstehen, wenn das Kind seine ganze Schulzeit hindurch, also mindestens sechstausend Stunden, oft das Doppelte und mehr, auf ungeeigneten Bänken sitzt; wagt es doch Niemand mehr ernstlich zu bestreiten, daß schlechte Haltung, oft bis zum Schiefwuchs sich steigernd, flache Brust, mangelhaftes Athmen und in Folge dessen ungenügende Blutbildung in der Mehrzahl der Fälle von der Schulbank herzuleiten sind, und daß Kurzsichtigkeit und Verdauungsbeschwerden ebenfalls häufig auf dieselbe Ursache zurückgeführt werden müssen.

Natürlich hat es auch an Vorschlägen zur Abhülfe nicht gefehlt, von Schriftstellern der letzten fünf Jahre sind auf’s Genaueste die gesammten Maßverhältnisse bestimmt worden, welche den Schulbänken je nach der Größe der Kinder zu geben seien, und mit seltner Einstimmigkeit wurden die Grundzüge neuer Constructionen von ärztlicher Seite gebilligt, und was hier auf die Beobachtung am Lebenden gegründet war, fand von Seiten des Anatomen H. Meyer in Zürich seine weitere wissenschaftliche Bestätigung durch das Experiment.

Wer aber etwa geglaubt hatte, daß damit diese Sache erledigt sei, erkannte bald, daß er im Irrthum gewesen; was den Aerzten gefiel, wollte darum noch lange nicht auch den Schullehrern gefallen, und nicht der Lorbeer des Sieges war es, was den Streiter für die Schul-Gesundheitspflege erwartete, des Sieges über Irrthum und Schlendrian, sondern neuer Kampf mit den nun hervortretenden Anfordernden der praktischen Pädagogik. Verlangten z. B. wir Aerzte, daß die Schultafel in ihren Verhältnissen der Größe des Schülers angepaßt werde, so hatte man dagegen das Bedenken, daß dann die Kinder nicht nach Aufführung und Leistungen umrangirt werden könnten. Die ärztliche Forderung, daß, um einen guten Sitz zu ermöglichen, die Tafel ziemlich tief stehen und geneigt sein müsse, begegnete dem Einwurf, daß dabei die Bücher leicht herunterrutschen würden und daß die Lehrer sich zu stark vorbeugen müßten, wenn sie die auf der Tafel liegende Arbeit des Schülers besichtigen wollten. Und gar auf das „pädagogisch“ und „sanitätlich“ unerläßliche Aufstehen der Kinder gedenken die Lehrer auf keinen Fall zu verzichten; es galt also auf Mittel zu sinnen, um die Forderungen der Aerzte den pädagogischen Rücksichten anzupassen.

Was ist Alles versucht worden, um diese Aufgabe zu erfüllen! Scharniere nach verschiedenen Systemen, um die untere Hälfte der Tafel hinaufzuklappen, mancherlei Verschiebungsvorrichtungen für die Tafelplatte, Verschiebbarkeit der Sitze, Klappsitze – alle diese Auskunftsmittel sind praktisch versucht und noch viele andere ersonnen worden, aber dennoch ist es nicht gelungen, beiden Theilen gerecht zu werden. Ich selbst, der ich den hiesigen Stadtrath in dieser Angelegenheit zu berathen hatte, war nach längeren Versuchen und Verhandlungen nahe daran, auf die Lösung des Problems in der gesuchten Richtung zu verzichten und eine Verschmälerung der Bank als Auskunftsmittel vorzuschlagen, wobei zwar die Schüler ein Opfer an Bequemlichkeit des Sitzens hätten bringen müssen, jedoch die von uns geforderten Maß- und Abstandsverhältnisse von Tafel, Bank und Lehne unverändert geblieben und doch einige Zoll Raum vor der Bank zum Aufstehen gewonnen worden wäre.

