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Entstehung des Freiberger Gebäcks: Der Bauerhase

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Entstehung des Freiberger Gebäcks: Der Bauerhase
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 251-252
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort:
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[251]
273) Entstehung des Freiberger Gebäcks: Der Bauerhase.
S. Dresd. Anz. 1873. Nr. 99. S. 26.

Markgraf Friedrich mit der gebissenen Wange liebte das zu seiner Zeit mächtig emporblühende Freiberg vor allen andern Städten seines Landes und pflegte dort häufig Hof zu halten. Zu dem Kreise, den er dort gern um sich versammelte, [252] gehörte ein Caplan, der die Freuden der Tafel nicht verschmähte und ihm wegen seines muntern aufgeklärten Wesens besonders werth war. Eines Fastnacht-Dienstags hatten die Herrschaften bis nahe an Mitternacht getafelt, als der Markgraf seinem Koch, Namens Bauer, befahl, als nächsten Gang Hasenbraten auf den Tisch zu bringen. Der Caplan, welcher des Guten vielleicht bereits genug gethan hatte, erhob jedoch hiergegen Einspruch und erklärte es im Hinblick auf die mit Mitternacht anhebende Fastenzeit für Sünde, nach der letzteren Beginn noch eine Fleischspeise zu sich zu nehmen. Während der Markgraf nun hierüber mit dem Caplan in einen Wortstreit sich einließ, war der Koch, ein lustiger Patron, nachdem er verheißen, beiden Partheien alsbald gerecht werden zu wollen, in seine Küche gegangen, hatte von seinem Teig einen Hasen geformt, denselben mit Mandeln wohl bespickt, und offerirte dieses Gebäck alsbald dem Markgrafen und seinen Gästen mit dem Bemerken, daß dergleichen Hasen wohl auch in der Fastenzeit mit Fug und Recht gegessen werden könnten. Der Caplan, den diese neue Speise reizte, erklärte dieselbe sofort für zulässig und der Markgraf, mit seinem Koch höchlich zufrieden, befahl, daß das neue Gebäck, dem er, seinem Erfinder zu Ehren, den Namen „Bauerhase“ beilegte, in Zukunft stets seine Tafel während der Fastenzeit ziere.[1]


  1. Eine andere Erklärung des Namens ist, daß, weil sonst die Bauern den Hasenbraten nur dem Namen nach kannten, da sie selbst nicht jagen durften, sie an Festtagen ein Gebäck in Form desselben machten, das sie scherzweise Bauerhase nannten. Nach dem Dresd. Anzeiger v. 6. April stammen die Freiberger Bauerhasen aber von dem sogenannten Osterhasen.