Heringszüge

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Christian Ludwig Brehm
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Heringszüge
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 536
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[536] Heringszüge. In einem noch ungedruckten Werke des Herrn Dr. Schilling in Naumburg, welcher früher Conservator am Universitätsmuseum in Greifswald war, „Anweisung zur Anlegung von zoologischen Sammlungen,“ welches wir allen Freunden der Zoologie im Voraus mit bestem Gewissen empfehlen, fanden wir folgende Nachricht über die Heringe, welche wichtige Aufschlüsse über diesen äußerst nützlichen Fisch enthält und deshalb eine weitere Verbreitung verdient. Er sagt: „Was insbesondere den Hering betrifft, der wegen seines außerordentlichen Nutzens für den Küstenbewohner eigentlich verdiente, Goldfisch genannt zu werden, so mag ich auch nicht behaupten, daß er seit vierzig Jahren, seit welcher Zeit ich den Fang desselben aus eigener Anschauung kenne, an Menge zugenommen habe, vielmehr könnte man Spuren seiner Verringerung nachweisen. Wenn daher die Heringsfischereien in dem Maße zunehmen, wie es bisher geschehen ist, dann wird die Zeit auch nicht mehr fern sein, wo man es für nöthig halten wird, diesem überaus nützlichen Fische in seiner Laichzeit eine kurze Periode gesetzlichen Schutzes angedeihen zu lassen.

„Man glaubte vormals allgemein, und es sind noch jetzt Viele der Meinung, daß der Hering aus dem hohen Norden alljährlich an unsere Küsten komme; dies ist jedoch ein Irrthum, der dadurch widerlegt wird, daß die Heringszüge sehr oft an südlich gelegenen Küsten in Menge vorkommen, während sie zur Zeit an nördlicheren Küsten noch gar nicht erschienen sind. Dann zweitens würde der junge Hering, der aus den an unseren Küsten gelaichten Eiern geboren wird, genöthigt sein, ungeheuere Reisen nach den hochnordischen Meeren zu machen; allein ich habe denselben in allen Altern und zu allen Jahreszeiten in unseren Küstengewässern angetroffen. Die noch ganz kleinen Thiere fand ich im Brackwasser in den in die See ausmündenden Flüssen und Binnengewässern, die größeren, aber noch nicht ausgewachsenen im Wasser des äußeren Strandes, z. B. in der Umgebung der Inseln Oe und Hiddensee etc. in der Ostsee, von wo sie sich dann nach erlangtem weiteren Wachsthum in die größeren Tiefen der letzteren ziehen, um dann nach erlangter völliger Reife von dort als Laichheringe an ihr Geburtsland zurückzukommen. Die aus dem tiefen Meere zurückkehrenden maßlosen Züge der Heringe werden wahrscheinlich von kleineren Leitzügen geführt und diese scheinen sehr willkürlich ihre jedesmalige Richtung zu nehmen; denn die Züge kehren oftmals nicht alljährlich in gleichem Maße an derselben Oertlichkeit wieder. Ich kenne viele Beispiele, wo sie in einem Jahre Gewässer der Küste, in denen sie die Jahre vorher sehr häufig waren, sehr wenig oder gar nicht besuchten und dagegen die nur fünf bis sechs Meilen entferntern mit ihren Massen überschwemmten. Es mögen auch noch andere unbekannte Ursachen dieser merkwürdigen Erscheinung des Heringszuges zu Grunde liegen, welche einer weiteren Beobachtung vorbehalten bleiben. Die Züge der sich aus der Meerestiefe nach den Küstengewässern bewegenden Heringe sind oftmals von fabelhafter Größe. Sachkundige Fischer, welche ich zum Fange begleitete, zeigten sie mir in der starken Dämmerung von meilenweiter Länge und Breite, nicht etwa auf der Meeresfläche, sondern am Wiederschein der durch sie erhellten Atmosphäre. Sie ziehen dann so gedrängt, daß Boote, die dazwischen kommen, in Gefahr gerathen. Mit Schaufeln kann man sie dann unmittelbar in das Fahrzeug werfen, und ein langes Ruder, welches in diese lebende Masse gestoßen wurde, blieb aufrecht stehen. (Außer dem gemeinen Heringe, Clupea Harengus L. kommen in unseren Meeren, wie auch in anderen, mehrere Arten vor, die ich bei der systematischen Aufzählung anführen werde, welche für den Menschen ebenfalls sehr werthvoll sind.)"

L. Brehm.