Evangelien-Postille (Wilhelm Löhe)/Pfingsttag

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Am Pfingsttage.

Evang. Joh. 14, 23–31.
23. JEsus antwortete und sprach zu ihm: Wer Mich liebet, der wird Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. 24. Wer aber Mich nicht liebet, der hält Meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat. 25. Solches habe Ich zu euch geredet, weil Ich bei euch gewesen bin. 26. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen Mein Vater senden wird in Meinem Namen, Derselbige wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles des, das Ich euch gesagt habe. 27. Den Frieden laße Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch, Nicht gebe Ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. 28. Ihr habt gehört, daß Ich euch gesagt habe: „Ich gehe hin und komme wieder zu euch.“ Hättet ihr Mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß Ich gesagt habe: „Ich gehe zum Vater,“ denn der Vater ist größer, denn Ich. 29. Und nun habe Ich es euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. 30. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an Mir. 31. Aber auf daß die Welt erkenne, daß Ich den Vater liebe und Ich also thue, wie Mir der Vater geboten hat, stehet auf und laßet uns von hinnen gehen.

 DIe heutige Festepistel, welche vom Altare verlesen wurde, ist von dem so eben verlesenen Festevangelium sehr verschieden. Jene berichtet die wundervolle Geschichte des Tages, den wir feiern; dieses erwähnt des Tages mit keiner Sylbe, zeigt uns aber anstatt der längst vergangenen Festgeschichte die eigentliche Pfingstgestalt der Kirche, anstatt des Vergänglichen das Dauernde, was sich in jedem Gläubigen finden soll und durch Gottes Gnade sich auch leicht finden kann. Wenigstens ist das der hervorstechende Inhalt des Pfingstevangeliums.


 Am Morgen des heutigen Tages waren die Jünger JEsu, wie andere Israeliten, zur Stunde des Gebetes, unserer neunten Vormittagsstunde, in den Hallen des Tempels versammelt. Sie waren am Osterabend durch den Hauch und Geist des Mundes JEsu zu guten Beichtvätern und Seelsorgern der Welt geweiht worden und hatten damit die ordentlichen Amtsgaben empfangen. Heute sollten diese Gaben zum Leben und zur Uebung gebracht und mit den großen, außerordentlichen Gaben des Apostolats verbunden werden. Was zuvor bereitet war, sollte nun zur Anwendung kommen und die Boten, welche Sich der HErr zugerüstet hatte, sollten nun in ihre große, amtliche Thätigkeit eingeführt werden. Das wars, was wir vorgehen sehen, wenn wir die Geschichte des Pfingsttags lesen. Ein lauter, kenntlicher Schall, ein in der ruhigen Luft des Tages sich deutlich absonderndes Windeswehen bewegte sich auf denjenigen Theil der Tempelhallen, auf das Haus zu, wo die Jünger versammelt waren. Die im Tempel, in nahen Räumen gleichfalls versammelten Israeliten konnten die Bewegung und Herberge des Schalls und Windes unterscheiden und strömten dorthin. Israel sammelt sich, den ersten großen, neutestamentlichen Pfingstsegen zu schauen und zu empfangen. Da ward groß Wunder offenbar, da sah man die Jünger, auf deren jeden sich der heilige Geist in einer Weise niedergelaßen hatte, welche wir nicht verstehen, und ihre Zungen erschienen zertheilt und feurig. Sie selbst voll heiligen Geistes sollten, was in ihnen lebte, mit zertheilten Zungen, d. i. in mancherlei Sprachen, und so verkündigen, daß wie vom Feuer auf die Leiber, so von ihren Zungen in die Seelen Licht und himmlisches Leben strömte. Es gab Predigten, wie man sie zuvor nicht vernommen. In heiliger Ordnung erhob sich ein Apostel um den andern und in wunderbaren, abwechselnden und sich einander ablösenden Vorträgen, deren ein jeder in einer andern| Sprache gehalten wurde, begann das harmonische Lied vom neuen Bunde kund zu werden. Von den durch Gottes Vorsehung gerade zusammengekommenen und anwesenden, in den verschiedensten Gegenden der Welt wohnenden, die verschiedensten Sprachen redenden Juden hörte einer um den andern die großen Thaten Gottes in seiner Sprache erschallen. Da ward kund, daß nun die Stunde gekommen war, den Fluch Gottes über Babel aufzuheben und einstweilen allen Sprachen einerlei Inhalt, nemlich die Thaten