Elektrische Kraft Hertz:134

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 134
<< Zurück Vorwärts >>
De Elektrische Kraft Hertz 134.jpg
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


[134]

8. Ueber elektrodynamische Wellen im Luftraume.


bare Wirkung durchaus nicht geschehen konnte, und zwar vorzugsweise in der Nähe fester Wände. Besonders aber trat mir mit Beständigkeit folgende Erscheinung entgegen: Prüfte ich die Funken im secundären Leiter in sehr grossen Entfernungen vom primären Leiter, woselbst die Funken schon äusserst schwach waren, so bemerkte ich, dass in den meisten Lagen des secundären Kreises die Funken wieder sehr deutlich zunahmen, wenn ich mich einer festen Wand näherte, um dann in unmittelbarer Nähe derselben fast plötzlich zu verschwinden. Die einfachste Erklärung schien mir diese, anzunehmen, dass die sich wellenförmig ausbreitende Inductionswirkung von den Wänden reflectirt würde, und dass die zurückgeworfenen Wellen die ankommenden in gewissen Entfernungen verstärkten, in anderen schwächten, indem durch die Interferenz beider stehende Wellen im Luftraum sich ausbildeten. Indem ich die Bedingungen für eine Reflexion mehr und mehr günstig gestaltete, trat die Erscheinung mehr und mehr hervor, und die gegebene Deutung wurde immer wahrscheinlicher. Ich halte mich indess bei den unvollkommenen Versuchen nicht auf, sondern gehe unmittelbar zur Beschreibung der Hauptversuche über.

     Der Hörsaal der Physik, in welchem diese Versuche angestellt wurden, ist nahe an 15 m lang, 14 m breit, 6 m hoch. Parallel mit den beiden Längswänden ziehen sich indessen zwei Reihen eiserner Säulen hin, deren Gesammtheit sich für die elektrodynamische Wirkung wohl schon mehr wie eine feste Wand verhält, sodass die ausserhalb derselben gelegenen Theile des Raumes nicht mitgerechnet werden können. Es blieb daher für die Versuche der Mittelraum von 15 m Länge, 8,5 m Breite, 6 m Höhe. Aus diesem Raum liess ich die hängenden Theile der Gasleitungen und die metallenen Kronleuchter entfernen, sodass er nichts enthielt als die hölzernen Tische und Bänke, welche nicht wohl entfernt werden konnten, von denen aber eine schädliche Wirkung weder zu erwarten war, noch sich geltend machte. Die eine der Stirnwände des Raumes, an welcher die Reflexion stattfinden sollte, war eine von zwei Thüröffnungen durchbrochene massive Sandsteinwand; zahlreiche Gasleitungen zogen sich an derselben hin. Um der Wand noch mehr den Charakter einer leitenden Fläche zu ertheilen, wurde an derselben ein Zinkblech von 4 m Höhe und 2 m Breite be-