Elektrische Kraft Hertz:018

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Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 18
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1. Einleitende Uebersicht.


keit, mich von dem Ergebniss seiner Versuche alsbald in Kenntniss zu setzen, ich theilte ihm mein Bedenken gegen seine Erklärung der Erscheinung und meine eigene Erklärung derselben mit, aber obwohl er meinen Ausführungen die liebenswürdigste Bereitwilligkeit entgegenbrachte, gelang es uns nicht, uns über die Deutung der Versuche zu verständigen. Eine solche Verständigung gelang sogleich mit Herrn H. Poincaré, welcher sich selber eine im wesentlichen gleiche Auffassung der Erscheinung gebildet und mir brieflich dieselbe mitgetheilt hatte. Er hat diese Auffassung mathematisch ausgearbeitet und in seinem Werke „Electricité et optique“ veröffentlicht.[1] Gleichzeitig und unabhängig davon hat Herr V. Bjerknes die mathematischen Entwickelungen durchgeführt.[2] Dass die Erklärung der Herren Poincaré und Bjerknes nicht nur eine mögliche, sondern die einzig mögliche Erklärung bildet, ist, wie mir scheint nachgewiesen durch eine eben erschienene Untersuchung[3] des Herrn Bjerknes, welche feststellt, dass die Schwingung des primären Leiters wenigstens in erster Annäherung eine regelmässig gedämpfte Sinuswelle von bestimmter Periode ist. Die sorgfältigen Untersuchungen der Herren Sarasin und de la Rive enthalten demnach eine unentbehrliche Vervollständigung unserer Kenntniss dieses Gebietes, aber sie enthalten keinen Widerspruch gegen irgend eine von mir aufgestellte Behauptung. So sind diese Versuche von ihren Urhebern auch angesehen worden. Eine schärfere Kritik ist aus Anlass jener Versuche von einem ausgezeichneten, übrigens diesen Versuchen fernstehendem französischen Gelehrten an meinen Arbeiten ausgeübt worden. Ich hoffe, man wird jetzt urtheilen, dass für eine solche Kritik die Berechtigung fehlte.[4]

     Es sei mir gestattet, bei dieser Gelegenheit auch der Zweifel zu erwähnen, welche in der letzten Zeit von den Herren Hagenbach und Zehnder gegen die Beweiskraft meiner Versuche ausgesprochen worden sind.[5] Ich möchte die Arbeit der


  1. H. Poincaré, Electricité et optique II. p. 249.
  2. V. Bjerknes, Wied. Ann. 44. p. 92. 1891.
  3. V. Bjerknes, Wied. Ann. 45. p. 513. 1891.
  4. Cornu, Comptes rendues 110. p. 72. 1890.
  5. E. Hagenbach u. L. Zehnder, Wied. Ann. 43. p. 610. 1891.