Hochzeit bei den Kalmücken

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Textdaten
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Autor: P. L.
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Titel: Hochzeit bei den Kalmücken
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 828
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Hochzeitsbräuche der Kalmücken
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[817]
Die Gartenlaube (1880) b 817.jpg

Kalmückischer Brautzug.
Oelgemälde von Oberst von Berres. – Auf Holz übertragen nach einer Photographie im Verlage von Victor Angerer in Wien.

[828] Hochzeit bei den Kalmücken. (Mit Abbildung, S. 817) In den weiten Steppen zu beiden Seiten der Wolgamündung weiden ruhelose Nomaden, die, ein echter Zweig der Mongolen, zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts vom Westen des chinesischen Reiches ausschwärmend, theils bis zu diesem Stromgebiet vordrangen – die Kalmücken. Eine Hochzeit ist das größte Fest dieser Völkerschaft. Die Eltern des herangewachsenen Sohnes wählen für diesen eine Lebensgefährtin.

Der Vater des Heirathslustigen zieht hierauf mit Geschenken, besonders mit Wein, einem Schafe und einem Block des beliebten Ziegelthees, nach der Kibitka (Filzzelte) des Mädchens. Ein Papierpacket, einen Lederstreifen und ein Stück Fischleim, die Wahrzeichen der vollzogenen Verlobung enthaltend, wird dem künftigen Schwiegervater übergeben und von diesem vor dem Hausgötzen niedergelegt. Das Mädchen darf nicht vor dem vollendeten sechszehnten Jahr in die Ehe treten.

Am Hochzeitstage erscheint der junge Mann mit seinen Verwandten und Freunden in festlichem Aufzuge, Alle zu Pferde, vor der Kibitka seines Schwiegervaters. Im Zelte sind die Hochzeitsgaben und die Ausstattung der Braut ausgelegt.

Indessen muß der Bräutigam sich von den bewaffneten Freundinnen der Erkorenen den Eintritt durch Geschenke erkaufen. Im Zelte bemächtigt er sich der festlich geschmückten Geliebten, trägt sie hinaus, hebt sie auf das Pferd, und fort geht der Zug unter Musik und Lustbarkeiten aller Art, wie unser heutiges Bild sie zeigt, über die Steppen nach seinem Wohnsitze. Dort ist die Kibitka für das junge Paar errichtet, und dort erst wird die Trauungsceremonie vollzogen. Vor dem Eingange ist ein Teppich und auf diesem eine neue weiße Filzdecke ausgebreitet. Der junge Mann hebt sein Mädchen vom Pferde und trägt es in seinen Armen nach der Decke; so treten Beide vor den Priester, der auf einem Altar die Hausidole und eine Hammelkeule, als ein Zeichen künftigen Ueberflusses, bereit hält. Nach den üblichen Gebeten wickelt der Priester die Hammelkeule in den Schleier der Braut und läßt sie vom Mädchen mit der rechten, vom Manne mit der linken Hand festhalten.

In dieser Situation macht nun das junge Paar drei tiefe Verbeugungen, dabei sprechend: ich beuge mich zum ersten Male vor meinem Herrgott, der mir Vater und Mutter ist; ich beuge mich zum zweiten Male vor der Sonne, der Leuchte des Tages, und vor dem Monde, der mir die Nacht erhellt, und zum Dritten: wir schwören uns zu lieben und zu achten und Freud und Leid mit einander zu theilen. Darauf berührt der Priester die Häupter der also Verbundenen mit dem ersten Hausgötzen und beendet die Trauung durch abermalige Gebete.

Das junge Paar betritt nun seine Kibitka, setzt sich auf das Bett und empfängt die Glückwünsche der Hochzeitsgäste. Vor dem Beginn der mehrtägigen Festlichkeiten wird die Hammelkeule von dem Priester zerlegt und zum Verspeisen unter die Anwesenden vertheilt, der Knochen aber als ein Segenbringer für die zukünftige Familie aufbewahrt.
P. L.