Eines amerikanischen Soldaten Brief und eines Mädchens Antwort

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Titel: Eines amerikanischen Soldaten Brief und eines Mädchens Antwort
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 528
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: Friedrich Gerstäcker
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[528]
Eines amerikanischen Soldaten Brief und eines Mädchens Antwort.
Uebersetzt von Friedrich Gerstäcker.

 Hospital, April –
Mit großen Schmerzen schreib’ ich Dir –
Nicht früher war’s mir möglich, Schatz.
Seit letzter Schlacht nun lieg ich fest
Im Hospital, am alten Platz.

Ich bin verwundet – sorg’ Dich nicht –
Es ist nicht schlimm – könnt’ schlimmer sein,
Das Leben blieb mir ja, und das –
Nur freut mich deshalb, denk’ ich Dein.

Mein linker Arm ist ab – nun weißt
Du Alles – eine Kugel traf,
Ich fiel und – doch wozu der Rest?
Wir hielten wacker uns und brav.

Ich habe gute Pflege auch,
Es fehlt mir Nichts, bei Nacht und Tag.
Der Arzt sagt mir sogar, daß ich
Recht bald nach Hause kehren mag.

Doch noch ein ander – schwerer Ding
Nagt mir am Herzen – quält und drückt;
Es muß heraus – so höre, Lieb:
Ich geb’ Dir Deinen Schwur zurück.

Im ersten Augenblicke wirst
Du denken, ich muß thöricht sein,
Doch überleg’ es Dir, Marie –
Du darfst ja keinen Krüppel frei’n.

So – ’s ist geschehen – das Wort gesagt,
’S war schwer und lag mir lange an,
Doch hab’ ich – was auch mag geschehn,
Jetzt meine Schuldigkeit gethan.

Ich kehre heim – und einmal noch
Muß ich Dich sehn – wie weh ’s auch thut –
Dann laß uns scheiden – freundlich doch –
Wir bleiben ja einander gut!


     Marie’s Antwort.
 Sweet home, April.
Mein Robert! böser, – lieber Mann
So gut und brav – zu brav für mich;
Doch daß Du gar nicht mir vertraust,
Hab ich das wohl verdient um Dich?

Du giebst mir meinen Schwur zurück?
Beim Himmel! nie hielt solchen Preis
Dein Liebesschwur in meiner Brust,
Als jetzt, da ich Dich leidend weiß.

In jener Schreckensliste fand
Ich Deinen Namen und es wollt’
Das Blut zum Herz zurück – mir war’s
Genau, als ob ich sterben sollt’.

Nur der allein’ge Trost noch blieb
Mir da, in meiner größten Noth:
Mein Lieb – mein tapferer Soldat,
Ist ja verwundet nur – nicht todt.

Und doch – wie hat die Sorge mich
So oft und bitter dann gequält,
Daß Dir, auf Deinem Leidensbett
Es wohl an dem und jenem fehlt –

Und nun auch noch den Kummer, daß
Du meinetwegen Dich betrübt;
O, war das recht? – Als Du es schriebst,
Hast Du mich da wohl noch geliebt?

Doch Gott sei Dank, Du kehrst ja heim
In meine Arme – an mein Herz –
Daß Du ein Krüppel, macht Dir Pein
Und hat vermehrt noch Deinen Schmerz?

O, wüßtest Du, wie stolz ich auf
Den Krüppel bin, und wie beglückt,
Wenn erst der eine Helden-Arm
Mich als die Seine an sich drückt!