Gottes in Christo JEsu, zu verleihen, die Geister zu einem Lob und Preis, zu einer Wahrheit zu versammeln, bis endlich auch der Sprachen verschiedener Ton sich in eine, heilige Sprache auflösen würde. Was in immer weiteren und größeren Kreisen sich wiederholen sollte, Vereinigung der Menschen aller Zungen zu einerlei Sinn und Rede, das geschah hier zum ersten Male. Was von da an mit Macht hinausdrang zu allen Völkern, das ward im Tempel zu Jerusalem begonnen. Von da an begannen die Völker in Zions Licht zu wandeln und Erkenntnis des HErrn überströmt seitdem die Erde, wie das Waßer den Meeresgrund bedeckt. Die letzte große Stunde der Welt, der letzte Abschnitt ihres zeitlichen Bestehens, der Anfang eines neuen Lebens war gekommen. Die ganze Zeit und Geschichte der Kirche, heut ist sie entsprungen: Pfingsten ist heut noch, wie damals, denn noch immer feiert man wie damals die Ausbreitung und Gründung der Kirche. Der erste Pfingsttag war ein Geburtstag der Kirche, und jeder der seitdem entflohen, ist es nicht minder. Die Apostel, die Gläubigen der ersten Tage sind schlafen gegangen. Nicht mehr braust der Wind des ersten Pfingsttags, Flammen und getheilte Zungen und wunderbare Sprachengaben werden nicht mehr wahrgenommen. Insofern ist, was wir feiern, vorüber. Aber was durch die Apostel an den ersten Gläubigen wunderbar geschehen, das geschieht denn doch auch jetzt noch: durch der Zungen Gewalt werden die Völker aller Zungen zu einerlei Glauben gebracht, und siegreich, immer siegreicher dringt hindurch, was wir singen oder beten: „Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen Deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer Deiner göttlichen Liebe, der Du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Einigkeit des Glaubens.“

 Diese fortgehende Bewegung der heiligen Kirche, die immer voller werdende Sammlung aller Versehenen zur einen Wahrheit und zur einen Heerde könnte man eine fortdauernde Pfingstbewegung mit vollem Rechte nennen, wohl auch eine Pfingstgestalt der Welt, die ja immer mehr ihre Auserwählten zur Kirche liefert. Aber eine Pfingstgestalt der Kirche könnte man sie nicht nennen, denn die Kirche ist ja die gesammelte Schaar der Erlösten und Berufenen, nicht die Schaar derer, welche erst gesammelt werden; sie sammelt zwar, aber sie wird nicht gesammelt; und wenn ich drum oben sagte, das heutige Evangelium rede seinem hervorstechendsten Theile nach von der Pfingstgestalt der Kirche, so ergibt sichs aus dem Gesagten, wie aus einer auch nur oberflächlichen Kenntnisnahme unsers Textes von selbst, daß unter der Pfingstgestalt der Kirche etwas ganz anderes verstanden werden müße.


 Wenn wir von einer Pfingstgestalt der Kirche reden, so reden wir allerdings von einer Gestalt, welche an dem ersten Pfingsttage zuerst ins Leben trat, von jenem Tage, von der Ausgießung des Geistes und dem ersten Wirken der heiligen Apostel ihren Ursprung nahm; aber wir reden nicht von einer äußerlichen Gestalt oder Erscheinung, auch nicht von derjenigen, welche wir am ersten Pfingstfeiertage sehen, sondern von der innern Gestalt der Kirche, wie sie sein soll und werden kann, wie sie auch bei den Heiligen Gottes sich bereits ausgebildet hat, − von jener Gestalt, die in den Worten des Brautliedes (Ps. 45.) angedeutet ist: „Die Braut ist herrlich inwendig,“ die nun in unserm Evangelio im vollen Glanz und aufgedeckter Herrlichkeit offenbart ist.

 Auch die Bußfertigen sind des HErrn und die im Anfang des Glaubens stehen, und die voll Verlangens um Rechtfertigung beten und sie erfahren, sind von Ihm hoch begnadigt. Aber Buße, Glaube, Rechtfertigung machen doch nicht die volle Pfingstgestalt der Kirche aus, sondern sind nur Wurzeln und Stamm des geistlichen Lebens. Die volle Pfingstgestalt der Kirche, der ganze heilige Schmuck, in dem sie durch Gottes Gnaden prangen soll und kann, liegt in den Worten Christi: Lieben − Worthalten − vom Vater geliebt − Gottes Wohnung sein. Denn so spricht der HErr: „Wer Mich liebet, der wird| Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber Mich nicht liebet, der hält Meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat.“ − Diese heiligen, himmlischen Worte laßt uns in Andacht genauer betrachten.

