Holzfäller und Flößer im Isarthal

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Autor: Otto Bauck
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Titel: Holzfäller und Flößer im Isarthal
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 724-727
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Alpenbilder.

Von Otto Bauck.
1. Holzfäller und Flößer im Isarthal.

Die Reize der Gemsjagd und des Anstandes auf das edle Hochwild waren es, die den Verfasser dieser Zeilen zuerst in das obere Isarthal der bairischen Alpen lockten, die Natur aber war es, die ihn dort festhielt mit ihren immer neuen Gesichtern. Denn es giebt in der Schweiz gar viele Gegenden, die hoch gepriesen und zahlreich besucht sind und sich dennoch in ihrer Bedeutung

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Die Gartenlaube (1865) b 725.jpg

Flößer auf der Isar.
Nach der Natur gezeichnet von O. Rostosky.

[726] nicht entfernt mit dieser deutschen Landschaft messen können, wie die deutschen Gauen überhaupt von den Meeresufern bis zu jenen Linien hinüber, wo sich Italien und Frankreich in der Alpenregion als Nachbarn anschließen, eine kaum zu beschreibende Fülle von ebenso lieblichen wie großartigen Naturscenerien aller Art darbieten.

König Ludwig von Baiern wußte sehr genau, wie unbekannt die Isarufer sind und noch lange bleiben werden, indem er der von ihm erbauten Isarbrücke zu München eine Inschrift hinzufügen ließ, mit einer Nachricht darüber, in welchem Gebirgsstock die Isar entspringt und in welchen Fluß sie sich endlich ergießt. Freilich ahnt man auch bei München die Wunder dieser eigenthümlichen Gebirgsufer nicht und nur die Wildheit und gesunde, jäh aufbäumende Kraft sieht man diesem Flusse an, der in weißgrünen Wellen daherrauscht, über endlose, unfruchtbare Kieselfelder schäumend, die er dem Marmorgeröll der Alpen entführt hat. Fünfzehn Meilen weit schwemmte er in Urzeiten dieses unendliche Kieselmeer von Milliarden Steinen hinweg, denn wo man auch in München und auf dem ganzen Plateau rings umher in die Erde gräbt, immer kommt man auf den Untergrund dieser mächtigen Kiesellager. Sie bestehen an vielen Stellen oft, ja großenteils, aus Stücken vortrefflichen bunten Marmors, welche sich von den Kalkalpen losgelöst und sich Jahrtausende lang im Bette des Flusses weiter und weiter gedrängt und gewetzt haben, bis ihre Ecken nach dem mechanischen Gesetze des Bachgeschiebes zu den eirunden Flächen des Wasserkiesels abgeschliffen worden sind.

Doch während hier Alles flaches, ebenes Land ist, das sich endlich weiter nach den Alpen hin zu Hügeln und Vorbergen erhebt, bei deren verborgenen Schönheiten wir heute nicht verweilen dürfen, gipfelt sich der wirkliche Charakter dieser Flußgegenden erst zwischen Scharnitz und Tölz, an Mittenwald, Krün, der vorderen Riß, Fall und Länggries vorüber.

Einsame Großartigkeit, Flussesbrausen und Wälderrauschen umgiebt den Wanderer; abwechselnd begleitet ihn der wundersame Anblick des Wetterstein- und Karwendelgebirges und anderer Alpenstöcke, die im Sonnenlicht ihre gelben Kalkfirnen und die kühnen Zackenlinien ihrer schroffen Abhänge durch die blaue Luft tragen. In langen, immer bewegten Berggruppen, malerisch gefärbt vom Schlagschatten vorspringender Felsenkanten und von hell beschienenen Marmorflächen, bilden sie einen markirten Gegensatz zu den dunklen Tannenwaldungen an ihrem eigenen, zurückgelehnten Fuß und zu denen auf den Zügen des ringsum drastisch aufgestellten, immer noch mächtig hohen Mittelgebirgs. Unten an der Isar liegen die hellgrünen Grashalden des ruhigen Thales, das von Mittenwald bis über Krün hinab räumig und frei ist, mit kleinen Querbächen und Wasserrinnen durchzogen, eine stille Weideflur, auf der kleine Heerden hellfarbigen Hornviehs grasen. Der Anblick dieser imposanten Gegend wird immer ergreifender und träumerischer in der Abendzeit, wenn die Gipfel der Kalkgebirge wie eine orangenfarbige Lichtvision über dem einsamen Thale schweben, sich hier und da spiegelnd in den grünen Fluthen der fortstürmenden Isar.