Da kam Hülfe von einer Seite, wo Niemand sie gesucht hätte; einem Kaufmann war gelungen, was die zunächst betheiligten Lehrer und Aerzte vergebens versucht hatten. Herr Ernst Kunze in Chemnitz hatte, als es sich um Ausstattung eines neuen Schulhauses handelte, als Mitglied des betreffenden Stadtverordneten-Ausschusses auf Anschaffung zweckmäßiger Schultische an Stelle der gebräuchlichen angetragen und sich erboten, die dazu nöthigen Angaben zu machen. Auch ihm ist die Erfahrung nicht erspart geblieben, daß diese Sache nicht so leicht sei, wie er sie sich gedacht hatte; aber er besaß zum Glück Erfindungsgeist, Mittel und zähe Geduld und Ausdauer in hinreichendem Maße, um ungefähr ein Dutzend Probebänke nach einander zu construiren und herstellen zu lassen und so hat er endlich eine Bank zu Stande gebracht, welche von dem betheiligten Schuldirector sofort als das Ideal einer Schulbank bezeichnet und in seinem neuen Schulhause eingeführt worden ist und die diejenigen meiner Collegen welche sie gesehen haben und von mir befragt werden konnten, ebenso wie mich selbst wahrhaft entzückt hat.

Das Wesentlichste an dieser Kunze’schen Schulbank ist die Theilung der Tafel in einzelne Platten von der Breite, wie sie zum Schreiben erforderlich ist, und die Verschiebbarkeit jeder Platte. Nachdem eine Schiebevorrichtung für die ganze Tafel, die ich versuchsweise hatte herstellen lassen, deshalb nicht gebilligt worden war, weil die nothwendige Gleichmäßigkeit und Gleichzeitigkeit bei der Handhabung der Verschiebung bei Schülern nicht vorausgesetzt werden könne, erwog ich selbst den Gedanken, jede einzelne Platzbreite beweglich zu machen, verwarf ihn aber bald wieder, weil mir die Vorrichtung zu complicirt, kostspielig und zu leicht zerstörbar erschien. Die Kunze’sche Schiebeplatte aber ist so einfach und dauerhaft zusammengesetzt, läßt sich, wenn Ausbesserungen vorzunehmen sind, so leicht herausnehmen und erfüllt gleichzeitig verschiedene Aufgaben in so vollkommener Weise, daß ihr gegenüber alle früheren Bedenken sofort verschwinden.

Zu einer so ausführlichen Beschreibung dieser Bank, wie sie der Tischler braucht, um dergleichen neu anzufertigen, ist hier nicht der Platz[1] für geboten aber halte ich es, auf die Eigenthümlichkeiten hinzuweisen welche die Vorzüge der neuen Bank vor allen bis jetzt gebräuchlichen oder vorgeschlagenen bedingen und sie eben zu dem Ideal machen, welches sie in meinen Augen ist.

Auf den ersten Blick zeigt die Tafel wenig Besonderes. Sie läßt einen kleinen Zwischenraum zwischen sich und der Bank, wie wir ihn überall finden, ist etwas geneigt, wie es ebenfalls schon jetzt die meisten Tafeln sind, und läßt an ihrem vorderen Ende den ebenen Raum vermissen, in welchem gewöhnlich die Tintenfässer eingelassen sind. Sehen wir aber genauer hin, so fällt uns auf, daß jeder Platz durch eine schmale Leiste vom anderen oder vom seitlichen Ende der Tafel getrennt ist, und bei weiterer Untersuchung entdecken wir am vorderen Abschnitt der Tafelplatte ein stählernes Knöpfchen, welches sich seitlich verschieben läßt. Haben wir dies gethan, so können wir die Tafelplatte zwischen den Leisten um einige Zoll zurückschieben, bis sie den vorderen Rand der Bank um ungefähr Zollesbreite überragt. Hier läßt sie sich durch Zurückschieben des Knöpfchens wieder befestigen und kann nun zum Schreiben benutzt werden. Vor ihrem vorderen Abschnitte ist durch die Verschiebung ein etwas vertiefter Raum sichtbar geworden, welcher zur Aufnahme von Federn und Stiften bestimmt ist und am rechten Ende ein eingelassenes Tintenfaß zeigt. In allen Stunden, in welchen es nichts zu schreiben gabt, bleiben die Platten eingeschoben, Schreibmaterial und Tinte sind vor Staub und spielenden Schülerhänden geschützt und jeder aufgerufene Schüler kann sich ohne Hinderniß erheben. Beginnen aber Stunden, in welchen die Schüler zu schreiben haben, so müssen sie die Platten zurückschieben, denn sie können sonst nicht zur Tinte gelangen, und sind somit gezwungen – was nachlässigen Lehrern gegenüber von Wichtigkeit ist –, die Tafel in der Gestaltung zu benutzen, welche zum Schreiben die bequemste ist und zugleich beinahe von selbst eine gute Schreibhaltung sichert. Dabei hat diese Einrichtung noch den Nebenvortheil, daß sie eine Ueberfüllung der Bänke unmöglich macht, denn man kann sie eben nicht mit mehr Schülern besetzen, als Bänke vorhanden sind.

