Hände (Březina)/Musik der Blinden

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aus: Hände (Březina)
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Musik der Blinden.

Auf die Erde verbannt, tasten sich vorwärts unsere Seelen
Blinde, erblindet durch mystische Schuld der Geburt, durch die Zeiten,
Zu ihren zehrenden, klagenden, jauchzenden Geigen, ihr Herzen,
Improvisierend geneigt, im Fieber der Saiten.

5
Leuchtende Schönheit des Kosmos, verloren, erloschenen Augen,

Wirbelt ihnen aus Tönen, in musikgewordenem Zauber.
Und ihre lebenden Geigen, wie in Knäuel geballte Flammen im Winde,
Winden sich unter dem Griffe etherischer Finger in wilder Extase.

Wem gilt dein klagendes Lied, o Herz, der ängstliche Aufschrei

10
Im brennenden Hause, vergittert mit glühenden Stäben?

Wie vergeblich pochendes Sehnen dem Traum zu entrinnen
Auf heißem Lager, im Alpdruck unendlicher Welten.

Gärten gigantischer Blüten entströmen in Düften den Tönen,
Aus allen Himmeln saust uns entgegen der Geister Triumphflug.

15
In aller Blitze Getümmel die Sonne mit feuriger Pflugschar

Scheucht aufwühlend die Windsbraut der Funken aus azurnem Feld.

Aller Meere wallendes Sieden brandet darin an schaumichten Rudern,
Zwielicht der Räume, die beben im Fluge unheimlich wehender Flügel,
Wogen der Zeiten, die weinen, wie Wässer krystallreiner Bronnen,

20
Wo brudermordende Hände wuschen die blutigen Male.


Bitter, wie Sträucher verlorener Gärten atmen dort Frauen ins Antlitz der Zeiten,
Auf nächtigen Pfaden glühenden Windes, Küsse verstreuend,
Schimmer des Mondes läutet zur Lust, wie silberne Schellen
Oberhalb weißer Knöchel der tanzenden Sklavin.

25
Alle Sänge brausen darin, die Brüder sangen seit Urzeit,

Fürsten, Propheten, Gottheitentflammte, Heilige, Elende
Mißklang verklungener Leben, Verzweiflung im heiligen Kampfe,
Auch künftiger Morgen schüchternes Dämmern, blutrotes Glüh’n.

[22]

Feurige Schlünde der Erde, des Todes nächtige Fernen,

30
Blühend in kosmischem Froste, in Asfodelen der Sterne,

Und alles, was den Gedanken erfüllt mit Entsetzen und Grauen
Und was die erblindeten Augen niemals geseh’n.

Auf die Erde verbannt, tasten sich vorwärts unsere Seelen,
Blinde, erblindet durch mystische Schuld der Geburt, durch die Zeiten.

35
In ihren klagenden, zehrenden, jauchzenden Geigen, ihr Herzen,

Vergeblich suchen sie Balsam und Ruh.

Und als sie endlich des Kosmos ureigenen Einklang
Begnadet erfaßten, die endlosen Intervalle, trotz gähnenden Klüften,
Ein Strom von Tränen und Blut, aus geblendeten Augen, senkte die Wangen

40
Und alle Saiten an deiner Geige, o Herz, zerbarsten, verklangen.


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