Künstler und Landwirth

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Textdaten
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Autor: Alfred v. ???
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Titel: Künstler und Landwirth
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 769–764
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Künstler und Landwirth.

Ein Erinnerungsblatt zum fünfundzwanzigjährigen Sängerjubiläum Heinrich Vogls.

An einem Augusttage des Jahres 186b war eine krtue utnstka^cheGrsell. tunge Sauger bei eitlem brs^mut^ Lehrer Ge^t^tlutet.rs^t nähme.

i, toard aber nichts befriedigt und blieb übelaeuontmeu , . bis auch er ertennen dent sungen unscheinbaren Mann eineit Interpreten seiuet.

^ wie ihm dazumal kein zweiter

d^rg^il^ kl^p^udeu Herzens die ganze Wichtigkeit jener Stunde f zu Gebote stand.^Voit dieser Zeit an verton

sur sem^mge^ Leben enlpstntdeu hat -....der 201a^nge Schullehrer. un^ ^..t^^... ......^^ ....... ........ ..

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gehslfe Heiurtch Vogl. t...r, der heule in der mltstn.tbschett Welt der große Waguer.Säuger genattut wird, sollte damals Probe sinken"

In der Vorstadt Au gebo^ reit, ein richtiges ,,Müttcheuer Kindt", hatte es der junge Vogl drei Jahre vorher mit mehr Fleiß als Behagen zum Schullehrergehilsett in Ebers. berg gebracht. . Die schölte kräftige Teuorstimtne, die itt ihm nach Betha'tigung rang, ließ jedoch keine rechte Be. sriedigung in ihm auskotumeu. Er faßte sich ein Herz uud bat seittetl Kre^schulrath nut Versetzttllg von der einsauten Filialschttle ltach einer größeren ^tadt. Der Kreisschnlrath aber - es thut nichts, wenn der Nattte des gestrengen Herrtt nicht auf die Nachwelt kommt-.-- wies dem illngen Lehrer itt der schroffsten Weise die Thür. Da raffte sich Vogl .nt einem heldenhaften Entschluß auf: er brach alle Brückelt hinter sich ab und meldete sich zum Thea- ter - als Eh ort st. und tttttt fang er Probe. Nachdeut er die .^..chtr^Arie aus Mehlas "Ioseph" und die in .l^-chtr des Tamitto aus der "Zauber. flöte von Mozart vorgetragen hatte, trat der alte .Lachner, der schon srüher erstem ge. äußert hatte: "Null, Stimm' wär^ 1a da ! auf Vogl zu uttd sprach zu dem erwartungsvoll,.. dastehenden: "Als Ehoristeu können wir Sie nicht brauchelt, aber" - schmerzliche Pause - "als - Solisten" , und er bot dem glucklichen Schullehrer einen fünfjährigen Vertrag.

Die Gartenlaube (1890) b 769.jpg

Heinrich Vogl als Lohengrin.
Nach einer Photographie von Jos. Albert in München.

Nun ging es aus Studieren. Lachner überualmt die gelang- liche, Schauspielregisteur Iellke die darstellerische Ausbildung des hofsttungsvollen Tenoristelt. Aber nicht nur Stimme, das kostbare und uie hoch geltug anzuschlagende Matertal, war iu reichem Maße da, auch Taleut, schuelle Auffasstttlg uud jeue außerordentliche Sicher- heit im Treffeu, leuer durch uud durch musikalische Sinn, der damals wie heute Heinrich Vogl vor so violett seiner be. rtthmtesten Fachgeuosseu aussei chuete. - Aul 5. November 1865 betrat Heinrich Vogl zum ersten Male fette Bretter, die ihm zttr Heimath werden sollten, als Ma:r m Webers uusterblichem "Freischütz". Sophie Stehle, damals ein Liebliug des Müuchener Publikums, sang die Agathe, Frt. Deinet (spätere Frau Possart) das Aeunchen, der berühmte Bariton Kind ermann den Easpar. Ein übervolles Hans erwartete lttit Span,, nung den Nettling , den viele als liebenswürdigen Menschen, wettige als Schullehrer, der seinett Berus verfehlt hatte, kannten. Als Vogl die erste Phrase "O diese Sonne!" - mit seiner jugendfrischett prächtigen Stimme gefangen hatte, ging scholl eine starke Bewegung durch das Haus.: der Debntallt hatte gewonnenes Spiel, das Pnbliktim suhlte, daß es einen werdenden Künstler vor sich hatte, und Vogl trug alt diesem Erst- .ingsabend vor ltuumehr 25 Jahreu eiueu so glällzendeu Erfolg davou, wie er wohl nur selten einem Anfänger vergönnt gewesen sein mag.