Und hier an der vorderen Riß, wo der wilde Rißbach sich aus einem riesig felsengethürmten Alpenthal herauswälzt und in das Bett der Isar niedertost, herrschen nicht blos die Zauber der Gebirgsnatur mit all’ ihren dämonischen Reizen – hier ist auch ein auserwählter Tummelplatz für die Freuden des Waidmanns und für den Verehrer der Forstcultur und des Waldes.

Wie der Herzog von Coburg in der hinteren Riß ein Jagdschlößchen erbaut hat, in dessen zur malerischen Pertisau am Achensee hinüberführendem Gebiet er Hochwild und Gemsen hegt, so steht in der vorderen Riß ein von König Maximilian errichtetes, einfach geschmackvolles Jagdschlößchen. Unweit daneben liegt das zugleich als Gasthaus dienende Wohngebände des Revierförsters dicht am Wasser und am wenig betretenen Wege. Auch in diesem Terrain stehen gegen achthundert Stück Rothwild und wer Morgens früh bei Sonnenaufgang zum Fenster hinausschaut, kann ohne Mühe mit einem Stein bis zu der Stelle in der Isar hinüberwerfen, wo die Gemsen von den grünen Jachenauer Bergen arglos zur Tränke herabsteigen, um zum jenseitigen Revier hinüberzuwechseln. Ihre Sicherheit und Schnellkraft, über luftige Felsen hinwegzusetzen, ist oftmals geschildert. Als weniger bekannt aber möchte ich eine ähnliche Geschicklichkeit im Klettern des noch nicht zu alt und groß gewordenen Edelwildes erwähnen. Ich habe starke, jagdgerechte Hirsche auf den gefährlichsten Wegen bergab und bergauf mit einer Bravour dahinklimmen sehen, von welcher sich der Jäger unseres norddeutschen Berg- und Flachlandes schwerlich einen Begriff machen wird.

In diesen Gegenden darf das Wild sich auch wahrhaft heimathsberechtigt fühlen. Nicht allein, daß es eine lange Reihe von Jahren hindurch von der verständigen Mäßigung und Pflege eines weisen Jagdgebietes geschont wurde, gewährt ihm auch die Gegend selbst den nöthigen Schutz. Den Hauptrückhalt findet es im grünen, lebendigen Hause der Natur, unter dem schirmenden Blätterdach des deckenden Waldes, mit seinen moosigen Lagerstätten, seinen nahrhaften Pflanzen und Kräutern, seinen jungen, saftigen Sprossen der Tannen und Laubholzbäume, und endlich in den windgeschützten Sonnenplätzen, die an Felsen und Bergeshalden, dicht und traulich umwachsen, ihm eine warmgeborgene Friedensstätte der Mittagsruhe bieten.

Diese mächtigen Waldungen, soweit sie königlich sind vom ausgezeichneten bairischen Forstwesen so zweckmäßig wie der Wildstand verwaltet, ziehen sich bis nahe zu den Quellen des Flusses nach allen Seiten des Isarthales dahin, weit in Nebenschluchten und Seitenthäler hineinragend und mit ihrem grünen harzduftigen Mantel auf- und absteigend über manches breitkupplige Bergplateau. Ueberall das Weben und Rauschen in den Gipfeln der Föhren und Tannen, dazwischen das dunkelgrüne Maigrün der breitastigen Buche und des strotzigen, sonnengebräunten Ahorns, und oben in den Lüften der Habichtsschrei und Weihenruf, denen im sicher bergenden Kieferwald die laute Stimme des Spechtes wie ein höhnendes Freudelachen zu antworten scheint.

Die windbrüchigen Bäume, welche der Sturm umgestürzt hat, läßt der Forstmann an geeigneten Stellen ruhig im Walde liegen und vermodern, da in diesen Gegenden ihre düngende Kraft für den jungen Nachwuchs größeren Werth hat, als ihr Holz. Morsch und moosdurchwuchert und von blühenden Schlingpflanzen wild umrankt, gewürmdurchkrochen und mit rothen und gelben Pilzen unterwachsen, hauchen diese am Boden liegenden Stämme den brütenden Duft vegetabiler Verwesung aus; der Fuß des Wanderers glaubt bei jedem Schritt auf Schlangen und Salamander zu treten und ohne tausendjährigen Bestand sind ringsumher die Zauber des Urwaldes gewoben.