Was an der Bank am meisten in die Augen fällt, sind die Lehnen. Dieselben bestehen hier nicht aus Querleisten, sondern sind massiv, für jeden Schüler einzeln auffallend schmal, aber, da sie zur Stütze der Lendengegend der Schüler bestimmt sind, nicht zu schmal, und im oberen Drittel nach vorn etwas gewölbt, darunter ausgeschweift. Zu ihrer Befestigung ist der hintere Rand der Bank und eine zwischen dieser und dem Fußboden quer laufende Verbindungsleiste benutzt. – Diese Lehne erfüllt alle Bedingungen, welche die Wissenschaft an solche zu stellen hat, übt auf den sich an sie Lehnenden nirgends einen lästigen Druck aus und gestattet jedem Schüler, der seinen Platz verlassen will, dies durch Uebersteigen der Bank ohne Störung eines Nachbars zu bewerkstelligen.

[535] Das Fußbrett, welches an der Kunze’schen Bank blos die Breite einer Fußlänge hat und unter der Tafel befestigt ist, muß viel breiter sein und bis unter die Bank hinterreichen, denn der Schüler soll auf ihm auch gehen und stehen können, und wenn er sitzt, so ist nicht zu verlangen, daß er seine Füße immer auf derselben Stelle ruhen läßt; er hat vielmehr das Bedürfnis des Wechsels der Stellung und will seine Füße bald vor-, bald zurücksetzen. – Ganz entbehren läßt sich das Fußbrett schon deshalb nicht, weil ohne ein solches die Bänke in den niedern Classen für Auge und Hand des Lehrers zu niedrig sein würden, und weil in allen Classen die Füße der Schüler im Winter wärmer auf Fußbrettern ruhen, unter welchen sich erwärmte Zimmerluft befindet, als auf dem gewöhnlich nicht so warmen Fußboden. Aus letzterm Grunde stimme ich Herrn Kunze nicht bei, wenn er an den Bänken für die größern Schüler die Fußbretter für entbehrlich hält.

Viel Noth haben uns Bankverbesserern die Bücherbretter gemacht, weil sich unter unsern tiefer und weiter zurückstehenden Tafeln kein genügender Raum dazu fand. An der Kunze'schen Bank dagegen ist ganz vorn in dem Raume zwischen Bücher- und Fußbrett ein Brettchen angebracht, auf welches die Ranzen mit Benutzung einer darüber angebrachten Latte gelehnt werden können.

So ist denn für Alles gesorgt, was von Seiten der Wissenschaft wie der Praxis gefordert und vom Techniker geleistet werden kann. Nun gehört nur noch die rechte Einsicht und der gute Wille bei der Benutzung der Bank dazu, um der Kinderwelt ihre Vortheile zu sichern. Eine Bank, die ohne Zuthun des Menschen Alles allein besorgt, läßt sich einmal nicht erfinden. Zunächst muß die Bank der Größe der Kinder, die sie benutzen sollen, angemessen und deshalb in einer Anzahl verschiedener Nummern in jeder Schule vorhanden sein. Zu Anfang jedes Halbjahrs werden die Kinder gemessen und mit den ihrer Größe entsprechenden Bänken versehen. Diese Arbeit ist so schnell erledigt, daß auch stark belastete Lehrer im Hinblick auf das dabei so augenfällig in Frage kommende Wohl der Kinder sich gewiß nicht vor ihr scheuen werden; und wenn die Anschaffung solcher Bänke etwas mehr Geld kostet, als man bisher für solche Zwecke zu verwenden sich gewöhnt hat, auch einige Reservebänke vorhanden sein müssen, weil nicht immer die gleiche Anzahl Kinder in dieselbe Größen-Kategorie fällt, so sind das für die Gemeinden wahrscheinlich auch keine unübersteiglichen Hindernisse.

Die neue Bank ist, wie ich bei anderer Gelegenheit durch Wiedergabe der oben erwähnten, von Hermann Meyer construirten Zeichnung augenfällig nachweisen werde, kein Zwangsstuhl; die Kinder können daher auch auf ihr schlecht sitzen, wenn sie durchaus wollen; auf den bisherigen Bänken aber sind sie zu schädlicher Körperhaltung gezwungen. Auf der Kunze’schen Bank ist die normale Haltung zugleich die bequemste und am wenigsten ermüdende und wird darum bei einiger Nachhülfe von Seiten der Lehrer bald allgemein werden, während bisher alles Reden auch des sorgsamsten Lehrers über gesundes und schönes Sitzen der Kinder auf die Dauer Nichts fruchten konnte.

