Frankreich und die Wittelsbacher nach Französischen Gesandtschaftsinstructionen

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Autor: K. Th. Heigel
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Titel: Frankreich und die Wittelsbacher nach Französischen Gesandtschaftsinstructionen
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 6 (1891), 92–94.
Herausgeber: Ludwig Quidde
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Quelle: Scans auf Commons
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[92] Frankreich und die Wittelsbacher nach Französischen Gesandtschaftsinstructionen. Seit 1884 ist die Archiv-Commission im Ministerium des Auswärtigen in Paris damit beschäftigt, die Instructionen herauszugeben, welche die Französische Regierung in der Periode vom Westfälischen Frieden bis zur grossen Revolution für ihre Gesandten entwerfen liess, um dieselben über die inneren Verhältnisse der betreffenden Staaten und Höfe und die damit in Zusammenhang stehenden diplomatischen Aufgaben aufzuklären. Der vorliegende 7. Band[1], der sich auf die Gesandtschaften an den Höfen von München, Mannheim und Zweibrücken bezieht, darf, obschon es sich nur um Staaten mittleren Ranges handelt, wohl als einer der interessantesten der ganzen Sammlung bezeichnet werden. Die Fürsten des Wittelsbachischen Hauses im 17. und 18. Jahrh. huldigten ja fast ausnahmslos jener Politik, welche aufrichtige Freundschaft jenseits der Deutschen Grenzen voraussetzte und sich, um vom Kaiser unabhängiger zu werden, zu Vasallendiensten gegen den Fremden bequemte. Mit welchen Mitteln die Fürsten von der Notwendigkeit und Fürtrefflichkeit der Anlehnung an Frankreich überzeugt wurden, mit welchem Raffinement die Französische Diplomatie den Widerstand der reichstreuen Elemente in Hof- und Beamtenkreisen zu brechen [93] verstand, darüber klären uns die hier zum ersten Mal veröffentlichten Actenstticke auf. Schon Kurfürst Ferdinand Maria lenkte in Französisches Fahrwasser ein. Zwar verhielt er sich noch kühl ablehnend gegen die Anerbietungen, welche Herr von Vautorte bald nach Unterzeichnung der Westfälischen Friedensacte nach München überbrachte, und auch die — auffälligerweise im vorliegenden Bande nicht berücksichtigte — Sendung des Herzogs von Grammont, der 1657 den Kurfürsten zur Bewerbung um die Kaiserkrone ermuthigen sollte, schlug fehl. Doch bei Ausbruch des Revolutionskriegs gelang es Herrn von Gravel, mit Hilfe des Ministers Hermann Egon von Fürstenberg und des Vicekanzlers Kaspar von Schmid ein geheimes Abkommen zwischen Frankreich und Baiern zu Stande zu bringen, und seitdem dauerten die vertraulichen Beziehungen zwischen den Bourbons in Versailles und ihren Schützlingen an der Isar fast ununterbrochen fort. Baiern bezog reiche Subsidiengelder und vertrat dafür entweder als Waffengenosse oder doch auf Wahl- und Reichstagen das Französische Interesse. Zur Befestigung der Freundschaft wurden häufig eheliche Verbindungen von Mitgliedern der beiden Familien ins Auge gefast, doch nur die Heirathen der Schwester Max Emanuel’s, Maria Anna, mit dem Dauphin, und der Tochter Karl Ludwigs von der Pfalz, Elisabeth Charlotte, mit Philipp von Orleans gelangten zum Abschluss. Das in den Instructionen gebotene Detail über diese und andere Verhandlungen gewährt mannigfaches Interesse. Da für die Geschichte Baierns, die ja z. B. gerade für die Zeit des Spanischen, sowie des Oesterreichischen Erbfolgekriegs im Vordergrund der deutschen Geschichte steht, bisher noch niemals die Pariser Archive benutzt wurden, erscheint jetzt erst vieles in richtiger Beleuchtung. Das gilt hauptsächlich von der Charakteristik der Törring, Preysing, Unertl und anderer einflussreicher Hof- und Staatsbeamten, über deren Politik und Privatleben den Gesandten die ausführlichsten und intimsten Mittheilungen zur Verfügung gestellt wurden. Erfreulich sind allerdings diese Enthüllungen nur in seltenen Fällen; nur allzu häufig stösst man auf Beweise für die Bestechlichkeit der namhaftesten Staatsmänner und Hofbeamten. Unter anderem erhellt aus der Instruction für de la Haye, dass der angesehene Kanzler Kaspar von Schmid, der als der eigentliche Leiter der Bairischen Politik in den Jahren 1667—1688 gelten kann, vom Französischen Hofe eine Jahrespension von eintausend Thalern bezog. Der Instruction für Herrn von Folard, der 1756 den wenig geneigten Kurfürsten Max Joseph zur Theilnahme am Krieg gegen Preussen bewegen sollte, ist ein Verzeichniss jener Geschenke und Pensionen beigefügt, welche die einflussreichsten Beamten und Hofdamen den Französischen Wünschen zugänglich machten. Auch der Kanzler Kreittmayr figurirt auf dieser [94] Liste mit einem Geschenk von 10 000 Francs und einer Jahrespension von 3000 Francs. Der Beichtvater des Kurfürsten, der Jesuitenpater Stadler, bezog von der Französischen Gesandtschaft alljährlich ein Bestimmtes an Zucker, Kaffee, Chocolade, Kerzen und Burgunderwein! Wie ängstlich besorgt die Französische Regierung um das Wohl ihrer „Freunde“ war und auf welch wunderliche Aufgaben die Thätigkeit der Französischen Diplomaten ausgedehnt werden musste, beweist die Instruction für den Agenten Pfeffel von 1784. Um zu verhüten, dass das Pfälzische Haus aussterbe und dadurch den begehrlichen Plänen Kaiser Joseph’s II. Vorschub geleistet werde, soll Pfeffel durch geeignete Einflüsterung bei dem regierenden Herzog von Zweibrücken und durch jedes andere Mittel zu erreichen suchen, dass der in Französischen Diensten stehende Prinz Max Joseph dem bisherigen lockeren Leben entsage und sich zur Ehe bequeme; zu den Kosten des Haushalts würde dann vielleicht auch der Französische Hof beisteuern. „Doch ein bestimmtes Versprechen darf niemals gegeben, eine Verpflichtung niemals eingegangen werden; man muss sich darauf beschranken, die Geneigtheit des Königs anzudeuten und zu versichern, dass der König nur von treuer Zuneigung zum Pfälzischen Hause beseelt sei.“

K. Th. Heigel.

Anmerkungen

  1. Recueil des instructions etc. Bavière, Palatinat, Deux Ponts, par A. Lebon. Vgl. Bibliogr. ’89, Nr. 4939.