Der gewöhnliche, genußarme Wanderer empfängt freilich nur selten diese magischen Eindrücke aus der großen Allkirche der Natur. Sein Fuß betritt diese Stätten nicht, er wandert auf dem gangbaren Wege dahin, und sein Auge beleckt gleichsam blos den bestaubten Saum der Wälder. Nur hier und da dringt in das innere Heiligthum der Natur ein wahrer Freund derselben, oder der Verehrer des Waidwerks, wenn er durch die Forsten schreitet, um den Hirsch zu pirschen; wenn er tief drinnen an einer versteckten Waldblöße lauert, um dem kreisenden Raubvogel seine rasche Kugel zuzusenden; oder wenn er noch höher hinauf sich zieht in das Gebiet des Bergfuchses, der von gleicher Race mit dem der Ebene hier zu besonderer Größe gedeiht; ja noch mehr, wenn der Jäger sich endlich gar an den waldbewachsenen Nebenbächen, Wasserrinnen und Bergschlünden viele tausend Fuß hoch hinaufarbeitet, um droben in die freiheitlachende Region der Murmelthiere und Gemsen hinauszutreten, den Windhauch der feinen, schneegekühlten Luft um sich und rief unter seinen Füßen das morgendampfende Thal.

Aber nicht blos ist es möglich, bei solchen Wanderungen das geheime Waldleben mit seinen Reizen der Thier- und Pflanzenwelt zu belauschen; bei diesen Gängen durch die innern Winkel und tief eingesenkten Bergbuchten der Alpen findet man auch Gelegenheit, die Thätigkeit der Waldarbeiter, der Holzfäller, zu beobachten.

Nicht so friedlich und gefahrlos, wie drunten in der Ebene, im breiten Thal und an sanften Berghalden, ist diese Thätigkeit droben an Schrunden und Schlünden, auf kluftigem Terrain, an steilen Waldhängen, die sich zum schwindelnden Felsenabhang hinuntersenken.

Der ruhige Wegreisende bleibt wohl oft stehen auf der kühn gespannten Eisenbahnbrücke von Groß-Hessellohe und sieht thurmhoch unter sich die Holzflöße in langen Reihen durch die Bogen steuern, ein froher Juhschrei oder ein Schnaderhüpferl der lustigen, im Nationalcostüm malerisch auf den aneinander geschnürten Tannenbäumen stehenden Bursche oder auch Mädchen schallt zu ihm hinauf; er sieht die Flöße weiter und weiter gleiten den hochragenden Thürmen des schönen Münchens zu, wo sie am Ufer der Vorstadt Au, ihrem Bestimmungsorte, landen. Nicht immer [727] sind die Flöße blos mit Holz beladen, nebenbei dienen sie auch als Transportmittel für alle Gebirgsproducte, oder arme Wanderburschen und zur Stadt ziehende Arbeiter aus den Bergen benutzen sie als wohlfeiles Verkehrsmittel. Sie bieten eine dem Wind und Regen so ziemlich bloßgegebene und auch von unten nicht immer trockene Fahrt. Aber ihre Sicherheit ist bei den meisten Flüssen nur in den Augen übertreibender Romantiker gefährdet und sie eilen dabei meistens mit einer Geschwindigkeit dahin, die zwischen Schritt und Trab die Mitte hält.

Solchen Flößen begegnet der Tourist an gar vielen der breiteren Alpenflüsse und er sieht sie auch hier immer aufwärts der Isar bis in’s Hochthal hinauf, so weit das Wasser des Flusses für dieses Naturfahrzeug schiffbar ist. Ja der Reisende hört auch wohl, wenn er auf stillen Thalwegen geht, zuweilen von droben her durch das tiefe Schweigen hindurch die Schläge der Holzaxt, die ihm der Windhauch in einzeln verhallenden Klängen zuführt. Doch er schreitet vorüber und erfährt es selten, mit welchen Mühen ein Bergwald niedergelegt, das Material eines Flosses zusammengebracht wird; er hat meist keine Ahnung davon, wie oft nicht blos unsägliche Strapazen, sondern auch der Ruin der Gesundheit, ja des Lebens so vieler Menschen an den Holzscheiten kleben, mit welchen sich der nahe Städter in sorgloser Behaglichkeit sein Zimmer wärmt.

