Heidelbergs Ursprung

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Heidelbergs Ursprung
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 475–476
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Ausgabe
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Cmmons und Google
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Heidelbergs Ursprung.

Ueber den Ursprung der Stadt und ihres Namens sind die Meinungen sehr getheilt. Einige wollen ihre Benennung von dem jenseits des Neckars sich erhebenden Heiligenberg herleiten, der, wie sie behaupten, entweder in Bezug auf die einst dort angesiedelten Römer, oder auf altgermanische Wohnplätze, nach Einführung des Christenthums, Heidenberg genannt worden und sodann den jetzigen Namen erhielt. Andere dachten an eitel Berge, weil der Ort mit so viel Höhen umgeben ist, und noch Andere an Edelberg. Die gründlichsten Gelehrten aber nehmen an, daß die Stadt ihren Namen von der Menge der in den Waldungen des Gaisbergs und hinter dem Schloße wachsenden Heidelbeeren erhielt. Sie begründen ihre Meinung, die unstreitig viel Wahrscheinliches hat, durch den Umstand, daß sich auf einem alten Wappenstein eine Abbildung des Berges mit Heidelbeerstauden und zugleich eine Jungfrau befindet, welche einen Strauß von dieser Frucht in der Hand trägt, und daß ferner der Löwe auf dem ältesten Stadtsiegel mit einem Heidelbeerkranze geschmückt ist. – Was die Geschichte des Ortes betrifft, so weiß man darüber nichts Genaues aus der altgermanischen Zeit. Ohne Zweifel saß damals hier ein teutscher Volksstamm, [476] der zu dem großen Suevischen Bunde gehörte. Die Römer, welche unter Kaiser Augustus das Land in Besitz nahmen, legten wahrscheinlich Castelle auf den Bergen umher, so wie eine Fuhrt am Neckar, bei dem jetzigen Heidelberg, an. Mehrere auf dem Heiligenberg und andern Punkten der Gegend gefundene Alterthümer zeugen hinlänglich von römischer Niederlassung. So mögen denn am Eingange des Thales mehr und mehr Wohnungen, und endlich ein, wenn auch noch unbeträchtlicher Ort entstanden seyn. Erst im zwölften Jahrhundert ward derselbe bedeutender, als Konrad von Hohenstaufen im Jahr 1156 den bisher in Bacharach gewesenen Sitz der Pfalzgrafen nach Heidelberg verlegte.

(Vergl. Karl Geib’s „Malerisch historische Schilderung der Neckargegenden“ Frankfurt 1843 S. 12 und ff.)


Mit Pfalzgraf Konrad von Hohenstaufen, des Kaisers Friedrich Barbarossa’s Halbbruder, (starb 1195), welcher Heidelberg zur Residenz der Pfalzgrafen erhob und in der obern Burg des Gaisberges residirte, gewinnt die Geschichte dieser Stadt mehr Licht. Pfalzgraf Otto der Erlauchte suchte seine Herrschaft durch eine Heirath mit des vertriebenen Pfalzgrafen Heinrich Tochter, Agnese, zu befestigen; worauf jene Verse im alten Speisesaale deuten:

„Otto der Erst, Pfalzgraf bei Rhein
Hätt Pfalzgrafs Heinrichs Töchterlein,
Mit Mannheit er’s also erfecht,
Daß die Chur blieb seinem Geschlecht.“

Sein Sohn Ludwig sah die Thalstadt durch schreckliche Ueberschwemmung verwüstet; später, 1278, seine ganze Residenz in Flammen aufgehen, selbst die alte Burg auf dem Jettenbühl ward eine Beute derselben; die abgelegene Kapelle „zur heiligen Jungfrau“ in der Einöde, blieb allein verschont.

L. H. B.


Ludwig V. sah Luther hier, der zu Fuße von Wittenberg herkam, und hier den schönen Bund mit dem sanften Jüngling Philipp Melanchton schloß.