 Wie reich, meine Geliebten, steht die Natur an Früchten und Gütern Gottes! Wie schön glänzt der Himmel über der grünen Erde! Wie liebliche Lüfte wehen! Wie köstlich ist es, dieß alles wieder zu erleben und die Festtage der Erde zu feiern! Aber schöner, lieblicher, frühlingsmäßiger ist es dennoch, den Geist der Pfingsten in der Liebe JEsu zu erkennen, sein Wehen und Wirken in heiliger Liebe zu JEsu zu empfinden. Es ziehen viele Menschen durch die Welt, welche von dieser Liebe zu JEsu nichts inne werden, sondern verwundert fragen: „Wie kann man doch JEsum im eigentlichen Sinne und persönlich lieben!“ Und freilich, Er ist so ferne, so hoch, so groß! Menschlicher Verstand ermißt und begreift das nicht. Aber der Geist des HErrn wirkt dieß Wunder, ein Wunder der Augen, daß wir unsern HErrn JEsus überall erkennen, der Ohren, daß wir Ihn überall vernehmen, des Herzens, daß wir Ihn überall ahnen, persönlich gegenwärtig glauben, nicht ins Blaue hinein die Wellen herzgründlicher Neigung schlagen, sondern zu Ihm, als dem Mittelpunkte unsers Daseins und Lebens, gezogen werden. Das ist ein wunderbares Ding und doch ein wirkliches, JEsum nicht sinnlich wahrzunehmen, und doch Seiner persönlichen Nähe und Liebe so gewis zu sein, wie nur irgend eine Braut des Bräutigams gewis ist. O Liebe, die vor aller Welt Augen eine Thörin, und doch vor den Augen aller Engel die schönste Frühlingsblume im Reiche Gottes ist! O Liebe zu dem unsichtbaren König, heilige, unsinnliche, geistliche Liebe, wie selig sind deine Leute! Sie wandeln in einer Wonne dahin, von welcher die Wonne derer nur ein leiser Schatten ist, die auf köstlichen Auen stiller, glücklicher, mit immerwährendem Frieden gesegneter Inseln des Südens wohnen! Seliges Pfingsten der Liebe zu unserm HErrn und Heiland JEsus Christus, unaussprechliches Glück! Dagegen großes Unglück der Lieblosigkeit gegen JEsum! Es ist kein Pfingsten, wo keine Liebe ist, und es ist kein Pfingstgeist im liebeleeren Herzen ausgegossen!


 Aber wie ists mit der Liebe? Verzehrt sie sich im eigenen Feuer, ist sie nichts als inneres, freudenreiches Leben, ist sie ohne Schein und Kraft nach außen, träg und ohne Segen für die Welt? Gewis nicht! Mit dem Vorausgehenden sollte allerdings gesagt werden, wie freudenreich sie sei; aber welche Liebe wäre denn gedankenlos und thatlos, welche schwelgte nur im seligen Gefühle? Keine unter allen; denn jede Liebe ergreift den ganzen Menschen. Darum sagt auch der HErr: „Wer Mich liebet, der wird Mein Wort halten.“ − Wenn Er von Seinem Worte spricht, meint Er nicht bloß einen Theil Seines Wortes, also nicht allein das Gesetz, aber auch nicht allein das Evangelium; Er faßt alles zusammen. Und wenn Er vom Halten des Wortes spricht, so redet Er auch wieder nicht bloß von der Befolgung des Gesetzes, sondern auch vom Auffassen Seines Evangeliums. Wer Sein Wort halten will, der muß es vor allem kennen und haben; es kann niemand etwas halten und bewahren, was er nicht kennt und nicht hat. Wer es aber hat und kennt, der muß, um es zu halten, in sein Verständnis dringen, es im Herzen bewegen, wie Maria, es nie vergessen, sich in keinem Geschäfte, in seiner Lage des Lebens seinem Einfluß entziehen, alle Seelenkräfte vom Worte durchgehen und durchwalten laßen, vom Worte denken, vom Worte reden, vom Worte handeln lernen, durchgängig und durchaus dem Worte gemäß werden. Ja gewis, meine Freunde, wer JEsum liebt, der kennt für die Erkenntnis keine höheren Gründe, fürs Handeln keine stärkeren Beweggründe, fürs Leiden keine stärkeren Trostgründe, als JEsu Worte. Wo das nicht ist, ist sicher keine JEsusliebe, denn man lebt auch sonst, bei jeder Liebe, nach Wort und Wohlgefallen deßen, den man liebt. Hast du darum wahre JEsusliebe, so wird dein ganzes Leben ein Ausspruch und Bekenntnis deiner Liebe, Schriftmäßigkeit, Wortgemäßheit wird dir Lebensgrundsatz, Lebensziel. − Es ist Pfingsten. Wie die lauen Lüfte die Welt durchsäuseln, so weht manchen eine Ahnung des Pfingstgeistes an, ein sehnendes Gefühl beschleicht ihn, Seufzer heben sich aus der Brust, er möchte gerne auch ein Pfingstchrist voll| Freud und Jubel sein. Er fühlt es, ohne JEsusliebe, ohne Liebesgedanken, Liebeslieder, Liebesworte, Liebesleben ist kein Pfingsten und überhaupt kein rechtes Leben. Die Erde hat verschiedene Klimate, die Luft mancherlei Temperatur, aber JEsusliebe, lebendige fleißige JEsusliebe ist die allgemeine Temperatur, das allgemeine Klima des Christentums. Selig, wer in ihren Regionen wohnen darf, wenn der HErr aus dem sehnenden Verlangen nach Seinem Pfingsten zum vollen Leben der Pfingsten führt.

