Friedrich Wilhelm Freiherr von Reden

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Textdaten
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Titel: Friedrich Wilhelm Freiherr von Reden
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 55,56
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[55] Friedrich Wilhelm Freiherr von Reden starb am 12. December des eben verflossenen Jahres nach kurzem Krankenlager in Wien. Nur erst 53 Jahre alt, mußte er sein mühsames und segensreiches Tagewerk beschließen. Es ist die statistische Wissenschaft, der er sein Leben widmete, ja die er in Deutschland eigentlich erst begründete. Vor mehr als zwanzig Jahren begann er in Deutschland die Wichtigkeit der statistischen Wissenschaft zu lehren – aber es ging ihm wie den meisten Verkündern einer neuen Lehre, gleichviel auf welchem Gebiet: er predigte meist tauben Ohren. Seine Schriften blieben lange Zeit ungelesen, sein Streben fand wenig Beachtung. Er aber ließ sich dadurch nicht abschrecken. Er verstand, die todten Zahlen zu beleben, und auf die Statistik die vergleichende Methode anzuwenden, die eines seiner Hauptverdienste ist, und in welcher er gar bald eine feste und sichere Position einnahm, die er mit Meisterschaft zu beberrschen [56] verstand. Mit Fleiß und Ausdauer wußte er die Erkenntniß aller Beziehungen und Verhältnisse im politischen, wissenschaftlichen und socialen Verkehr auf die in letzter Instanz entscheidenden Zahlen zurückzuführen. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie weit es durch diesen einzigen Mann die Privatstatistik brachte – die officiellen statistischen Bureaus, die statistischen Vereine, welche es jetzt gibt, sie existirten nicht beim Beginn der Wirksamkeit von Redens, sie sind vielmehr erst eine Folge derselben. Er säete die Saat, die nun überall aufgegangen, und bestellte selbst unter Mühe und Anstrengung den Acker, der nun überall herrliche Früchte trägt. Vor Allem begrüßt die Wirthschaftslehre in der Statistik eine mächtige Bundesgenossin und strebt, Hand in Hand mit ihr, die Erkenntniß der menschlichen Dinge zu fördern, die Verhältnisse des socialen Lebens zu beleuchten und Irrthum, Vorurtheil und Aberglauben zu verdrängen.

Welcher Lohn ist von Reden dafür geworden? Er starb zu Wien, wie ein deutscher Schriftsteller stirbt – arm und nichts hinterlassend, als seine Schriften, ein trauerndes Weib und drei unerzogene Kinder! Was er erübrigen konnte, hatte er seinen Bestrebungen, seinen statistischen Arbeiten gewidmet, die durch Sammlungen, Hülfsarbeiten u. s. w. einen großen Kostenaufwand nöthig machten. Er hatte darum auch an die deutsche Bundesversammlung ein Gesuch gerichtet um Wiedererstattung eines von ihm dem Verein für deutsche Statistik geleisteten Vorschusses von 4000 Thalern. Aber er ward abschläglich beschieden, und erklärte darum in der Vorrede seiner letzten Schrift „Deutschland und das übrige Europa, Handbuch der Boden-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik, des Staatshaushaltes und der Streitmacht in vergleichender Darstellung“ – daß dies wohl sein letztes Werk sein müsse, da er keine Unterstützung finde, und seine eigenen Geldmittel erschöpft wären.

Wird die deutsche Bundesversammlung, was sie dem Lebenden verweigerte, nun dem Todten gewähren? Hoffen wir wenigstens dies! Es ist ja die Art der Deutschen, wenn die Männer, die dem Vaterland mit Selbstaufopferung dienten, die Augen geschlossen haben, sie durch ein Denkmal zu ehren, und nun plötzlich all ihre Verdienste anzuerkennen. Auch von Reden ist gestorben – möge man an seinen armen Hinterlassenen nun wenigstens gut zu machen suchen, was man dem Lebenden schuldig blieb.