Feldhühner vor dem Hunde „aufstehend“

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Textdaten
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Autor: Karl Brandt
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Titel: Feldhühner vor dem Hunde „aufstehend“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 667
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[649]
Die Gartenlaube (1889) b 649.jpg

Rebhühner vor dem Hunde „aufstehend“.
Zeichnung von Joh. Deiker.

[667] Feldhühner vor dem Hunde „aufstehend“. (Zu dem Bilde Seite 649.) September, du Wonnemonat für den Jäger, heißersehnte Zeit der Hühnerjagd!

Dash, dein Setter (englischer langhaariger Vorstehhund), stürmt suchend in Zickzacklinien vor dir her über die Heide; alles ist Leben an ihm. Die Lust am Jagen, die dich beseelt, beherrscht auch ihn. Du brauchst ihn nicht anzufeuern, sein Jagdeifer treibt ihn vorwärts und mit hoher Nase Wind nehmend, fliegt er über das buschige Heidegras. Aber plötzlich, als wäre ein Blitzstrahl dicht vor ihm in die Erde gefahren, wirft er den Kopf zur Seite, und starr und unbeweglich wie ein Steinbild verzaubert steht der brave Hund, den einen Vorderlauf in die Höhe gezogen, hinten etwas gedrückt und die Ruthe schräg nach oben zeigend – er hat Hühner in der Nase und „steht vor“.

Langsam gehst du mit schußbereiter Flinte näher. Da streicht zwanzig Schritt vor dem Hunde, zu weit von dir, als daß es zum Schuß reichte, ein Huhn auf. Dash hat sich niedergesetzt und starrt unverwandt in die Ferne. Vom Geräusch, welches das aufstiebende Huhn verursacht hat, wird ein Hase hoch und hoppelt unmittelbar vor dem Hunde vorüber, der jetzt platt an der Erde liegt, den Kopf hoch, die Nase weit vorgestreckt in der Richtung, woher der süße Zauber strömt, welcher sein ganzes Wesen gefangen hält – den Hasen beachtet er gar nicht. Du bist jetzt neben deinem fermen Liebling. Mit steifen Läufen, ohne sonst auch nur eine Muskel zu bewegen, hebt er sich langsam hoch. „Vorwärts!“ rufst du ihm leise zu. Bedächtig „avancirt“ der Hund in der Richtung, woher die verführerische Witterung kommt – Schritt vor Schritt. Wie vorsichtig setzt er die Läufe nieder, daß kein Geräusch die Hühner schrecke! – „Wahr’ dich!“ – Jetzt steht er wieder fest vor. Du trittst leise an ihn heran und klopfst ihm „liebelnd“ den Rücken: „So recht, mein Hund, vorwärts!“ Dash ist wie ein Erzbild unbeweglich. „Vorwärts, mein Hund!“ Nichts regt sich an ihm – doch – die Kiefer machen eine kauende Bewegung – er will die süße Witterung auch durch den Geschmack genießen. „Nieder!“ – Dash liegt am Boden. Du trittst vor den Hund und gehst langsam in der Richtung, wohin seine Nase zeigt – – erwartungsvoller Augenblick – – noch zwei Schritt – und – Tirrjik! kreck! kreck! kreck! paaf! Tirr! tirr! tirr! dems! – Da schreit’s und plustert’s und schwirrt’s vor dir auf – – eine starke Kette – links und rechts von dir und gerade aus – überall flattert’s in der Luft – dazwischen Knall und Pulverrauch.

Mechanisch werden die abgeschossenen Patronen aus der Flinte gezogen und neue hineingesteckt, während dein Auge der abstreichenden Kette folgt. Auf der Waldblöße sind die Hühner wieder „eingefallen“. Die geschossenen hängen am Galgen der Jagdtasche. Dash sucht noch einmal vorsichtig den Heidestrich ab, ob nicht noch ein einzelnes Stück liegen geblieben ist, dann stürmt er wieder mit hoher Nase in Bogenlinien suchend vor dir hin und her nach der Blöße zu. Bald hat er die Hühner von neuem gefunden, und fest vorstehend erwartet er seinen Herrn. Karl Brandt.