Um diese Handtirung in Augenschein zu nehmen, müssen wir wieder empor, zu den schon früher erwähnten Neben- und Hochthälern. Dort klettert, auf den Humussätteln, die sich an schroffen Lehnen und über kahlen Steinzinken gebildet haben, die Föhre, die Lärche, die Rothtanne, eine über der andern wipfelnd, hinan. Hier ist die gefährlichste Position der Holzfäller. Mit ihren Steigeisen versehen, klimmen sie rasch die Bäume hinauf, oft mit deren schlanker Krone schwankend über dem Abgrunde. Mit raschen Hieben werden die Aeste vom Stamm geschlagen, und nun kommt die Arbeit, den Stamm selbst zu fällen. Nachdem ihn die Axt an seiner Abendseite vom wuchernden Moos entblößt hat, wird er durch mächtige Schläge dieses scharfen, vorn an seiner Schneide sehr schmalen Holzfällerinstrumentes nahe über dem Erdboden tief eingekerbt. Wenn der Spalt für die Axt zu tief und unbequem geworden ist, muß die Säge das Zerstörungswerk fortsetzen. Ein eiserner Keil erweitert den Schnitt, damit sich das Sägeblatt nicht einklemmt im saftig strotzenden Holze, zumal wenn der Wind den Baum zur Schnittseite hinüber biegt. Endlich haben die Werkzeuge gesiegt; mit einem knatternden Ruck zerreißen die letzten Holzfasern und die Fäller geben dem Stamm einen letzten Geleitsstoß, daß er sausend hinabschießt, über Felsengrate hinweg in den Abhang der Schlucht. Selten, aber doch zuweilen geschieht es, daß ein Holzfäller von einem schräg abgleitenden Stamm mit in die jähe Tiefe hinabgerissen wird; viel häufiger jedoch lähmt ein Fehlhieb der Axt in das Knie oder Schienbein den Holzfäller entweder auf Lebenszeit, oder setzt ihn einer schmerzlichen Cur aus, die gewöhnlich durch die Noth, bald wieder arbeiten zu müssen, vernachlässigt wird und ein unheibares Siechthum des verletzten Gliedes nach sich zieht.

Auch an dem steilabhängenden, wenn auch breiten Waldlehnen ist das Tagewerk der Hauer nicht ohne ähnliche Gefahr; zuweilen werden die Leute tödtlich verletzt durch einen von ihren Nebenmännern gefällten Stamm, dessen Sturz nicht richtig berechnet war. Ebenso wie eine unglaubliche Gewandtheit, ist kaltblütigste Wagehalsigkeit eine Eigenschaft dieser Arbeiter und häuft oft durch ihr rasches Handeln die sie bedrohenden Mißgeschicke. Ich sah eine Tanne niederwerfen, die vierzig Klaftern Holz gab; der Boden bebte in Wahrheit und da sie unentastet war, sprangen wohl fünfzig Pfund schwere gesplitterte Knorren des Astwerkes zwanzig bis dreißig Schritt zur Seite. Nachdem die Bäume gefällt sind, folgt das Zerschneiden der Schafte in gleiche Längenstücke.

Man schichtet das Holz nur da in Klaftern, wo es von der Waldblöße auf der Achse hinweggeschafft werden kann. Wie wäre dies aber möglich, inmitten des unzugänglichen, steil aufsteigenden Bergterrains! Blos durch sinnreiche Benutzung dieses Terrains selbst und der Naturkräfte ist es möglich, den gefällten Wald den Verkehrswegen zuzuführen.

