Kinder-Ausstellung in Amerika

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Autor: unbekannt
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Titel: Kinder-Ausstellung in Amerika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 576
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[576] Kinder-Ausstellung in Amerika. Die Leistungen der Menschheit werden jetzt in allen Sphären und Phasen der Kritik und Oeffentlichkeit, der Concurrenz und Veredelung anheim gegeben, selbst Kinder. Die letzte große Kinderausstellung in Springfield (Staat Ohio, unweit Cincinnati) wird als wahrhaft glänzend geschildert. Auf einem 30 bis 40 Quadratfuß großen Plakate waren alle Besitzer und Besitzerinnen von Kindern zur Theilnahme und Concurrenz für die ausgestellten Preise aufgefordert worden. Es lautete (in der Uebersetzung) folgendermaßen:

„Große National-Convention von Säuglingen.

„Die Säuglinge der vereinigten Staaten werden eingeladen, auf dem Platze der Clark-Kreis-Ackerbaugesellschaft, Donnerstag, 5. Oktober 1854 sich mit Aeltern und Liebhabern einzufinden. Man wird für die beste Bequemlichkein Sorge tragen. Zu diesem Zwecke wird für die Versammlung ein glänzenden Zeltenhaus, das 10,000 Personen fassen kann, errichtet werden. Die Unterzeichneten hoffen deshalb, die größte Kinder-Convention, die jemals gehalten worden, zu sehen. Ein aus unbetheiligten Damen und Herren bestehendes Comité wird für die am Besten befundenen Kinder drei Preise im Werthe von 500 Dollars zuerkennen. Um diese Preise kann sich Jeder bewerben, nur unter der Bedingung, daß das concurrirende Kind nicht über zwei Jahre alt und in den vereinigten Staaten geboren sei. Das Comité verbürgt sich für alle Bedingungen des Gelingens, die irgend mit Geld, Mühe und Sorgfalt erreicht werden können. Es wird für die strengste Ordnung und die genaueste Beobachtung des Anstandes Sorge getragen werden, wozu eine Specialpolizei von hundert Mann angestellt werden wird, die Jeden, der sich die geringste Verletzung des Anstandes zu Schulden kommen lassen sollte, zu verhaften Befehl hat, so daß keine Dame Bedenken zu tragen braucht, sich zu betheiligen. Hoffen wir, daß Kinder in möglichst großer Anzahl erscheinen werden, so daß wir eine herrliche Ausstellung von Knospen zu sehen hoffen, mit der keine Blumenausstellung concurriren mag. Wir werden das Unsrige thun; thue Jeder das Seine. – Das Lokal-Executiv-Comité: H. Vival, J. Paist, J. Kleinfelder (Deutscher), R. Masow, G. H. Frey (Deutscher), E. B. Cassilly, B. H. Warder. –“

So hatten sich denn zum Jahrmarkt in Springfield im großen Zelte am 5. Oktober 120 tüchtige Schreihälse eingefunden, Knospen von Ohio, Pennsylvania, Luisiana, Massachussets und Indiana. Zwölf Frauen und zwölf Herren saßen zu Gericht, als man die übliche Vieh-Prüfung und die Ackerbauwerkzeug-Concurrenz (Wettpflügen u. s. w. – die olympischen Spiele Amerika’s, Stellvertreter der Paraden in der alten Welt) vollendet und mit Preisen gekrönt hatte. Das ungeheuere Zelt war übervoll und 120 Knospen bemühten sich, das Publikum durch ein sehr naives Vocal-Concert zu unterhalten, wozu die Mütter pischten und huschten, damit die Knospen den Preis nicht verschrieen. Den ersten Preis erhielt die zehn Monat alte Tochter eines William Rower aus dem Clark-Kreise (blieb also im Kreise) – ein Silber-Service; den zweiten, eine silberne Schüssel, der Sohn von M. M’Dovell aus Hamilton, den dritten, eine einfache silberne Schüssel, die Tochter eines Mr. Cann aus Philadelphia. Nach diesem Urtheilsspruche mit Preisvertheilung entstand ein ungeheurer Jubel, aber nur auf kurze Zeit, da das Volksurtheil im Widerspruche mit den Richterinnen die Tochter eines Mr. Howe aus Cincinnati allgemein für die schönste „Baby“ erklärt hatte. Ein Herr Graff beschenkte, dem Volksurtheile huldigend, die Schönste mit einem silbernen Krucifixe, einem vermeintlich frommen, aber wirklich sehr gottlosen Spielzeuge. Nach diesem Kinderfeste kam das Damenwettrennen, d. h. Prüfung der Damen in ihrer Reitkunst. Der erste Preis bestand aus Sattel, Zaum und Peitsche, der zweite einem silbernen Becher, der dritte silbernen Sporen. – Lächerlich für uns, nicht wahr? Aber in Amerika strebt man ernstlich nach Kräftigung des schönen und Veredlung des aufwachsenden Geschlechts. In Turn-, Kraft- und Geschicklichkeitsfesten kräftigen sich Jünglinge, so daß alle Elemente zusammenstreben, der Verweichlichung anderer Civilisation entgegen zu wirken.