 Wohl dürfte mir, was den Inhalt des Gesagten anbetrifft, niemand widersprechen. Meine Worte gründen sich auf JEsu Worte. Aber weiter einen Schritt. Der HErr spricht: Wer Ihn liebe und Sein Wort halte, den werde Sein Vater lieben. Sieht das nicht grade aus, als hätten diejenigen Recht, welche den Werken und dem Verhalten der Menschen ein Verdienst zuschreiben? Die Jünger sollen JEsum lieben, dafür werde sie dann der Vater JEsu lieben: ist also nicht Gottes Liebe Lohn für unsre Liebe? Ist nicht die Liebe Gottes zu uns ein menschliches Verdienst? Gewis nicht, Brüder! Das Tichten des Menschen ist böse von Jugend auf, wie kann die heiligste Liebe aus menschlichem Tichten kommen! Der Mensch ist in Sünden empfangen, wie könnte die Liebe von ihm stammen! Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, wie soll der heilige, starke Gedanke der Liebe aus dem Menschenherzen kommen! Was durch helle, unumwundene, allgemein verständliche Worte Gottes klar und gewis ist, kann nicht durch Worte umgestoßen werden, die verschieden klingen. Nicht aus den dunkeln die hellen, sondern die dunkeln Stellen aus den hellen zu erklären, ist gesunde Regel. Die Wahrheit aber ist diese. Es gibt eine gedoppelte Liebe Gottes, nach der ersten beruft Er uns durch Seinen Geist von der Finsternis zum Lichte, vom Haß zur Liebe, erfüllt Er uns mit Liebeslust und Liebeskraft; nach der zweiten, d. i. nach einer besondern Liebe, neigt Er Sich denen gnädig zu, welche dem heiligen Geiste in Seinem erstgenannten Wirken nicht boshaft widerstanden. Gott liebt die Welt, ehe sie Ihn liebt; denn also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingebornen Sohn gab; die Kirche aber, die Seinen Sohn liebt, erfährt aus Seiner Liebesfülle mehr. Man geht aus Gnade in Gnade und darum aus Liebe in Liebe, aus Erfahrung in Erfahrung. Wem der HErr Liebe zu Seinem Sohne gegeben hat, den macht Er sofort − denn es ist alles Sein Werk − empfänglich für besondere Liebesergießungen Seines göttlichen Herzens. Das inwendige Leben, die Erfahrung göttlicher Liebe hat Stufen, zu deren Ersteigung man beim ersten Eintritt die Verheißung empfängt, die man aber doch nur nach und nach ersteigen kann. Ein Mensch, der ein fernes, großes Land erben würde, würde vom Augenblick des Erbantritts Besitzer desselben sein; aber genießen, erfahren würde er sein Erbe erst nach und nach in dem Maße, als er hineinträte, es kennen lernte, in und von ihm lebte. So auch das Christentum. Der Glaube besitzt alle Liebe, die Gott hat und gibt und alle Liebesgaben Gottes, aber Gott führt in den Reichtum Seiner Liebe die Gläubigen erst nach und nach hinein. So ist also, wo einmal der Tag der Pfingsten aufgegangen ist, kein Ende der Gnade und Liebe Gottes, immer vorwärts geht es, von Genuß zu Genuß, von Erfahrung zu Erfahrung.