Damals konnte man freilich den Werth und die Bedeutung seines Eugagemeuts noch nicht ilt ihrer ganzen Tragweite ahnen. Als Schüler Lachners stand Vogl zunächst noch auf streng klassischem Boden und hatte zu der. "Wagnertrage", die ia gerade damals, nach der Berusung Wagners und Bülows dntch den iungen Köllig Ludwig 1.1., hell aus- gelodert war, so gut wie keine Stellung genommen. Später sollte sich dies ändern, ja gerade in das Gegentheil verkehren. Vogl hatte Watuter aus "Tristan" vorgesungen, und "der Meister" bestand darauf, daß der

Heinrich ^agl als .....ohengriu.

Nach einer .t.tt.oto^enbine d ....," o s " Atdert in .Nochen"

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nttd der Nachklassiker ,^ erst später sollten diese umFreude erleben, da^ eilte merkwürdige Vielseitigkeit und Stilgetoattdtheit den Künstler befähige, vott der unendlichen Melodie ttntttittelbar in die strengen Fortttett der nassischen

Mttstk überzugehen.

Die Wagnerianer nahmen Vogl als den Ihrigen in An. sprttch volu"Tristan" an, diesem "wagnerischsten" der Werte Wagtters, das an seinen Dar- steller so fabelhafte Anforde. rungett stellt, daß diese Athletelt- leistung Vogls damals uttd uoch lange als einzig und nn. erreichbar dastand. .Das Werk selbst war ant 10. Inni 1865, also vor bellt Eintritt Vogls, zum erstell Male in Seene gegattgett und dantt dreimal wiederholt worden. Inzwischen hatte Vogl im Oktober l86^ die Tntzillger Schullehrerstoch. ter Therese Tholna, die seit April desselben Jahres ebett. falb. der Hosbühue als Salt- gerin angehörte, geheirathet" Die beiden kunstbegeisterten Leutchen hatten gan^st.r sich ,,Tristatt und Isolde . eiu, studiert, ohne vorläufig au eiue öffentliche Verwendung zu dettkeu. Da wünschte König Ludwig wieder einmal das Niesenwerk zu hören. Bach. manu, welcher zum' Tristalt, uud Frl. Seehofer, die als Isolde berufen war, erklärten, die Partien beim besten Willetl uicht bewältigen zu können, uttd so frllg man bei Vogls au, die auch bereit waren.. Nach wei- terett Vorbereitungen unter Bülow ging "Tristan und Isolde" dank der wunderbaren Verkörperung der beideu Ge, staltett durch Vogl und seine ebenbürtige, ihn als Darste.l. lerin sogar noch übertreffende Gattin attt 20. Inni 1860 mit großem Erfolg über die Vret. ter. Der Nlthm Vogl.^ und sei... tter Frau als "Wagnersäuger" verbreitete sich dattu im Läufe der Jahre immer mehr. uud wenn sich auch beide in zahl- loseu anderen Nollell uicht minder auszeichnetet t , so war es doch fette bleudeudere Eigen, schaft, welche ihren Nuf begrün. dete. Zahllose Gastspiele nnd- Bah r e n t h w areu die Folge.

dem Dbllar feinen Zoll und ging - nach Amerlka. Es wäre lhm aber beinahe schlecht bekommen. An eitlem, wie sich erst später herausstellte, lebensgefährlichen Karbnnkel leidend, betrat er das Schisi, das ihu übers große Wasser bringen sollte, und vom Schiff weg giug's lticht ilts stolze ..nerropolitau 0perabou..o. sduderu uls deutsche Hospital, wo er delll Tode llahe ins Auge schaute, bevor er die großen Wagnerrollen singen konnte, welche ihm erst später die gewohnten Erfolge einbrachten.

Die gewohnten Erfolge! - Wenn Heinrich Vogl heute auf seiue 25iährtge Thätigkeit als Säuger ltlld Darsteller zurückblickt, darf er sich ehrlich gesteheu, daß er diele Ersolge stets nur der Auweudung reiu künstlerischer Mittel verdankte. Von gewöhnlicher Mittelgröße und eher voll untersetzter Gestalt, hat Vogl nichts von dem herkömmlichen blenden- den Aenßerell, das sich bei so manchen Tenorgrößeu mit eiuem beinahe sprichwörtlich aewordenen Mangel an höherer Intelligenz verbindet. Die Wirkung der Voglscheu Nollen ist ausschließlich der edlen Stimme und delll küustlertscheu Gebrauch derselben zuzuschreiben. Was immer wieder und auch setzt noch, wo die Jahre ilntnerhln einigen ^oll gefordert haben, all feiuen Lelstungen entzückt, tst die wunderbar innige Verbindung, die Ton und [770] Wort bei ihm miteinander eingehen. So voll und edel der Ton ist, so j deutlich und durchdacht ist der Vortrag des Wortcs.

