Fünfundzwanzig lange Jahre

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Fünfundzwanzig lange Jahre
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 32–34
Kurzbeschreibung:
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[32]

III.
24.


     Mel.: Auf, ihr Brüder, laßt uns wallen etc.

     1. Fünfundzwanzig lange Jahre werden heute zum Gedicht. In uns war der ernste, wahre Geist der Treue, stark und schlicht, über uns der stille, klare, silberhelle Stern der Pflicht. Kein Erlahmen und Erkalten schlug uns je in schnöde Hast; standhaft wurde festgehalten unsres teuren Banners Schaft und es rauschten feine Falten in die Herzen Mut und Kraft.

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     2. Die uns heute stumm beneiden – würden sie sich lieber klar, wie es ohne diese Beiden bald mit uns am Ende war! Bis zur Ärmlichkeit bescheiden stellt sich unser Anfang dar. Manchem sanken matt die Schwingen, manches Streben ward zu Dunst; nimmer knüpfte das Gelingen sich bei uns an Glück und Gunst. Still und stark sich durchzuringen – war vielleicht es keine Kunst?

     3. Unter Sorgen, unter Schmerzen, unter ungeseh’nen Mühn brachte man erloschne Kerzen über Nacht zu neuem Sprühn, weckte in verwandten Herzen man dasselbe tiefe Glühn. So nur haben wir’s gezwungen, eine kleine, treue Schar: Durch den Geist, von dem durchdrungen die Gemüter wunderbar, der in Alten wie in Jungen früh und spät lebendig war.

     4. Geist der Eintracht, Geist der Treue, ehrlich, ernst und brüderlich, bleib’ uns hold und senk’ aufs Neue heut’ in alle Herzen Dich! Fülle den mit Scham und Reue, der aus unsern Reihen wich! Schließt der Zeit und ihrem Gähren weisen Sinnes Thür und Thor! Wollten kleinen Zwist wir nähren, den ein Wort heraufbeschwor – in den neuen Räumen wären ärmer wir, als je zuvor!

     5. Eintracht war der alten Halle unsichtbarer goldner Schatz; nimmer bittrem Spott verfalle dieser schöne, stolze Satz; für die finstern Geister alle sei auch hier kein Tummelplatz! Laßt sein Recht uns Jedem geben, wer und was er immer sei, der in brüderlichem Streben dient der edlen Turnerei – macht im tiefsten Sein und Leben euch durch Selbstbeschränkung – frei!

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     6. Eines laßt, auch ohne Mahnen, stündlich euch vor Augen stehn: Auf den alten Siegesbahnen muß es stetig vorwärts gehn, unter all den hundert Fahnen muß voran die unsre wehn! Jedem Zwist und Dünkel wehre Weisheit unter greisem Haar, nimmer sei für ihre Lehre junges Blut der Ehrfurcht bar, und der Stern der Pflicht und Ehre sei ob Allen immerdar!