 Es ist aber die besondere Liebe des Vaters zu denen, welche Seinen Sohn lieben, in unserm Texte noch genauer benannt und beschrieben, als eine Einwohnung des Dreieinigen. Wer die Worte JEsu hält, der hält nicht allein Seine Worte, sondern auch die des Vaters und des Geistes. „Das Wort, das ihr höret, spricht ja Christus, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat.“ Und indem Er V. 26. sagt, daß der heilige Geist die Jünger alles des erinnern werde, das Er Selbst ihnen gesagt habe, beurkundet Er nichts anders, als daß des Geistes Wort Sein Wort, Sein Wort des Geistes Wort sei. Gleichwie nun das Wort nicht Werk einer einzelnen göttlichen Person, sondern gemeinsames Werk der allerheiligsten Dreieinigkeit ist; so wird denen, die JEsum lieben, auch nicht die Liebe und Liebesbeweisung einer einzelnen Person zugesprochen, sondern die Einwohnung der allerheiligsten Dreieinigkeit. „Wir, heißt es, Wir werden kommen und Wohnung machen.“ Bei diesem Liebesbeweise Gottes angekommen, fühle ich in mir ein Doppeltes, nemlich die Aufforderung, eine Lobrede des gnädigen Gottes und Seiner Heimsuchung zu beginnen, und zugleich das| Gefühl der tiefsten Armuth, wie es bei armen Leuten auch sonst zu erwachen pflegt, wenn sie einmal Pflicht und Eifer treibt, mit recht vollen Händen zu geben. Es ist keine größere Liebeserweisung Gottes gegen die Gläubigen auszudenken als die einer persönlichen Einwohnung, und diese Einwohnung ist nun kein bloßer Wunsch mehr, sondern eine auf bestimmte Verheißung gegründete Hoffnung, und, ich will es nur sagen, weil ich darf und nach meinem Evangelium soll, eine volle Gewisheit aller derer, welche sich das Zeugnis geben dürfen, daß sie JEsum lieben und Sein Wort zu halten sich bestreben. Wenn nun einer unter euch sich dieß Zeugnis geben darf und er versucht, JEsu Versprechen auf sich anzuwenden und zu sich selbst zu sagen: „Der Vater, der Sohn und der heilige Geist wohnt in dir und du bist Seine Wohnung,“ welch eine große Gnade versucht er da, sich zuzuschreiben! Wie zittert, wie zagt da das arme Herz im Gedanken an die hohe Würde, die ihm beigelegt ist! Wenn nicht der HErr das Recht dazu gäbe, man würde unter keiner Bedingung es wagen, so etwas auszusprechen, sich so etwas zuzuschreiben. Wer, meine Freunde, wollte nicht gerne Sinais Pfingsten sei es auch unter Staunen und Schrecken mit durchlebt haben? Wer nicht die Zukunft Gottes zur Hütte des Stifts und zum Tempel Salomonis gerne geschaut haben? Wer würde nicht, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, Gottes Wohnung im salomonischen Tempel mit tiefster Ehrfurcht betrachtet haben? Aber siehe, was braucht es alles das? Gott ist in dir, wenn du JEsum liebst und Seine Worte hältst, du bist Sein Tempel; und wenn du drauf achtest, so werden dir auch, je länger du es thust, desto mehr Zeichen und Beweise entgegenkommen, daß es sich wirklich also verhält, daß Gott da ist, daß du ein wandelnder Tempel der allerheiligsten Dreieinigkeit bist. Die Einwohnung Gottes in dir wird nicht bloß ein Glaubensartikel, sondern auch eine Sache der seligsten Erfahrung sein. Nicht stolzer Uebermuth, sondern Dank einer durch die Last der göttlichen Gnade nicht bloß erfreuten, sondern auch gedemüthigten Seele wird es sein, wenn du es bekennst, daß der HErr in dir ist. Wenn dort Ignatius gegenüber dem römischen Kaiser sich Christophoros und Theophoros, d. i. Christusträger und Gottesträger nannte, so konnte ihm wohl der heidnische Kaiser darob zürnen, wir aber bewundern die demüthige Höhe seiner gottverlobten Seele und wünschen uns nur dasselbe gute Gewißen, dem edlen Kirchenvater nachreden zu können. − Liebe JEsu, Worthalten, von dem Vater geliebt werden, welch eine Herrlichkeit der Pfingstgestalt ist das! Aber wie wird das alles überboten von dem Zuruf Christi und der Apostel: „Gottes Tempel seid ihr!“ Können wirs auch tragen? Erträgt ein arm Gefäß auch eine solche Herrlichkeit? Die Freuden Deiner Einwohnung, dreieiniger, ewiger Gott?! − oder sollen wir sagen: Die Schrecken Deiner Einwohnung? Denn was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß Du Dich seiner also annimmst! Staub sind wir und Sünder und dennoch berufen, Deine Tempel zu sein! − Ach gib uns, was Du uns gnadenreich verheißest, und walte dann Du Selber, daß wir es tragen und Dir würdig dafür danken können, daß wir unter der Last unsers Glückes auch wirklich glücklich sein und Deinen Namen nach Gebühr mit Freuden preisen können.
