Hände (Březina)/Gluten

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Gluten.

Illusionen in Gluten, wie Halluzinationen der vor Durst Sterbenden!
Erde, wie überreif, springt. Blüten verborgener Flammen,
Quollen hervor, parasitäre, inmitten von Lilien, und wie der Efeu der lodert zur Höhe,
Saugen sie fest sich an wehrlosen Bäumen. Fahlgelbe Blitze

5
Splittern im Licht; im ironischen Klirren der Gläser

Feiern Feste die Fürsten der Nächte. – –

Aber die Wolken, die bringen zum Meere zurück die Tröstung der Feuchte,
Untergeh’n unsere Hoffnungen hinter brennenden Horizonten.
Nur die stumme Gluthitze deiner Gerechtigkeit geleitet der Hoffnungen Flugbahn

10
Über Auen und Bauplätzen und über den Wegen, wo weiße Steine hell leuchten

Wie ein Flußbett feurigen Stromes, und wo wie Somnambule schleichen die Heere.
Glühender Atem der Arbeit hebt sich über dem glühenden Hauche der Erde, jede Welle glühender als die andere.
Schläge der Pulse auf Schläfen der Sklaven pfeifen wie sausende Peitschen,
Tötlicher Ernst blickt aus den Augen. Der Zeitalter Grimm lebt neu auf im Blute:

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Gefährliches Erwachen des stummen Urwalds in Gluten wenn länger werden die Schatten

In der Tropen fieb’rischen Brutstätten. Und auf Köpfe von Millionen
Aus den Tiefen der Sonne, geschüttelt von Krämpfen der Wetter,
Der Lava vulkanische Ströme, versprüht im blendenden Staube,
Stürzen in Katarakten.

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Stumm sind die Auen, düster die Städte; in der Werkstätten verwunschenen Höhlen

Auf eingekniffenen Lippen verstummten die Lieder in der Spindeln spöttischem Schnurren,
Im schmiegsamen Lispeln der Riemen, in der Essen und Erze Erseufzen,
Im verstummenden Beten Rufender: Erlösung! Mag die Fackel des Grolles
Näher zur Erde sich neigen vom Firmamente und sengen ihre spinnwebene Blüte!

25
Es surren die Ähren der Gerste vor überreizten Augen der Schnitter,

Wie Schwärme von Insekten, die auf glühende Halme sich setzten,
In der Nadeln wütigen Stichen, im kochenden Sprudeln dem tückischen.
Und wartend auf nackte Leiber und Lippen, die stumm sind vom Durste,
Grimmig lächeln mitverschworene Wässer, in denen wie Stöcke funkelnden Riedgrases

30
Wie Messer unter den Wasserspiegeln, reflektierte Strahlen zittern aus dem Strudel.
[20]

Und die Abende mit lohenden Hainen! Die letzte Vegetation des Feuers
Auf Ruinen! Wenn, wie mystisches Obst schicksalsschwerer Erkenntnisse, die Sonne,
Reif geworden im tropischen Westen, wie herbstliches Laub senkt sich durch eigene Schwere zur Erde
Und springt, eine allzu süß gewordene Frucht und aus der purpurnen Rinde den betäubenden Saft,

35
Den Strom von Duft, glühend von den Sternen der Kerne, den Wein rauschend im Lichte,

Gießt auf die Lippen Ungezählter. Gluten des Blutes, der Sehnsucht!
Becher paradiesischen Sicherinnerns sind Herzen! Fermente des Lebens und Todes
Hoben am Grund sich und in ihren Dünsten rasen Gedanken! Tänze ums Feuer!
Blüten, die im Gewitter der Lust zusammen brechen; tötliches Erblassen in sengenden Träumen!

40
Brände des Stolzes! In den Augen der Gefangenen schöpferischer Wahnsinn,

Schmerzlich Erwachen von tausend Augen aus der stummen, ungeduldigen Menge,
Welche im staunenden Anblick des Kosmos sich auszugießen bestrebt ist durch ewige Zeiten,
Von Sternen erhellte Wege deines Reiches! Eroberung der Erde
Und Himmels. – –

45
Aber im Klirren der Becher feiern Feste die Fürsten der Nächte!

Und still ist dein Lied wie s’ Flüßchen, das sprudelt hinter den Bergen
Süßer Vogler der Seelen! Von Horizont zu Horizont lodert den Lächeln
Eine Linie von Blitzen, aber früher entschwindend, bevor wir Ermüdete heben die Augen.
Ach, aus der schmerzlichen Wandlung der Dinge über den Gehennen erkennen den Glanz deines Willens

50
Und wie die Schrift geheimer Mitteilung zur Zeit der Gefahren,

Hell entfacht über dem Feuer in azurnen Zügen, lesen die strahlende!
Aber ertrüge die Erde den ganzen Reichtum deiner Versöhnung?
Ertränke sie nicht, wie ein Schiff, überbürdet von der Fracht königlicher Geschenke
Samt der Bemannung? Tief sind die Nächte im Monde der Gluten … und die Sterne, wie sie erklingen …


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