Rechuel liian hiezu noch die gediegene allgemeine musikalische Bildung, ; die Bog! besitzt, so überrascht es nicht mehr, daß derselbe als Konzert!

sänger nicht minder geschätzt ist wie auf der Bühne. Man Weib, dan der Kvnzertsaal für das Können jedes Sängers eine wahre Feuerprobe ^ bedeutet; Vogl hat dieselbe nicht nur stets bestanden, sondern viele schätzen ihn sogar als Liederund Oratonensänger noch höher wie als Opernsänger, Neugierig, welche Rolle bei einem solch!n Umfang künstlerischen Schafseus dem Sänger mit der Zeit wohl am liebsten geworden wäre, hat der Schreiber dieser Zeilen einmal danach gefragt, „Herrgott, das ist schwer zu sagen!“ antwortete Vogl, „ich singe gerne den Tamino, Molar, Pyladcs, Achilles, den Evangelisten in der .Schöpfung’, den Judas Maccabäns; ich singe leidenschaftlich gern schöne Lieder und den ganzen Wagner und hasse den Ritter Hngo in .Undine’ und dergleichen Zeug. Was ich am liebsten singe? Ich weih es nicht; alles, was ich kann,“

Und doch giebt es etwas, was der berühmte „Wagucrsänger mindestens ebenso hochstellt wie seine Bühnenerfolge – scinc Ockonomie. Opernsänger und Oekouomie sind sonst Begriffe, die sich selten zusammenfinden, s’a wohl meist gegenseitig ausschließen. Der kgl, Kammer und Hofopernsängcr Heinrich Vogl ist, fast möchte ich sagen, vor allem Landwirth. Im Jahre 1878 eiwarb er das etwa eine Stunde oberhalb Tutzinq am Starnbcrgcr See, der Heimath seiner Gattin, gelegene Land gut’Deixlfnrt mit 176 Tagwerk (etwa 60 Im) und 8 Stü.n Vieh. Heilte ist das Gut auf etwa 1000 bayerische Tagwerk (340 Iia) abgerundet und beherbergt 110 Stück Hornvieh, 12 Pferde -c. 500 Tagwerk sind 5 Fnsz lies draiuirt, eine Spiritusbrenncrei von .1450 Hektolitern Kontingent ist eingerichtet, 350 Tagwerk nmfaßt das Ackerland, eine rationelle Milchwirthschaft und gnte Fischzucht hat er eingeführt; Jagd, Wiesen und Wald, alles findet bei dem bäuerischen Opernsänger d>e liebevollste Pflege; denn Vogl läßt dies allen nicht etwa durch andere bewirthschasten, sondern lebt fast das ganze Jahr hier aus feinem sclbstgeschaffcncn Bcsitzthnn, und fährt nur zu den Proben und den Aufführungen nach der Stadt in sein Absteige-niartier in der Maximilianstraße. Er leitet alles selbst, fährt selbst aus die Biehmärkte, bewirbt sich um Preise auf landwirthfchastlichen Ausstellungen etc. Wenn man ihn an der Seite seiner Gattin und der blühenden Kinder durch sein ausgedehntes Besitzthum schreiten sieht, lernt man es säst verstehen, daß er anf diese bleibenden Spuren einer langjährigen gesegneten laiidwirthschastlichcn Thätigkeit noch stolzer ist als’ans den schnell verwelkenden Lorbeer eines gottbegnadcten Künstlerthums, und man glaubt an das köstliche Wort, das er nach Vollendnng einer „wagnerischen“ Gastrolle gesagt haben soll: „Heut“ hab’ ich mir ciucu Ochsen ersungen!“ – Heinrich Vogl steht heute noch ungebrochen ,n der Vollkraft seiner Jahre und seiner Stimmn, deren Metall und Ausbildung ihm noch Bürgschaft für eine Daner von vielen Jahren geben. Er wird seiner Hcimatht’ühue als Tenor das sein, was der Zeuge seines Probesingens, Angust Kindermann, als Bariton gewesen ist, bis ins hohe Alter – ein unvergänglicher Sänger! Mred n. n-n>>.