 Diese Pfingstgestalt der Kirche wirkt in uns der HErr, der heilige Geist, durch Sein heiliges Wort, denn die Liebe zu JEsu und ihren thätigen Gehorsam können wir in keiner andern Weise bekommen, als durch die Wirkungen des Wortes; welches, indem es uns darüber belehrt, alles, wovon es sagt, in uns herstellt. Und die Offenbarung daß Gott, der Dreieinige, uns liebt und in uns wohnen will und wohnt, wem danken wir sie, als Ihm, dem allerhöchsten Erklärer und Ausleger göttlicher und menschlicher Herrlichkeit? Alles Leben kommt uns auf den Flügeln göttlicher Worte und Gedanken vom Himmel ins Herz und es ist keine Stufe des geistlichen Lebens, welche nicht als eine Stufe neuer, fortschreitender Erkenntnis gedacht werden könnte und müßte. − Der HErr hatte Seinen Jüngern vollkommene und vollständige Belehrungen gegeben: aber Seine Belehrungen glichen den Samenkörnern, welche für den Frühling gesammelt und noch nicht ausgestreut sind, oder welche in der Erde liegen, aber noch nicht keimen und sproßen, wie sie sollen. Sie hatten in Christi Worten alles, was ihnen und der ganzen Welt zur Seligkeit nöthig war, und wenn der HErr sagt: „Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen,“ so ist es nicht so zu verstehen, als wären| das neue, von dem Inhalt Seiner ihnen vorgetragenen Lehren verschiedene Dinge gewesen. Alles, was Er noch zu sagen hatte und was sie noch nicht tragen konnten, lag schon in Christi Worten, aber eingeschloßen, noch nicht ausgelegt. Da mußte nun die Zeit des heiligen Geistes kommen, die schöne Frühlingszeit, die Zeit des Wachsens und Gedeihens. Und so wars auch. Der Geist kam, da keimten, da wuchsen, da blühten die Samenkörner JEsu, da umgab sie der heilige Geist mit dem Geruch der Erinnerung an des hohen Meisters Lehre, und die Jünger erkannten nun, daß des Geistes Wort nur Entfaltung des Wortes JEsu, nur Erinnerung daran war. Sie lernten die tief innere Einheit beider und gaben sich desto fröhlicher und völliger Seinen unbegreiflichen, unmittelbaren Lehren hin. Da lernten sie erst recht lieben und Wort halten, da wurde des Vaters Liebe in ihnen ausgegoßen und ihre Geister und Leiber zu Gottes Wohnungen ausgeschmückt. Seht nur in das reiche Leben der Apostelgeschichte hinein, da sieht man, da begreift man, wie der HErr, der heilige Geist, nach Christi Vollbringen erst recht den Segen Seines Leidens, Sterbens, Auferstehens und Seines Hingangs zum Vater verklärte; da lernt man, daß ohne des Geistes Reden und Bewegen alle Güter, die uns Christus erworben, für uns todt und nutzlos geblieben wären.

 Als nun der heilige Geist am Pfingsttage kam und Sein göttlicher Hauch JEsu Saaten für uns zum Wachstum und zur Blüte brachte, da gab es viel Bewegung und große Unruhe. Es war aber keine dauernde Unruhe, im Gegentheil, auf die Bewegung und Unruhe kam große Ruhe. Wenn man alte Gebäude einreißt und neue an deren Stelle baut, geht es freilich nicht stille her; aber wozu baut man Häuser, wenn nicht zu Ruhestätten der Menschen? Auf kurze Unruhe baldige Stille, auf die Unruhe der Erweckungen und Erregungen kommt die Pfingstgestalt des Reiches Gottes in tiefem Frieden zur Seele hinein. Die Hochzeit des Lebens, da man lieben, Wort halten, Gottes Lieb und Einwohnen faßen lernt, bringt tiefste Stille, wo man singt: „Gott, man lobet Dich in der Stille zu Zion.“ Christus spricht davon: „Den Frieden laße Ich euch. Meinen Frieden gebe Ich euch. Nicht gebe Ich euch, wie die Welt gibt, Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ − Es ist eine lebendige Stille, die es da gibt. Heilige, friedenreiche Stille webt vom Himmel zur Erde. Der Himmel wird in seiner Liebe zur Erde offenbar, das sieht man an den Wirkungen des heiligen Geistes. Stille wird im Herzen; keine Leidenschaft vermag mehr zu beunruhigen und zu betäuben und gefangen zu nehmen; die Lebenswege werden einfach und schlicht − und das Herz hat genug an dem, was der Geist wirkt. Ach welche Stille, welcher Friede, an dem, wenn nur die Seele redlich liebt, jede Anfechtung der zeitlichen, sündlichen Unruhe abprallt. − Diesen Frieden erwarb der Friedenskönig Seinen Unterthanen und ließ ihn bei Seiner Auffahrt zurück, aber zum Genuß kam Er erst in der Zeit des heiligen Geistes, da die Apostel des HErrn Sinn und Seiner Worte Deutung und Zusammenhang vernahmen und Seine, sowie die eigene Lebensaufgabe begriffen. Da hieß es nicht bloß: „Den Frieden laße Ich euch,“ da hieß es: „Meinen Frieden gebe Ich euch.