Sobald der Lehrer darauf hält, daß die Kinder auch beim Schreiben – welches natürlich ausnahmslos an der ausgezogenen Platte zu geschehen hat, Fühlung mit der Lehne behalten und ihre Ellbogen nicht auf die Tafel bringen, ist schon die Hauptsache gethan; wenn der Rücken unten eine Stütze hat, die Tafel nahe vor dem Körper ist und nur die halben Vorderarme auf derselben ruhen, so unterbleibt das Buckelmachen meist von selbst. Nur der Kopf des Schreibenden bedarf noch einiger Aufsicht, damit er nicht auf die Seite sinke. Auf diese seine Schiefstellung hat aber nicht die Bank, sondern – außer der Gewöhnung – die Lage des Schreibebuches besonders Einfluß. Liegt dasselbe zu schräg, so ruht gewöhnlich der rechte Ellbogen des Schülers auf der Tafel und der Kopf hängt nach links, wenn es dagegen, was manche Lehrer zu erzwingen suchen, gerade vorgelegt wird, also mit seinen Rändern gleichlaufend den Kanten der Tafel, so nehmen die Kinder links Ellbogen und Schulter in die Höhe und neigen den Kopf nach rechts. Da der schreibende Arm nicht an der Brust, sondern an der Schulter angewachsen ist, so darf man sich nicht wundern, wenn das Papier fast vor allen Schreibenden etwas schräg liegt. Uebersteigt diese Schrägstellung nicht das Viertel eines rechten Winkels, so können die Schultern und die Augen ohne Anstrengung beiderseits gleich hoch gehalten werden.

Auch hier bedarf die Schule der Unterstützung des Hauses. Der Tisch, an welchem die Kinder ihre schriftlichen Arbeiten machen, soll gerade Kanten haben; als Stuhl, welcher um etwa zwei Zoll unter den Tisch geschoben sein muß, dient am besten ein hoher Clavierstuhl mit niedriger Lehne. Ist ein solcher nicht zu haben, dann ist bei allen noch nicht Erwachsenen der Sitz durch Kisten oder Bücher so weit zu erhöhen, daß der Tisch dem Schreibenden nur bis an die Taille reicht. Am sichersten findet man das Maß der Sitzhöhe dadurch, daß man den Sitzenden einen Ellenbogen auf den Tisch erheben und den Vorderarm querüber legen läßt. Bei richtiger Tisch-, bezüglich Sitzhöhe berührt dann der auf dem Tisch liegende Vorderarm ohne vorherige Erhebung der Schulter zugleich die Vorderfläche des Körpers; ist der Tisch zu hoch, so zeigt sich ein Zwischenraum zwischen Vorderarm und Körper. – Wo schlechte, vorgeneigte Haltung vorhanden ist, möge man auch zu Hause der Schreibefläche eine geringe Neigung von ungefähr eins zu sechs geben, wie die Schulbänke sie haben; ein stellbares Pultchen ist dazu am geeignetsten.

Ich beanspruche nicht, daß man Alles, was ich hier gesagt, ohne Weiteres als unumstößliche Thatsache hinnehme; das aber glaube ich erwarten zu dürfen, daß die geschilderte Schulbank jetzt allseitig Beachtung und Prüfung finde. Besonders Schuldirectoren und die Schulbehörden des Staats und der Gemeinde sind, wie ich meine, verpflichtet, näher an die Sache heranzutreten; und sind sie dabei zu demselben günstigen Urtheil gelangt, wie ich, so mögen sie mit Freudigkeit und Thatkraft Hand an's Werk legen, damit wir endlich einmnal wenigstens in dieser Beziehung unsere Schuldigkeit thun gegen unsere Kinder.




  1. Nächstens wird im Verlag von Ernst Keil ein Schriftchen erscheinen, welches neben ausführlicher Begründung der ärztlichen Anforderungen an eine Schulbank und der Schilderung des langen, mühevollen, aber sicher interessanten Wegs der Versuche bis zur Kunze’schen Schulbank, zugleich eine Anweisung zur Construction der letzteren nebst allen Maßangaben bringen soll.