Es soll sich grübelnd nicht versenken

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Es soll sich grübelnd nicht versenken
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 51–52
Kurzbeschreibung:
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[51]

Lieder geselligen Inhalts.
a) Ernstes.
36.


     Mel.: Sind wir vereint zu guter Stunde etc.

     1. Es soll sich grübelnd nicht versenken in’s Sein der Dinge unser Geist, der mit dem kalten, klaren Denken entzwei die letzten Schleier reißt, da Wein und Lied und Gunst der Frauen und jede Lust es uns vergällt und Ekel nur zu bald und Grauen und Traurigkeit uns überfällt.

     2. Wir sollen vor dem dumpfen Brüten, das leise und das herz zerfrißt, und vor dem Ernste uns behüten, der seine Sorgen nie vergißt. Es flösse reich allein an Klagen und Leid ein Menschenleben hin, wenn uns nicht Alles hülfe tragen ein wenig froher leichter Sinn.

     3. Es ist auf dunkler Lebenswelle die Freude nur der lichte Schaum, der Sonnenstrahl in finstrer Zelle, ein flücht’ger Rausch, ein süßer Traum. Und dennoch heißt es mutig greifen nach jeder Freude Labetrank und jede duft’ge Blüte streifen vom losen, nickenden Gerank.

     4. Noch haben sie ihn nicht begraben und schelten darf ihn nur der Thor – den holden, [52] frischen Götterknaben, den munter-schelmischen Humor, der mit des Witzes Wurfgeschossen nach allem Spotteswerthen zielt und frohen Lächelns unverdrossen auch mit dem tiefen Ernste spielt.

     5. Wir haben alle seine Ränke dem Himmelssohne abgelauscht und oft und oft für kecke Schwänke den frohsten Jubel eingetauscht. Wir haben nie und nie vergessen sein launig-scherzendes Geheiß und immer hat er still gesessen und ungesehn in unserm Kreis.

     6. Doch blieb auch dieses muntre Streben zu allen Zeiten kerngesund und nimmer fehlte unserm Leben der männlich-ernste Hintergrund. Wir haben nur, wo es am Platze, gescherzt, gespottet und gelacht, und den Humor zu einer Fratze, zu einem Handwerk nie gemacht.

     7. Wir griffen nach dem bunten Kranze der Luft, des Scherzes nur zu gern, doch strahlte auch in hellem Glanze uns echter, treuer Freundschaft Stern. In warmem Jugenddrange fanden die Hände sich der kleinen Schar und unverwüstlich überstanden hat sie die drohendste Gefahr.

     8. Wir brauchen weiter nicht zu sorgen – in solchem innigen Verein wird auch für späte Zeit geborgen das Los des heitern Bundes sein. So laßt denn eure Becher klingen und unser altes Banner wehn! Der Stern, der uns in ernsten Dingen geführt, wird nimmer untergehn!