Wo die Schluchten von einem Bergbach durchtost oder zu gewissen Jahreszeiten durch Sturzwasser gefüllt werden, da übergiebt man die Stämme diesem Rinnsal. Das Holz gewöhnlich zur Winterzeit hinabgeworfen, bleibt in der Regel bis zum Frühjahr dort liegen, wo die Schneeschmelzen eine Wassermasse häufen, die bald den aufgespeicherten Vorrath treibend, schäumend und stoßend in Bewegung setzt. Hierbei ist es die gefährliche Aufgabe der Holzfäller und Waldarbeiter, von Zeit zu Zeit mit Stangen und Haken denjenigen Stämmen eine Nachhülfe zu geben, die sich an Felsblöcken und Bachengen verhangen und gesperrt haben und oft die ganze Holzmasse zu stauen drohen. Solche Wasserstauungen gefährden nicht selten den aufpassenden, weiter abwärts postirten Nebenmann, indem ihr plötzlicher Durchbruch das knappe Ufer in der tiefen Schlucht mannshoch überschwemmt und jeden menschlichen Widerstand zermalmend mit sich fortreißt. So treibt das kurzgeschnittene Brennholz endlich in die Isar hinein und auch hier noch oftmals von den vorspringenden Ufern durch die Arbeiter abgestoßen, schwimmt es den weiten Weg zu den Holzwehren nach Länggries, nach Tölz, ja bis nach München, wo es gefangen und zu luftigen Klaftern aufgespeichert wird. Es hat den größten Theil seiner Borke und durch die Auslauguug im Wasser etwa achtzehn Procent an Güte verloren, das Buchenholz wegen seiner leichtlöslichen Salze noch mehr, als das harzige Nadelholz. Die Billigkeit des Transportes gleicht jedoch diesen Schaden vollkommen wieder aus.

Wo der gefällte Wald nur von Berglehnen der Gebirgsthäler herunter zu schaffen ist, da bedient man sich der sogenannten Holzschurren, die einem ununterbrochcn steil aufsteigenden Fahrwege gleichen. Ein hartgefrorener, dünnbeschneiter Winterboden macht sie zur Schlittenfahrt für einzelne Scheite, ja für ganze Stämme wohl geeignet. An jenen schlagbaren Waldstrecken aber, wo hoch im Gebirge die Bäche und Wasserrinnen als natürliche Communicationsadern fehlen, stellt man wohl hier und da in den Alpen künstliche Verkehrswege her. Freilich geschieht es zumeist an Punkten, (besonders in den südlichen Gebieten Tirols und der Schweiz) die sich weniger durch gute Forstverwaltung auszeichnen, als sich durch eine räuberische Plünderung, ja Vernichtung des Waldes brandmarken. Hin und wieder ist indeß diese Methode auch durch das Terrain inmitten der besten Waldpflege geboten, wenn es sich um die nothwendige Fortschaffung schlagreifen Holzes handelt, das einer passender gewählten Waldcultur Platz machen soll. Man baut dann hoch von droben herab in den Bergeinsenkungen entlang und oft kleine Querschluchten überbrückend, bis herab in das wirkliche Flußthal oder in ein wasserführendes Nebenthal sogenannte Holzgleiten, die man auch Laaße, Holzrinnen, Thalfahrten nennt. Diese künstlichen Spuren werden durch dicht neben und aneinander gefügte Holzstsmme gebildet, welche sich als eine offene, beinahe halbe Cylinderröhre darstellen. In ihnen gleitet, vorzüglich bei Glatteis, das Holz; mit furchtbarer Schnelligkeit herab. Indeß bedarf es auch hierbei menschlicher Nachhülfe, bei der es an Unglücksfällen nicht fehlt; doch mehr, als die rollenden Blöcke untergraben die strengen Wintertage mit ihren eisigen Stürmen, Schloßen und Regenschauern die Gesundheit der Arbeiter und es ist zu verwundern, wie sich immer wieder frische, todesmuthige Bursche finden, die sich nicht abschrecken lassen durch die verstümmelten oder erfrornen Glieder der Alten.

In manchen Gegenden der Alpen bedient man sich auch an nicht steilen Stellen der Holzschlitten, mit welchen man auf der Gleite die immerhin jähe Thalfahrt unternimmt.

Das ist der mühselige, gefahrvolle Gewinn des Brennholzes. Drunten im weitbuchtigen Thale aber, wo das Wasser des Alpenflusses hinreichende Tiefe hat, wo die schlanken Hochwaldstämme leichter von dem Rücken der Berge herabgeschafft werden können, da ist der Platz, auf welchem man die Flösse zimmert und schnürt, die hauptsächlich das Nutzholz zu den Betriebsstätten führen. Der Köhler schafft wohl seine Kohlen, der Kienrußbrenner seine Tonnen herbei und noch mancherlei Waaren finden sich ein, wenn der einfache Bau vollendet ist und mit einem lauten Jodelruf, dessen heller Kehlton langgezogen in den Bergen wiederhallt, wird das Fahrzeug vom Ufer gestoßen, hineinsteuernd in die Strömung der grünlichen Fluth.