Leben, Literatur und Kunst (Wünschelruthe Nro. 13)

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Autor: Unbekannt
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Titel: Leben, Literatur und Kunst
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 13, S. 51/52.
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Scans auf Commons
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Leben, Literatur und Kunst.

Thierischer Magnetismus. In Baiern ist nun auch verordnet - unterm 24. Novbr. v. J. - daß magnetische Curen ausschließlich nur den (gesetzlich approbirten) Aerzten gestattet seyn sollen, in Betracht, sagen die Zeitungen, daß durch Unkundige und Unberechtigte häufiger Mißbrauch mit Anwendung des thierischen Magnetismus bei Kranken gemacht, dabei nicht selten der sittliche Anstand verletzt wird. - Anderer Orten steht man eben im Begriff, wie dorten, Preußens Beispiele hierin zu folgen, und so wird wohl diese Verfügung mit der Verbreitung der Sache selbst in Deutschland gleichen Schritt halten, und zugleich von dieser Zeugniß geben. - Wie das Umsichgreifen als thierischer Magnetismus gemeinter und der begleitenden Erscheinungen eine Gegenwirkung überall zum Bedürfniß macht, wäre in seinen Details eine Betrachtung von recht vielseitiger Lebendigkeit; Freunde und Feinde können daran, diese ihren Unglauben, jene den eignen Beruf und die Einsicht, auch den so unbedingt vorausgesetzten Nutzen, prüfen. Dabei heißt’s nun auch, die Augen helle aufgethan nach allen solchen, Gegenwirkung beabsichtigenden, Versuchen, in wie fern ihnen mehr oder weniger [52] klares Bewußtsein zum Grunde liegt, in wie fern es ihnen gelingt, die menschlich natürliche Scheu vor einer „Stufe des Daseins, wo die Eigenschaften Gut und Böse dem ewigen Theil des Menschen unmittelbar nahe kommen können“ in Anspruch zu nehmen und zu beleben, und damit die Herrschaft einer bewahrenden Sitte herbeizuführen. - Denn an und für sich vermag das Verbot etwa nur die rohesten Hände abzuwehren, aber das müssen ihm selbst die Spiritualisten, die sonst ihre eigenen Gedanken dabei haben mögen, verdanken. - Frankreich geht noch immer einen andern Weg. 1784 strich die medicinische Facultät zu Paris jeden Arzt, der den Magnetismus anwendete, aus ihrer Liste; (so meint sie es denn freilich nicht mehr!) wieder hat die vor 2 Jahren dort gestiftete Gesellschaft des th. M. den Marschall Pupsegue an der Spitze und die daselbst dieser Lehre eigends gewidmete Zeitschrift wird von Nichtärzten herausgegeben, enthält auch bloß Mittheilungen - und die bedeutendsten - von solchen, ohne daß irgend eine Vorsicht der Behörde bekannt worden wäre. England und Italien sind von unserer Sorge noch viel weniger beunruhigt, ja fast ohne Theilnahme. Rußland weiß schon mehr zu erzählen, eben so Schweden und Dänemark, und wir sehen den von ihrer Thatigleit im Archiv verheißenen Nachrichten entgegen. - -