“ − Und nicht wie die Welt gibt Er. Er gibt voller, beständiger, und wenn Er gegeben hat, ist kein Entreißen mehr, es bleibt ewig Friede, so daß keine Furcht und kein Schrecken mehr nöthig ist. Wer sollte nicht, wo JEsu Worte Bürgschaft leisten und der heilige Geist sie in ihrer göttlichen Fülle auslegt, wo man immer mehr JEsum lieben und die Liebe des dreieinigen Gottes faßen lernt, wo man selbst immer mehr verklärt wird in die ewige Pfingstgestalt einer erlösten, freudenreichen Seele, − wer sollte da nicht auch immer tiefer und fester im Frieden gegründet werden? Friede wirds, wo Pfingsten ist, und immer tieferer Friede. „Der Friede sei mit euch“ − das ist bei Friedenskindern der liebste, schönste Gruß, denn er drückt die tiefste Befriedigung des eigenen Innern aus, − und bringt das als Wunsch herwieder, was man selbst in der friedenlosen Welt für das eigene und für alle andern Herzen am liebsten gewünscht hat. Denn Friede, in der That, das ist in der Zeit der verständlichste, deutlichste Wunsch unsrer sehnenden, wunscherfüllten Seele.


 Pfingstgestalt der Seele im Frieden − was könnte man mehr begehren? Und doch enthält das Evangelium noch einen Beisatz. Der HErr hatte Seinen Jüngern schon vorher in Seinen letzten Reden| von Seinem Hingang und von Seinem Wiederkommen gesprochen. Daran erinnert Er sie; zwar nicht zunächst an Sein Wiederkommen, von welchem Er wenige Verse vorher ohnehin gesprochen hatte, aber an Seinen Hingang. Er gieng zum Vater, der größer war als Er Selbst, − dem Er aber nun in Seinem Hingang auch nach der Menschheit näher kommen, auf deßen Throne, zu deßen Rechten Er niedersitzen sollte. Die Menschheit JEsu, hier erniedrigt, wurde durch den Hingang in alle Folgen ihrer Verbindung mit der Gottheit völlig eingeführt und alle Fülle der Gottheit durchströmte und durchleuchtete sie. Nun wurde sie, nachdem sie durch Reinheit schon während ihres Erdenwandels ein würdiger Tempel der Gottheit gewesen war, auch durch Majestät und Kraft eine vollkommene, würdige, ewige Trägerin der Gottheit. Sie zog die göttliche Gestalt an, die ihr wegen der ewigen und vollkommenen Verbindung mit dem Sohne Gottes gebührte, und wurde nun die Freude und Wonne des Vaters und aller geschaffenen, reinen Geister. In ihrem Anschauen fanden von da an die letzteren ihre Seligkeit, und die Menschen wißen nun alle keine höhere Bezeichnung für ihre letzte und größte Hoffnung, als „Anschauen JEsu“. So diente also dem HErrn Sein Eingang zur Vollendung, weshalb Er auch mit freundlichem Verweise zu Seinen Jüngern sprechen konnte: „Hättet ihr Mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß Ich euch gesagt habe, Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer denn Ich.“ − Die Größe JEsu, die ewige Herrlichkeit Seiner allerheiligsten Person ist der Brunnen aller Wohlthaten, die wir vom Geiste der Pfingsten empfangen. Durch Seine Auffahrt ist dem HErrn JEsus alles, was Gott hat, beigelegt. Nun vermag Er uns alle Verdienste Seiner Leiden zuzuwenden. Nun vermag Er alle Dinge, nun vermag Er auch zu uns zu kommen und bei uns zu sein, wie nach der Gottheit, so nach der Menschheit, − und es ist daher die Vollendung alles Pfingstsegens, wenn wir ihn nicht bloß an ein Kommen des dreieinigen Gottes, sondern auch als ein herrlich Kommen des Gottmenschen JEsus Christus denken dürfen. „Ich gehe hin und komme wieder zu euch“ − so sprach Er, und an Pfingsten kam Er wieder, zwar nicht sichtbar, aber spürbar, so spürbar und gewis, daß St. Petrus in seiner ersten Pfingstvertheidigung die Ausgießung des heiligen Geistes geradezu dem erhöhten Menschensohne zuschrieb. Bringt uns also die Pfingstzeit Einwohnung des dreieinigen Gottes und damit das Größte; so bringt sie uns auch Allgegenwart JEsu und damit das Heimatlichste, das Lieblichste. Wandelt in uns Gott, und erschrecken wir vor unsrer eigenen herrlichen Fülle; so tröstet uns der Gedanke, daß neben uns stärkend der Erstling wandelt, der, wenn wir Tempel genannt werden, den Namen in tausendfach erhabenem Sinne von Sich brauchen kann, weil in Ihm die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt.
