Gewalt der Einbildungskraft

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Gewalt der Einbildungskraft
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 452
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[452] Gewalt der Einbildungskraft. Ein sehr drastisches Exempel von der Gewalt der Einbildungskraft erzählte ein Arzt, Dr. Noble, in seiner Vorlesung „über den dramatischen Einfluß von Ideen und Vorstellungen.“ Monsieur Boutibouse, ein französischer Soldat in Napoleon’s[WS 1] I. Armee, war in der Schlacht bei Wagram (1809) mit stark beschäftigt. Die Reihen neben ihm hatten sich gegen Abend fürchterlich gelichtet und lagen um ihn herum, todt, sterbend, zerschossen, armlos, ohne Beine, ohne Kopf, ohne Kinnladen, einäugig oder mit gar keinen Augen mehr, kurz in allen möglichen Verzerrungen und Verstümmelungen. Als er, schon nach Sonnenuntergang, eben seine Muskete wieder lud, sauste eine furchtbare Kanonenkugel gerade unter ihm hin. und nahm seine beiden Beine mit, so daß er einen Fuß tief einsank und rücklings hinstürzte. Beide Beine waren jedes um einen Fuß verkürzt. So lag er mit seinen Stummeln mäuschenstill, ohne es zu wagen, sich zu rühren, damit er den Blutverlust nicht befördere. Er fühlte keinen Schmerz, da die plötzlich zerrissenen Nerven und Muskeln, wie er sich es dachte, abgestumpft worden waren, und der Schmerz sich erst später einstellen werde. So lag er die halbe Nacht, ängstlich auf den Wundarzt wartend, der sich dann auch endlich einfand.

„Und was ist’s mit Ihnen, mein braver Kerl?“ frägt der Wundarzt.

„O, fassen Sie mich sacht an! Mir sind unten beide Beine von einer Kanonenkugel weggerissen, lieber Doctor!“

Der Doctor untersucht alle Gliedmaßen und findet jedes vollständig. Er giebt dem Manne einige kräftige Püffe und ruft lachend aus: „Auf, auf, Bursche, es ist noch Alles da.“

Monsieur Boutibouse erhebt sich, besieht seine Beine und springt entzückt auf.

„Ich fühlte damals eine Freude, ein Entzücken, das ich nie vergessen werde,“ erzählte er später. „Ich hatte keine Spur von Wunde an mir. In der That war ich von einer großen Kanonenkugel niedergeschossen und um einen Fuß verkürzt worden, wie ich hernach sah. Sie hatte den Boden unter meinen Füßen weggerissen, so daß ich in die so entstandene Höhlung sank, indem zugleich der fürchterliche Luftzug, den die Kugel im Durchsausen erzeugt, das Gefühl eines Minus um meine Unterbeine hervorgerufen haben mochte.“

Dr. Noble verbürgte die Wahrheit dieses Vorfalls.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Napolon’s