In Cölln hat sich zu St. Marien im Kapitel ein großes Bild von Abrecht Dürer gefunden, welches bisher in einem Winkel der Kirche ganz mit Staub bedeckt in der Vergesessenheit lag, und nun, sobald es vollständig gereinigt und hergestellt seyn wird, über einem Altare der alten herrlichen Kirche einen würdigen Platz finden soll. Es ist auf beiden Seiten gemalt; die eine stellt den den Tod der Maria in Gegenwart aller Apostel vor, und ist reich an vortrefflichen Köpfen voll sprechenden Ausdrucks; auf der andern sind die Apostel abgebildet, wie sie sich trennen um der Welt das Evangelium zu verkünden. Diese Vorstellung ist besonders gemüthvoll aufgefaßt, und mit ächt deutschem Sinne und der schönen dem Dürer eignen Symbolik dargestellt. Die Jünger sind um einen Brunnen versammelt gewesen; einige sitzen noch daran, einer stärkt sich noch durch einen Trunk aus dem Quell von dem sie in die Welt ausgehen, andere bereiten sich zur Reise, mehrere sind schon weiter entfernt und reichen sich dort noch einmal die Hand zum Abschiede, die übrigen gehen in der Ferne einzeln ihre Straße, von ihnen knieet einer am Wege, sich durch Gebet stärkend. - Beide Bilder haben alle Vorzüge ihres preiswürdigen Meisters. Wir freuen uns mit den Einwohnern von Cölln, daß sie nun auch ein Werk des großen Dürer neben so vielen Schätzen der niederdeutschen Kunst ausweisen können. - -

Das neue Hoftheater in München soll im nächsten Herbste mit Schauspielen aus der Baierischen Geschichte eröffnet werden. Alle deutsche Dichter sind eingeladen, um die für solche dramatische Werke ausgesetzten Preise zu werben.

Der Maler Menken, der Vater, in Bremen, kürzlich von Jena zum Dr. der Philosophie ernannt, beschäftigt sich seit lange mit Zeichnungen zum Reinecke Fuchs und briefwechselt deßhalb mit Göthe.

Tischbein in Eutin hat viele höchst eigenthümlich geistreiche Skizzen zu einem Eselsromane gearbeitet, dem er seine Ansichten von Leben und Kunst einweben will. - -

A. W. Schlegel soll als Lehrer an die neue Hochschule in Rheinpreußen kommen. Er, Arndt und Görres, ein herrlicher Lehrerverein für die Geschichte, in dem sie sich so recht in allen ihren Elementen vertreten sähe! - -

In der neuen Stadt Proscripolis der franz. Auswanderer in Nordamerika war der erste Grundstein, der gelegt worden, zu einem Comoedienhause. Das Stadthaus soll Hotel Napoleon heißen. - -

Der Herr v. Kotzebue ist vom Kaiser von China zum Fahnenjunker der gesunden Vernunft angestellt worden, und er hat seine Werbfahne von Löschpapier aufgesteckt, wie die Wirthe, wenn frisches Klebebier angekommen, dasselbe Stroh aushängen, aus dessen Frucht jenes gebrauet. Es ist zwar bis jetzt noch nicht bekannt gewesen, daß die Landsknechte der gesunden Vernunft wie die pauvers honteux in solchen Nöthen gesteckt, daß sie hätten betteln mögen, wenn sie sich dessen nicht geschämt, und daß sie also jetzt nichts eiligeres zu thun haben, als ihren letzten Mantel der Liebe zu verkaufen und sich bey Hrn. v. K. zu Chinesischen Soldaten anwerben zu lassen; ja wir können so gar im Gegentheil von hoher Hand versichern, daß diese Leute in viel zu wohlhäbigen Umständen sind, als daß sie sollten nöthig haben eine Charge bei H. v. Kotzebue anzunehmen. Da er aber ein solch Geschrei über seine Progressen erhoben, ist es auch zu den Ohren des großen Mogul gerathen, der hat sich so schändlich darüber gefreuet, daß er durch den Hrn. v. Schelmufsky, der eben wieder von neuen Reisen retour gekommen, ihm eine lange Gnadenkette mit des Moguls Bildniß von feinster Platina geschickt; o sappermente wie läßt ihm die so ungemein propre und was sieht er deßhalb so sehr weitläufig in die Welt hinein, daß alle Leute auch gleich stehen bleiben in großer Verwunderung und unter einander zischeln, wie daß dieß nehmlich die vornehme Standesperson sei, der etwas rechts hinter den Ohren stecke, und die nächstens alle kranke Unvernünftige vielleicht ’mal todt schlagen würde.