 Aber freilich, wir dürfen es nicht vergeßen, die Verherrlichung JEsu, die ganze Seligkeit der Pfingsten, die ganze Herrlichkeit der Pfingstgestalt der Kirche ist eine Frucht der Leiden Christi. Alles, was unser schöner Text enthält, ist den Jüngern von Christo vor dem Leiden gesagt, und es kam bald, nachdem es gesagt war, während des Leidens und Sterbens und Grabliegens JEsu eine Zeit, in Bezug auf welche der HErr nicht umsonst sprach: „Ich habe es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet.“ Vergeßen wir also nicht, durch welche Nöthen unser HErr mit Seinen Jüngern gehen mußte, bis der Geist der Pfingsten kommen und allen Segen bringen konnte, von dem wir heute geredet haben. Es galt da vorher einen heißen Kampf mit dem Fürsten der Welt, der da kommen und nichts an JEsu finden sollte (V. 30.); es galt einen Kampf, den unser HErr allerdings nicht fürchtete, von welchem Er in ruhigster Siegesgewisheit sprach, in welchen Er Sich aber doch nur aus Liebe zu Seinem himmlischen Vater, aus Gehorsam gegen deßen heiliges Gebot begab (V. 31.); es galt einen Kampf, zu welchem Er am Schluße unsers Textes Sich und die Jünger, die Ihn bis zu den Pforten des Kampfplatzes begleiten sollten, mit sehr ernsten und feierlichen Worten erweckt (V. 31.). Klingt das alles passionsmäßig und nicht pfingstmäßig, so ist es doch textgetreu, so verbinden wir doch nur nach dem Muster JEsu Selber mit den schönen Reden von Pfingsten und Pfingstgestalt die ernsten Worte vom Kreuz des HErrn, mit dem Lob- und Preisgesange dieses Festes das Gedächtnis der Wurzel, aus welchem jedes Halleluja hervorwuchs. Verdanken wir der Auffahrt JEsu zu dem| Vater, der größer war als der Sohn, wenn Er in Seiner Erniedrigung betrachtet wurde, aber dem Sohne gleich, sowie Dieser Seine Ihm gebührende Herrlichkeit anzog, − verdanken wir der Auffahrt JEsu die Oeffnung der himmlischen Fenster und den Regen göttlicher Güter; so verdanken wir dem Gekreuzigten die Auffahrt selbst. Denn ohne Sein Leiden und Sterben − wo bliebe Auferstehung, Auffahrt und alles zusammen. Am Kreuz ist alles verdient, und es ist keine Zeit und keine Ewigkeit, wo das Andenken des Gekreuzigten in den Hintergrund treten, der Glanz Seiner Nägelmaale und Seiner Seitenwunde verlöschen müßte. Ehre Seinem Königreiche an diesem Segenstage. Ehre aber auch Seiner Aufopferung am Marterpfahle. Ein Christus ist es, der am Kreuz erwarb, was der Welt durch den Geist der Pfingsten zu Theil ward, und der vom ewigen Throne ausgegoßen hat, was wir in der heutigen Epistel lasen. JEsus, JEsus tönts im lauten Schall und Windbrausen, das vom Himmel kam, − JEsus, JEsus aus der Apostel neugeweihtem Munde, − JEsus, JEsus von dreitausend neubekehrten Zungen: und alles das ist doch alles nur Echo des JEsus, JEsus, das von Golgatha ertönt ist. JEsus sei gelobet, der Erniedrigte und Erhöhte, − und gepriesen sei der Vater, der Ihn erniedrigte und erhöhte, − und der Geist, welcher vom Vater und dem Sohne ausgehet, welcher uns lehret, erinnert, tröstet, stärkt, heiligt und vollendet. Dem dreieinigen, ewigen Gott, dem wir von der Krippe JEsu bis zum Throne lobend nachgegangen, dem wir alle unsre Feste feiern, dem wir Weihnachten, Ostern, Pfingsten weihen, dem ewiglich Dreieinigen sei unsterbliches Lob aus dem Munde aller erlöseten und geheiligten Seelen! Amen.




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