Der europäische Reisende in China und sein Zopf

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Titel: Der europäische Reisende in China und sein Zopf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 56
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[56] Der europäische Reisende in China und sein Zopf. – Zu den Schwierigkeiten, mit denen der Reisende im Innern China’s zu kämpfen hat, gehört, abgesehen von der unumgänglich nothwendigen Kenntniß der chinesischen Sprache, eine möglichst täuschende Verkleidung, um als Eingeborner gelten zu können. Hellfarbige Augen können leicht mit gefärbten Brillen verdeckt werden, schwieriger aber ist das Tragen eines künstlichen Zopfes; der Kopf muß bis auf ein Büschel Haare am Scheitel rasirt und das gefälschte Anhängsel an dieselben befestigt werden. Dennoch muß der Träger dieser erborgten Zierde stets fürchten, dieselbe zu verlieren, was leicht drohende Gefahren über das verrathende Haupt bringen kann. Dr. Medhurst, der im Anfang vorigen Jahres verstorbene berühmte chinesische Missionair und Reisende, erzählt in dieser Hinsicht in seinem Tagebuche folgenden Vorfall, den das „Calwer Missionsblatt“ mittheilt: „Ich saß zu Tische und hatte ein Gespräch mit mehreren Eingebornen; dann stand ich auf und zog mich in meine Schlafkammer zurück, aber ein paar Minuten nachher kam mein chinesischer Führer herein und hatte meinen Zopf in der Hand. Er war heruntergefallen, während ich in meinem Sessel saß, und so dahinten geblieben. Mein Führer war in großer Unruhe, da er den losgegangenen Zopf herbeibrachte, und mir ging es eben so. Er versicherte mir, er sei so eben einer großen Gefahr entronnen; denn wäre der Zopf während unseres vorhergehenden Marsches oder in irgend einem der vielen Kaffee- und Theehäuser, wo wir einkehrten, los geworden und herabgefallen, so wäre die Enthüllung unseres Geheimnisses nicht zu verhüten gewesen. Er machte sich so eilig als möglich daran, den Schaden auszubessern. Dies geschah, indem er die Haarflechten des Zopfes auseinander machte und jede einzeln mit Faden an die Locken meines eigenen Haares festband. Aus Furcht, es möchte wieder so ein Unglück vorkommen, zog er die Knoten so fest zusammen, daß es mich nicht wenig incommodirte. Doch ich ließ mir das gern gefallen, und von jetzt an waren wir natürlich um so vorsichtiger, damit nicht ein ähnliches Unglück an einem mehr öffentlichen Orte vorkäme, wo dem Uebelstande nicht mehr abzuhelfen wäre.“