Ein „Tischlein deck’ dich!“ im Walde

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Titel: Ein „Tischlein deck’ dich!“ im Walde
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 532
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[532] Ein „Tischlein deck’ dich!“ im Walde.

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Ein „Tischlein deck’ dich!“ im Walde.
Nach einer Originalzeichnung von H. Morin.

Wenn der erfahrene Sammler die Titelblätter der Schmetterlings- und Käferbücher betrachtet, auf denen eine Menge der seltensten Tiere in buntem Gedränge durcheinanderschwirrt, so entlockt ihm das ein mitleidiges Lächeln, denn er weiß gar wohl, wie viel Mühe und Sorgfalt aufgewendet werden muß, um auch nur eine der begehrenswerten Raritäten, mit denen der Zeichner des Bildes so freigebig war, in seine Gewalt zu bekommen. Und doch hat auch er zuweilen an besonders glücklichen Tagen Gelegenheit zu einem reichen Fang, wie er ihn sonst oft während eines ganzen Sommers nicht zusammenzubringen vermag. Auch die Natur deckt den formenreichen, farbenprangenden Insekten zuweilen an lauschig stillen Plätzchen einen reichen Tisch und groß ist dann auch die Menge der bunten, schimmernden Tiere, welche sich zur leckeren Tafel drängen. Der bekannte Insektenforscher Professor Dr. Taschenberg sen. erzählt in Brehms „Tierleben“ von dem prächtigen Anblick, den eine große Anzahl von Goldkäfern an einem Eichenstamme bot, wo sie begierig den aus einer verletzten Stelle fließenden Baumsaft leckten, dabei weithin wie ein goldenes Pflaster leuchtend. Die gleiche, von Käfern vielbegehrte Süßigkeit hat auch auf unserem Bilde eine Anzahl Käfer am Strunk eines frischgeschnittenen Baumes vereinigt. Die große, goldgrüne Cetonia speciosissima, der Stolz aller Sammler, leuchtet wie ein breiter Edelstein hervor, an Glanz und Größe die gemeinen Goldkäfer, ihre Vettern, weit übertreffend, von denen einer, vom süßen Nektar berauscht, bereits unten auf dem Rücken liegt und von einigen neugierigen Ameisen in Bezug auf seine Eßbarkeit eindringlich untersucht wird. Neben der Cetonie sitzt ein länglicher Schmalbock (Strangalia armata), welcher mit dem schwarz und rot gebänderten Bienenwolf gleichfalls am Mahle teilnimmt. Sie alle überragt der Riese unserer Käferwelt, der mächtige Hirschkäfer, der, im Genuß gestört, einem heranschwirrenden Bienenwolf drohend seine Zangen entgegenstreckt. Das Getümmel hat auch ein paar Laufkäfer herbeigelockt, den rotgrün glänzenden Puppenräuber (Calosoma sycophanta), der im Begriff ist, eine Eulenraupe zu überfallen, und den schwarzen, rot oder violett gerandeten Carabus violaceus, der mit dem vorigen als Raupenvertilger zu unseren nützlichsten Käfern gehört. Haben die Käfer sich gütlich gethan, so werden der gebänderte Eisfalter und die schwarze blutfleckige Jacobaea sich einstellen, welche mit ihren zarten Flügelchen sich so wenig in das Getreibe der groben Käfer wagen wie eine feingekleidete Dame in einen Haufen Betrunkener, und wenn sich die Schatten der Nacht herniedersenken, dann kommen auf kräftigen Schwingen die großen Schwärmer und die schöngefärbten Ordensbänder herbei, nur auch ihren Anteil vom reichen Tisch zu holen.