Im Kampf der Meinungen

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Autor: Emil Rittershaus
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Titel: Im Kampf der Meinungen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 452
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[452]
Im Kampf der Meinungen.
Vier Zeitsonette.
Von Emil Rittershaus.

                    1.

Du fragst, warum ich nie mich pfleg’ zu regen,
Wenn hinter’m Becher die Parteien zanken? –
Wo an der Schwatzsucht hohle Köpfe kranken,
Will ich beschaulich still der Ruhe pflegen.

5
Ich lieb’ das Wort als kühngeschwungnen Degen;

Ich lieb’ als blanke Lanze den Gedanken,
Doch soll in festen, ritterlichen Schranken
Sich allezeit der Gegner Kampf bewegen.

Dort, wo der niedre Troß der Streiter sich

10
Mit Schmutz bewirft, um eitler Rauflust willen,

Da sah ich nie der Weisheit Born entquillen.

Da gilt nicht Degenstoß noch Lanzenstich,
Da gilt die derbste Faust, die frechste Zunge,
Und mehr als Kraft der Gründe Kraft der Lunge.

                    2.

15
Das ist’s, was ich am Kampf des Tages hasse,

Daß Jeder zeiht den Gegner des Gemeinen.
Der Eine thut’s in Worten, dolchesfeinen,
Der Andre im bekannten Ton der Gasse.

Verächtlich ist mir jene Menschenclasse,

20
Die kein Bejahen kennt und kein Verneinen;

Demantenklar soll Männersinn erscheinen,
Doch nie die Hand von edler Waffe lasse!

Ist dies das Volk, aus dem ein Goethe stammte?
Oft fragt’ ich’s mich, wenn ich es mußte hören,

25
Wie blinde Kampfwuth schmähte und verdammte.


Soll alles denn zur gleichen Fahne schwören
Im Streit der Meinung? Laßt die Klingen blitzen,
Doch ohne Gift auf ihren scharfen Spitzen!

                    3.

Kein Wortturnier, kein spielend Silbenstechen,

30
Es ist ein heißer Kampf um hohe Güter,

Der tief erregt die Geister und Gemüther,
Doch soll auch hier nur Ernst und Würde sprechen.

Wir sehn die Noth die Kraft des Landes schwächen;
Der Stern des Glücks, es war ein rasch verglühter. –

35
Ihr Volksvertreter, ihr, des Landes Hüter,

Nun sinnt zu heilen Wunden und Gebrechen!

Doch Eins vor Allem: Nichts von Rückwärtsschreiten!
Kein Feilschen mit des Pfaffenthums Vasallen,
Bei dem das Volksrecht soll den Kaufpreis geben!

40
Kein Schachern wie’s der Brauch in Jahrmarktshallen –

Und Wahlspruch sei und bleib’ in allem Streiten:
Im Geist der Freiheit nur ist Licht und Leben.

                    4.

Freiheit ist Lebensluft der Nationen.
Nie sollst Du ob der Einheit sie vergessen –

45
Was Dir, o Volk, an Rechten zugemessen,

Es gilt noch mehr als alle Lorbeerkronen.

Ein freier Sinn steht aufrecht vor den Thronen,
Sucht schmeichelnd nie die Hand der Gunst zu pressen –
Die von dem Bettelbrod der Gnade essen,

50
Mag die Verachtung und die Schmach belohnen.


Der Freiheit treu und treu dem Vaterland!
Von diesem Ziel kein Weichen und kein Wanken! –
Den Vätern werden's einst die Enkel danken.

In diesem Streben einig Hand in Hand

55
Auf eb’nem Pfad, auf rauhen Dornenwegen –

Und Deutschlands Zukunft wird erblühn in Segen.