Jung Tyrrel

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Textdaten
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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Jung Tyrrel
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 253–254
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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[253]
Jung Tyrrel.

„Jung Tyrrel, fuhrest über See?
Jung Tyrrel, mir willkommen hie!
Sahst du so dunkle Forste je?
So stolze Forste sahst du nie!

5
Ein englisch Wild erst umgebracht!

Dann geb’ ich dir ein englisch Lehn!“
Jung Tyrrel, dem das Herze lacht,
Läßt seine blanken Zähne sehn.

„Wer heut den besten Schuß mir thut,

10
Den Achtzehnender mir erlegt,

Der nehme sich als Lehensgut
Den Königsforst der ihn gehegt!

Zu schwör’ ich dir’s auf diesen Bart,
Der feuerroth die Brust mir deckt!

15
Zu Wald! Zu Wald! Der Rappe scharrt!

Die Bracke spürt! Der Rüde bleckt!“

Herr Wilhelm stößt ins Jägerhorn,
Ein Geier krächzt in seinem Horst,
Die Wipfel peitscht ein dunkler Zorn,

20
Es braust und tost. Dann schweigt der Forst.


[254]
Herr Wilhelm schlägt mit Tyrrel Rath:

„Ich links, du rechts! Fort! Gute Birsch!“
Es knirscht das Laub darauf er trat.
In heller Lichtung ätzt ein Hirsch:

25
Ein Rothhirsch der vier Ellen mißt,

Daß sich ein Jägerherze freut,
Der dieses Forstes König ist,
Mit weit verästetem Gestäud.

Her raunt’s aus Waldesfinsterniß

30
Zu Tyrrel, der sich duckt ins Moos:

„Verdammt daß mir die Sehne riß!
Du drück in Teufels Namen los!“

Herr Tyrrel lauscht. „Wer sprach das Wort?“
Ein Weilchen schweigt’s im Laubesdach.

35
„Schieß, Tyrrel!“ raunt’s von anderm Ort.

Er schießt. Genüber stöhnt ein Ach.

Herr Tyrrel, das war schlimme Birsch!
Im Dickicht rinnt ein Bächlein rot.
Ihr fehltet Englands größten Hirsch

40
Und schosset Englands König todt.