Elektrische Küche

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Titel: Elektrische Küche
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 531
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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[531] Elektrische Küche. Daß die Elektricität sich auch in den Dienst der Küchenfeen stellen könnte, daran hat man seit geraumer Zeit nicht gezweifelt. Sie läßt sich ja in Hitze umsetzen und mit ihrer Hilfe wird die stärkste Glut erzeugt, über die der Mensch überhaupt verfügt. Es handelte sich also nur darum, elektrische Apparate zu ersinnen, welche als Heizapparate in der Küche verwendet werden könnten. In den letzten Jahren hat man wiederholt von elektrischen Kochtöpfen gehört, deren Boden und Wände Heizkörper darstellten: brachte man diese mit einer elektrischen Leitung in Verbindung, so erhitzten sich die Töpfe und es wurde möglich, die in ihnen enthaltenen Speisen zu kochen und zu braten. Aber diese Apparate waren nicht einfach und bequem; ihre Bedienung erheischte eine besondere Uebung und technische Fertigkeit, die man vom Küchenpersonal nicht gut verlangen kann.

Voriges Jahr wurde nun auf der großen Weltausstellung in Chicago und in der kleinen, aber interessanten Tiroler Landesausstellung zu Innsbruck eine elektrische Küche vorgeführt, die anscheinend alles leistet, was man von der Elektricität als Heizmittel in der Küche fordern kann. Die Ausstellerin dieser in den meisten Ländern zum Patent angemeldeten Neuerung war eine deutsche Firma, „F. Schindler-Jenny“ in Kennelbach bei Bregenz.

Die elektrischen Kochöfen sehen äußerlich unsern gewöhnlichen Kochmaschinen und Kochherden nicht unähnlich; im Innern aber schaut es anders aus. Auf feuerfesten Platten liegen die elektrischen Leiter, welche, sobald der Strom durch sie kreist, sich erhitzen. Diese geben ihre Hitze an metallene Platten ab, welche wie unsere gewöhnlichen Kochringe in gleicher Ebene mit der Herdplatte und in dieser selbst angebracht sind. Auf dem elektrischen Ofen kocht man also in derselben Weise wie auf einem gewöhnlichen Kochherde. Er besitzt aber auch Back- oder Braträume, in [532] welchen die Heizkörper unten und an den Seiten der metallenen Wände angebracht sind, und auch hier gleicht die Behandlung des Bratens oder der Backware durchaus der bisher üblichen.

Aber der elektrische Ofen bringt verschiedene Vorteile und manche Bequemlichkeiten. Wer über einen solchen Herd verfügt, der braucht kein Holz und keine Kohlen zu schleppen, auch kein Zündholz zum Anmachen der Glut; er rückt einfach ein Hebelchen und läßt den elektrischen Strom durch einen der Heizkörper kreisen, dadurch wird eine der Heizplatten erhitzt. Braucht er mehr Hitze, so rückt er mehr der Hebelchen und versetzt dementsprechend mehr Heizkörper in Glut. Und wenn er nicht mehr kochen will, so rückt er die Hebelchen zurück und in einem Augenblick ist der Strom abgestellt, der Ofen erkaltet. Da giebt es keine Asche, keinen Rauch und keinen Ruß im Zimmer. Diese Vorteile bietet ja auch schon die Gasfeuerung. Aber der elektrische Ofen ist vollkommener; er birgt nicht die Gefahren einer Leuchtgasexplosion oder Kohlenoxydvergiftung in sich.

Die Firma F. Schindler-Jenny hatte große und kleine elektrische Küchenherde und auch kleine Siedapparate ausgestellt, die in den Kochtopf gestckt werden und 1 Liter Wasser in 5 Minuten zum Sieden bringen. Ja mit der Elektricität macht sie Bügeleisen heiß und behütet so die Plätterin vor den schädlichen Dünsten der Kohlenbügeleisen.

Aber – ja leider hängt an der sauberen, bequemen elektrischen Küche noch ein Aber: sie kann nur dort errichtet werden, wo der Anschluß an ein Elektricitätswerk möglich ist! Dadurch sind der elektrischen Küche in der Gegenwart noch Schranken gesetzt. Dann kommt der sehr wichtige Kostenpunkt in Betracht. Was diesen anbelangt, so hängt alles davon ab, wie der Strom berechnet werden muß. Wo Wasserkraft vorhanden ist, da stellt sich der Betrieb eines elektrischen Herdes billiger als der eines Kohlenherdes. Wo aber der Strom teuer kommt, da gestaltet sich das Verhältnis umgekehrt. Aber auch in diesem Falle dürfte sich die Anschaffung der kleinen Herdchen, der Sieder und Bügeleisen ihrer großen Vorzüge halber doch lohnen, zumal bei diesen der Stromverbrauch keine große Rolle spielt.

Gegenwärtig kann allerdings die Elektricität, selbst wo sie billig zu haben ist, die schwarze Kohle nicht gänzlich aus der Küche verdrängen. Wenn der Winter kommt, dann vermag der elektrische Herd, der nur gerade die zum Kochen und Braten nötige Wärme giebt und sie in wohlabgemessener Sparsamkeit auf bestimmte Heizplatten konzentriert, den Küchenranm nicht genügend zu erwärmen. Die Kochfrau ist alsdann genötigt, die Küche in der bisher üblichen Weise zu heizen. Aber man sagt, daß auch der elektrische Heizofen nur eine Frage der Zeit sei. Dann kann es ja wohl noch soweit kommen, daß Dienstmädchen und Köchinnen sich an Herrschaften nicht vermieten wollen, bei welchen ihnen die Zumutung gestellt würde, wie einst im 19. Jahrhundert Kohlen treppauf und Asche treppab zu tragen. Wenn aber auch dieses Goldene Zeitalter der Küche aufgegangen sein wird, so wird der Hausherr keine Wendung zum Besseren spüren; ebenso oft wie heute wird er mißmutig vor versalzener Suppe und elektrisch angebräuntem Braten sitzen und die uralte Wahrnehmung machen können, wie wenig durch alle Fortschritte und Erfindungen der Zeit die Natur des Menschen verändert und die Zerstreutheit der Köchinnen gemindert wird. *