Gebet der Sättigung

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Textdaten
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Autor: Richard Dehmel
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Titel: Gebet der Sättigung
Untertitel:
aus: Aber die Liebe
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 231-232
Kurzbeschreibung:
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[231]

 Gebet der Sättigung.


Nun verging der Stern der Frühe,
meine Augenlider brennen;
und die Sonne kann mit Mühe
die gefrornen Nebel trennen.

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Mich verdrießt mein nächtlich Brüten;

drüben an den Häuserwänden
sprießen diamantne Blüten.
Meine Prüfung kann nun enden! –

Dieser Keller: dumpfer Zwinger!

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Auf die dunstbelaufnen Scheiben

will ich breit mit steifem Finger
VENUS REDIVIVA schreiben!

Denn ich weiß, du bist Astarte,
deren wir in Ketten spotten,

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du von Anbeginn, du harte

Göttin, die nicht auszurotten.

Aber Ich war weich wie glühend Eisen;
darum sollst du mich in Wasser tauchen,
bis mein Wille läßt sein siedendes Kreisen

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und der Stahl wird, den wir brauchen.


[232] Nicht mehr will ich meine Brunst kasteien,
die dann mit berauschter Durstgeberde
wünscht, daß unsre Lüste fruchtbar seien
und ein Wurm zur Göttin werde.

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Nach der Nacht der blinden Süchte

seh ich nun mit klaren bloßen
Augen meine Willensfrüchte;
denn ich bin wie jene großen

Tagraubvögel, die zum Fliegen

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sich nur schwer vom Boden heben,

aber, wenn sie aufgestiegen,
frei und leicht und sicher schweben.

Glitzernd winkt mein Horst, – Du Eine,
die ich liebe: Ja und Amen:

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heute komm ich! heut soll meine

Klarheit Deinen Schooß besamen!

Schon errötet dort der Giebel;
Sonne, mach ein bischen schneller!
„Schuster – bring mir meine Stiebel,

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heut verlass’ich deinen Keller!“