Freiligrath und Marx

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Titel: Freiligrath und Marx
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 224
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[224] Freiligrath und Marx. Von London aus werden wir um Aufnahme der nachfolgenden Zeilen ersucht:
 „Verehrter Herr Redacteur!
„Die Biographie F. Freiligrath’s in Ihrem geschätzten Blatte ist hier mit großem Interesse von zahlreichen Freunden desselben gelesen worden. Wir alle wissen Ihnen und Ihrem geehrten Herrn Mitarbeiter Dank für die zeitgemäße Besprechung. Schmerzlich fiel jedoch ein Mißton auf. Ich meine die Art und Weise, wie der Beziehungen zu Marx erwähnt wurde. Ich will das Urtheil, das der Biograph über Marx selbst fällt, keineswegs anfechten. Jedoch die Aeußerung, Freiligrath habe unter dem Einfluß von Marx seine Stimmung, seine Freiheit, seine Charakterstärke verloren, muß ich als eine ungerechte bezeichnen. Wenn Freiligrath’s Muse Jahrelang schwieg, so liegt doch die Erklärung aus den Londoner Verhältnissen, in die er, des nöthigen Lebenserwerbes wegen, gebannt ist, nahe genug. Seine Freiheit und Charakterstärke hat er sich stets gewahrt. Die Feindseligkeiten von Marx sind nicht die seinigen. Er isolirt sich nicht in kleinliche Sectirerei, absolute Negation und trauriges Coteriewesen. Den besten Beweis dafür liefert sein Verhalten zu Kinkel, auf dessen heroische Frau er den schönen Todtengesang gesungen, während Marx zu Kinkel die feindseligste Stellung einnimmt. Andererseits verhält sich Freiligrath zu Kinkel ganz ebenso frei; er steht mit einem Worte unabhängig da. Doch genug davon. Diese Bemerkungen sollten Ihren geehrten Mitarbeiter nicht verletzen, sondern nur eine Steuer der Wahrheit sein. Ich bin überzeugt, daß Sie zahlreiche Deutsche hier verbinden werden, wenn Sie in einer Ihrer nächsten Nummern einen „Nachtrag zur Biographie“ geben, worin diese Andeutungen in der Ihnen passend scheinenden Form eingeflochten werden könnten.“