Jünglings-Klage

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Jünglings-Klage
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen.
S. 169–170
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max & Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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Jünglings-Klage.


Welt, wie bist du mir so wenig,
Zeit, wie wirst du mir so lang;
Zu dem Alterthume sehnig
Wallet meines Herzens Drang.

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Damals war die Welt in Thaten,

Lust und Leben schön und groß;
Heute nur um Wein und Braten
Lassen wir die Kräfte los.
Zum Verdienen, zum Erwerben

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Treibt die Zeit uns hungrig an;

Für das Große weder sterben,
Weder noch ich leben kann.
Selbst das Mägdlein, meine Holde,
Ob sie mich auch gerne sieht,

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Wählt den Eh’mann nach dem Golde,

Und mir, eh’ ich’s träum’, entflieht.
Nicht das Schwert und nicht die Zither,
Nicht der Thaten kühner Schwung,
Wie zur edlen Zeit der Ritter,

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Flammt in mich Begeisterung.

Jugendmuth und Lebenskräfte
Werden in dem Wust und Staub
Eitler, kleinlicher Geschäfte
Meines Mißmuths Spiel und Raub.

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Doch der Drang des Frühlingsblutes

Fordert rastlos Schwung und That:
Folgt drum oft des Übermuthes
Falschem, trügerischem Rath.
Sucht das Leben bei der Flasche,

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Sucht’s im Sturm der Leidenschaft;

Roh geberdet sich die rasche,
Thatenlose Jugendkraft;
Schläget mit Cyclopenfäusten
Auf den Tisch und in die Welt,

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Die sich den an Lust Verwaisten

Fremd und fern vom Herzen hält.
Zu der Narrheit muß er flüchten,
Kühnheit wird zum Trotz entweiht,
Soll er gänzlich nicht verzichten

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Auf den Traum der schönsten Zeit.

Schöne Jacken, schöne Mützen,
Und die goldne Troddel dran,
Sind des Jugendlebens Stützen,
Vorbereitung für den Mann.

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Und ihr schimpft auf uns, ihr Alten,

Nennet gar uns naseweis;
Soll die Jugend schöner walten,
Zeigt ihr einen schönern Preis;
Zeiget, um sie zu erheben,

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Mit der Liebe Freud’ und Gunst

Ihr ein thatenreiches Leben
Und das Glück und Heil der Kunst.