Jungfrau Sieglinde (Uhland)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ludwig Uhland
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Jungfrau Sieglinde
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 326–327
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München = Commons.
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[326]
Jungfrau Sieglinde.

Das war Jungfrau Sieglinde,
Die wollte früh aufstehn,
Mir ihrem Hofgesinde
Zum Frauenmünster gehn.

5
Sie ging in Gold und Seide,

Mit Blumen und Geschmeide,
Das ward zu großem Leide.

Es stehn drei Lindenbäume
Wohl vor der Kirchenpfort’;

10
Da saß der edle Heime,

Der sprach viel leise Wort’:
„Was Gold, was Edelsteine!
Hätt’ ich der Blumen eine
Aus deinem Kranz, du Feine!“

15
So sprach der Jüngling leise,

Da trieb der Wind sein Spiel,
Daß aus der Blumen Kreise
Die schönste Rose fiel.
Herr Heime thät sich bücken,

20
Die Rose wegzupflücken,

Damit wollt’ er sich schmücken.

[327]

Da war ein alter Ritter
In Siegelindens Chor,
Dem war es leid und bitter,

25
Gar zornig trat er vor:

„Muß ich dich Hofzucht lehren?
Darfst du vom Kranz der Ehren
Ein Läublein nur begehren?“

O weh dem Garten immer,

30
Der solche Rosen bracht’!

O Heil den Linden nimmer,
Wo solcher Streit erwacht!
Wie klangen da die Degen,
Bis unter wilden Schlägen

35
Der Jüngling todt erlegen!


Sieglinde beugt’ sich nieder
Und nahm die Ros’ empor,
Steckt’ in den Kranz sie wieder,
Und ging zur Kirche vor.

40
Sie ging in Gold und Seide,

Mit Blumen und Geschmeide,
Wer thät ihr was zu Leide?

Vor Sankt Mariens Bilde
Nahm sie herab die Kron’:

45
„Nimm du sie, Reine, Milde!

Kein Blümlein kam davon.
Der Welt will ich entsagen,
Den heil’gen Schleier tragen
Und um die Todten klagen.“