Kettenschifffahrt auf der Spree und der Havel

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Titel: Kettenschifffahrt auf der Spree und der Havel
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aus: Deutsche Bauzeitung Band 16, No. 51, S. 299
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Erscheinungsdatum: 1882
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: BTU Cottbus: H. 44-52 = S. 255-310; Commons
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siehe auch: Tauerei
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Kettenschifffahrt auf der Spree und der Havel.

Am 12. Juni ist in der Betriebs-Eröffnung der kombinirten Ketten- und Schleppschiffahrt auf Spree und Havel ein für das Verkehrswesen Berlins bedeutungsreiches Unternehmen ins Leben getreten. Die auswärts wenig geachteten Gewässer Berlins vermitteln einen Güterverkehr, der in seiner Quantität derjenigen der sämmtlichen Eisenbahnen Berlins gleich kommt, vielleicht sogar übertrifft — eine Thatsache, welche die Bedeutung eines Unternehmens wie des vorliegenden, das darauf abzielt, den gewöhnlichen Schiffsverkehr sehr wesentlich zu vervollkommnen, aufs treffendste illustrirt.

Für die Zwecke des neuen, in den Formen einer Gesellschaft zu Stande gekommenen Unternehmens ist auf der Strecke von der Kronprinzen-Brücke in Berlin bis Spandau die Spree und von da bis zum Pichelsdorfer Gemünde die Havel mit Kette belegt, deren Gesammtlänge 22 km beträgt. Vom Pichelsdorfer Gemünde ab bis zur Elbe soll der Betrieb mittels Schleppdampfer erfolgen.

Die Gesellschaft besitzt vorläufig 3 Kettentauer und 4 Schleppdampfer. Unter ersteren befinden sich zwei grössere, den Dienst auf der Strecke Berlin — Spandau versehende Tauer und ein kleinerer, der für den Dienst auf der unteren Endstrecke bestimmt ist, welche drei sehr niedrig liegende Strombrücken enthält. Die Abmessungen der grösseren Tauer sind: Länge 34 m, Breite 5 m, Tiefgang 0,65 m; der kleinere Tauer hat nur 23 m Länge, 4,3 m Breite, dagegen den Tiefgang von 1,0 m. Die grösseren Tauer haben Maschinen von 75 indiz. Pferdekr. (50 effekt), der kleinere ist mit einer Maschine von 70 indiz. Pferdekr. ausgestattet. Die Maschinen sind gekuppelte Hochdruck-Maschinen, welche ihre Bewegung mittels einfachen Vorgeleges auf die 4-rilligen Kettentrommeln von 1,12 m Durchmesser übertragen; ihre Zugkraft beträgt im Maximum 2000 kg, welche zum Aufschleppen eines aus 8 Kähnen mit je 2500 Z Ladung zusammen gesetzten Zuges ausreichen würde. Man wird indessen mit Rücksicht auf die theilweise scharfen Stromkrümmungen und den lebhaften Schiffsverkehr gewöhnlicher Art, die Schleppzüge vorläufig auf 6 Kähne beschränken. Die Zeit zur Zurücklegung der ganzen Strecke Gemünde — Berlin wird zu 2½ bis 3 Stunden angenommen und der Tarif setzt für ein Fahrzeug von 100 t Ladung bergwärts eine Gebühr von 17,8, thalwärts von 13,4  fest.

Von der Kette werden folgende Einzelnheiten Interesse bieten: Dieselbe hat die Stärke von 23 mm und wiegt pro m Länge 9 kg. Dieselbe ist aus einzelnen Stücken von je 1000 m Länge zusammen gesetzt, welche durch Kettenschlösser an einander gereiht sind. Das obere Ende der Kette ist zur Befestigung einfach um einen der Strompfeiler der Kronprinzen-Brücke geschlungen worden; das untere Ende ist unbefestigt gelassen. Das Versenken der Kette erfolgte in der kurzen Zeit von 1½ Tagen von Gemünde an aufwärts in der Weise, dass das Auslaufen derselben aus dem von einem Dampfer geschleppten Lagerkahn durch Bremsknüppel regulirt ward. Das eigentliche Verlegen geschah demnächst durch die Befahrung mit den Kettendampfern selbst. —

Für den Betrieb der Schleppschiffahrt von Pichelsdorfer Gemünde bis zur Elbe sind vorläufig 4 Dampfer, Doppelschrauben-Schiffe von 140 indiz. Pfdkr. Maschinenstärke vorhanden; diese Schiffe haben 25 m Länge bei 4,5 m Breite und bei kompleter Ausrüstung einen Tiefgang von 1 m. Die Maschinen sind nach dem Cumpound-Systeme gebaut und arbeiten mit einem Ueberdruck von 6½ Atmosphären; die Durchmesser der beiden Zylinder sind bezw. 380 und 200 m, der Kolbenhub ist 230 mm; die Fahrgeschwindigkeit ist etwa gleich mit derjenigen der Ketten-Dampfer angenommen worden. —

Ausser den beschriebenen dem Schiffahrtsbetriebe im speziellen dienenden Einrichtungen und Betriebs-Materialien verfügt das Unternehmen über 6 Dampfkrahne von je 100 Z Tragfähigkeit, die am Humboldthafen, am Nordhafen und am Hafen am Schöneberger Ufer aufgestellt sind; diese Krähne sind von der bisherigen „Berliner Krahngesellschaft H. Bachstein & Co.“ an die neue Gesellschaft, welche englischen Ursprungs ist, übergegangen. Dieselbe plant Erweiterungen des Unternehmens, sowie sich Veranlassung oder passende Gelegenheit bietet; in sichere Aussicht ist schon jetzt die Anlage einer Schiffswerft etc. an der Havel bei Pichelsberge genommen worden.

An der Spitze der Gesellschaft steht der in der Eisenbahnwelt wohl bekannte, frühere Regierungs-Kommissar für die englischen Eisenbahnen Sir Henry W. Tyler, ein Techniker von sehr bedeutendem Unternehmungsgeist, da Hr. Tyler in einem gelegentlich der Eröffnungsfeier am 16. d. M. ausgebrachten Toaste sich rühmen konnte, mit Unternehmungen technischer Art in allen 5 Erdtheilen verknüpft zu sein.

Mit der kurzen Erwähnung, dass die Festlichkeit am 16. d. M. unter Betheiligung der betr. Behörden, einer grossen Anzahl technischer und kommerzieller Persönlichkeiten am 16. d. M. in ansprechender Weise verlaufen ist und mit einem Wunsche für das gute Gedeihen des Unternehmens, schliessen wir den vorliegenden kleinen Bericht.
— B —