Hymnus zur Eröffnung des Canals von Suez

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Martin Greif
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Hymnus zur Eröffnung des Canals von Suez
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 599
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[599]
Hymnus zur Eröffnung des Canals von Suez.[1]
Von Martin Greif.

      Heil dem Meere,
Heil dem gewaltigen!
Denn es verbreitet
Endlosen Segen
Tief in die Länder,
Wo in Gebirgen
Oder auf Ebenen
Thätig der Mensch wohnt.

      Dankbar im Geiste
Denkt er der Brüder,
Denen die Woge
Täglich ihr Brod giebt,
Die nicht ermüden,
Fern aus den Ländern
Schätze zu holen,
Deren für’s Leben
Jeder begehrt.
Kundig der Pfade,
Steuern sie draußen,
Selbst wenn die Sterne
Schwinden im Nachtsturm.
Jegliche Brandung,
Jegliche Klippe
Kennen sie ja,
Und sie errathen,
Wo sie zur Stunde
Segeln im Weltmeer.

      Selten nur einem
Festlandbewohner
Ist es beschieden,
Daß sein staunendes Auge froh wird
Deiner Betrachtung,
Rollender Ocean, weitbusiger,
Hochwogiger Wieger der Masten,
Abgründiger, furchtbarer Herrscher!
Doch wer dich einmal
Glanzvoll erblickte,
Rühmt dich für immer.

      Heil dem Meere!
Heil den Nationen,
Die es befahren!
Heil auch den Völkern,
Die es ernährt!

      Nordische Söhne
Dringen zur Zone
Glühender Sonne,
Und mit gebräuntem
Antlitze kehren
Kühner sie wieder;
Palmen erblickten sie,
Sahen den Lotos erblühen
Und die Banane
Längs des altheiligen Indus,
Der im Gesänge daherrauscht,
Brahma verkündend und Wischnu und Schiwa
Und die geheime Kunde uralter Beden.
Seltsame Städte,
Drachen und Halbmond
Ueber den Zinnen,
Fürstliche Burgen
Luftigen Baustils
Schritten sie durch.
Vielbestaunt von der gaffenden Menge,
Denen die fremde Bildung
Ausruf entlockte und Lächeln.

      Ruh’loses Leben,
Leben des Schiffers,
Leben des segelnden Mannes im Boot!

      Goldlast in Tonnen,
Silber in Barren
Führt er hinaus;
Ganze zersprengte
Adern der Heimath,
Wie auch die Werke
Regerer Hände
Und der Maschinen
Schaffenden Fleiß.
Seiden und Purpur,
Perlen und Elfenbein,
Kostbaren Farbstoff,
Würzige Pflanzen,
Ambra und Myrrhen,
Zucker und Südfrucht,
Thee auch und Tabak
Tauscht er dafür.

      Doch der Weg ist lang und weit,
Lang für die Ungeduld;
Wasser und Himmel
Dehnen sich endlos,
Bis ihm nach Monden
Winkt des ersehnten,
Blühenden Welttheils
Fremdes Gestade.

      Aber der Schiffer,
Draußen im Weltmeer
Müßig die langen
Tage verbringend.
Schweift mit den Augen
Ueber der Karten
Seltsamen Umriß,
Ueber der Länder
Wundergestalt.
Siehe den schmalen Landstrich dort!
Länderverbindend
Strebt er durch’s Meer hin,
Von der geschiedenen,
Wogenden Salzfluth umspült.
Wollte sich öffnen
Dort eine Pforte,
Endlos nachstürzender Wogen
Gähnendes Bette,
Freudig hinüber
Zöge der Kiel.

      Und wohl! Der Menschheit
Rastloser Genius
Faßt den Gedanken;
Mächtigen Willens
Geht er an’s Werk.

      Durch!
Hacken und Schaufeln
Wühlen und graben,
Wagen an Wagen
Häufen den Grund auf,
Und es vertieft sich
Sichtbar die Rinne;
Wachsend erstreckt sich
Langhin der Damm.
Schleußen nur trennen,
Wehrend dem Andrang,
Meer noch und Meer.

      Los!
Und es rollet Meer zu Meer,
Und es gehen königliche Wogen
In das bereitete Bette,
Und sie nahen einander.
Die Jahrtausende durch getrennten,
Und sie vermischen sich.
Und es verbinden
Kreuzende Schiffe
Länder und Länder,
Fernen und Fernen,
Völker und Völker,
Geister und Geister,
Weithin das rege
Menschengeschlecht.

      Heil dem Meere!
Heil seinen hochrollenden Wogen!
Heil dem gewaltigen
Länderumgürtenden,
Allumfassenden Ocean!

  1. Die ägyptischen Wirren haben die allgemeine Aufmerksamkeit auf’s Neue auf den Suezcanal gelenkt und die Frage: „Was wird das künftige Schicksal dieser hochwichtigen Wasserstraße sein?“ schwebt auf Aller Lippen (vergl. unsern Artikel in der vorigen Nummer, Seite 578). In einem solchen Momente dürfte das obige schwungvolle Gedicht Martin Greif’s, das der Eröffnung des Canals (17. November 1869) seine Entstehung verdankt und das wir den kürzlich erschienenen „Gedichten“ (Stuttgart, Cotta) des hochbegabten Dichters entnehmen, unsern Lesern nicht unwillkommen sein. Wir benutzen mit Vergnügen diese Gelegenheit, um aus Greif’s „Gedichte“ anerkennend hinzuweisen und sie allen Freunden unseres Blattes bestens zu empfehlen.
    D. Red.