In Sachen Alex. v. Humboldt

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Titel: In Sachen Alex. v. Humboldt
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 168
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[168] In Sachen Alex. v. Humboldt sagt das Frankf. Museum sehr richtig: Die Zeitungen bringen allwöchentlich wenigstens einmal irgend ein höfliches Schreiben, das Alex. v. Humboldt an einen Schriftsteller, an die Vorsteher einer Stiftung, an einen heimgekehrten Reisenden gerichtet hat. Jeder Brief des großen Mannes ist ein neues Zeugniß für seinen hohen Sinn und seine allseitige Humanität; in jedem ist, selbst bei geringer Veranlassung, ein heller und bedeutender Gedanke ausgesprochen. Gleichwohl scheint uns in der zudringlichen Art, mit der man den bald Neunzigjährigen bestürmt, eine Taktlosigkeit, ein Mißbrauch zu liegen, gegen den das gebildete Deutschland zu seiner eigenen Ehre und im Interesse des Patriarchen protestiren sollte. Humboldt selbst giebt in mehreren Briefen zu verstehen, er könne die rücksichtslos angehäufte Correspondenz nicht mehr bewältigen. Er schreibt die progressive Erhöhung seines Weltruhmes bescheiden dem Interesse zu, das sich an sein Uralter knüpft. Er bedarf dieser Erhöhung freilich nicht; gegen jede Wirkung der ruchlosen Angriffe einer Wiener Kirchenzeitung und ihrer Consorten ist sein erhabener Name längst gesichert.

Manche Sendschreiben werden dem edlen Manne auf unwürdige Weise zu eigennützigen Zwecken entlockt. Unermüdlich liest er eingesandte Bücher, Brochüren und Prospecte; selbst bei mangelhaften Leistungen ist er zu Anerkennung der Absicht, zu einem ermunternden Zuspruch bereit. Aber mit dieser Thätigkeit verbringt er kostbare Stunden seines Wirkens, das, weil er sich ja doch träge Ruhe nicht vergönnen mag, der Welt angehört.

Ein Verleger zieht bei Veranschlagung der Aussichten für sein neues Geschäft neben den schönen Holzschnitten und dem gepreßten Umschlag auch den Brief von Humboldt in Rechnung, „der wohl zu haben sein wird.“[1] Ein angehender Gelehrter steigert den Werth seiner Arbeit durch das abgedruckte Zeugniß, daß Humboldt sich für dieselbe interessirt habe. So wird ein Name des herrlichsten Klanges zum Aushängeschild entwürdigt, ja man bringt ihn in Gefahr, zum Gemeinplatz zu werden. Denn beim Umsichgreifen dieser neuen Art von Speculation kann es kaum ausbleiben, daß die Empfehlung an Gewicht verliert.

Mag Humboldt auch weiterhin verdiente Forscher und Entdecker dem König, seinem Freunde, vorstellen; mag er den Amerikanern seinen Rath zukommen lassen, die sich wegen des Durchstichs von Panama ehrenhalber zuerst an ihn wenden: das Alles ist seine Sache. Aber ihr jungen Schriftsteller, ihr Vereine, ihr Buchhändler könntet Euch wohl vor Euresgleichen auf eine passendere Weise auszeichnen, als indem ihr eure Leistungen mit seinem unsterblichen Namen verbrämt. Schlagt Euch doch durch wie Andere, oder wenn ihr durchaus Betriebsamkeit üben müßt, so wählt euch das Feld dazu mit etwas mehr Anstand und Takt! Deutschland hat nur noch einen Genossen seiner ersten Größen, seines Goethe, Kant, Herder und Schiller; lasset ihn in Ruhe sein neuntes Jahrzehend beschließen und seinen Kosmos vollenden! Suchet den Glanz dieses Gestirns nicht kleinlich zur Aufhellung Eurer Fabrik oder Studirstube zu verwenden: nein, lasset es ruhig ausstrahlen, bis ihm die Gottheit winkt, daß es ruhig untergehe!



  1. Leider sind dergleichen buchhändlerische Speculationen sogar bei naturwissenschaftlichen Werken in Anwendung gebracht worden.