Einer abwesenden Freundin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Hölderlin
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Einer abwesenden Freundin
Untertitel:
aus: Taschenbuch von der Donau. Auf das Jahr 1824, S. 227–228
Herausgeber: Ludwig Neuffer
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1823
Verlag: Stettinische Buchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Ulm
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Exemplar der HAAB Weimar auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[227]

Einer abwesenden Freundin.

(1794.)

Wenn vom Frühling rund umschlungen,
Von des Morgens Hauch umweht,
Trunken nach Erinnerungen
Meine wache Seele späht;

5
Wenn, wie einst am fernen Heerde,

Mir so süß die Sonne blinkt,
Und ihr Strahl ins Herz der Erde
Und der Erdenkinder dringt;

Wenn, umdämmert von der Weide,

10
Wo der Bach vorüber rinnt,

Tief bewegt von Leid und Freude,
Meine Seele träumt und sinnt;
Wenn im Haine Geister säuseln,
Wenn im Mondenscheine sich

15
Kaum die stillen Teiche kräuseln,

Schau ich oft und grüße dich.

[228]

Edles Herz, du bist der Sterne
Und der schönen Erde werth,
Bist es werth, so viel die ferne,

20
Nahe Mutter uns beschert;

Denn mit deiner Liebe lieben
Schönes Auserwählte nur,
Denn du bist ihr treu geblieben,
Deiner Mutter, der Natur. –

25
Der Gesang der Haine schalle,

Froh, wie du, um deinen Pfad;
Sanft bewegt vom Weste, walle,
Wie dein friedlich Herz, die Saat!
Deine liebste Blüthe regne,

30
Wo du wandelst, auf die Flur;

Wo dein Auge weilt, begegne
Dir das Lächeln der Natur!

Oft im stillen Tannenhaine,
Webe dir ums Angesicht

35
Seine zauberische, reine

Glorie das Abendlicht!
Deines Herzens Sorgen wiege
Drauf die Nacht in süße Ruh,
Und die freie Seele fliege

40
Liebend den Gestirnen zu.


 Hölderlin.