Liebig’sches Fleischextract

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Textdaten
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Autor: Dr. M. Rothe.
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Titel: Liebig’sches Fleischextract
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 607
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[607] Liebig’sches Fleischextract. Dieses Präparat ist, nach Angaben Liebig’s bereitet, ein kalter, wässriger Auszug des von seinem Fette möglichst befreiten Ochsenfleisches, der, um das Eiweiß auszuscheiden, schnell erwärmt und hierauf vorsichtig zur Dicke eines gewöhnlichen Breies eingedampft wird. So erhalten, stellt es eine bräunliche Masse dar, die angenehm nach Braten riecht und schmeckt und sich jahrelang unverändert aufbewahren läßt. Die geringe Ausbeute, ungefähr 1/10 des verwendeten Fleisches, machte bei unseren hohen Fleischpreisen das Extract so theuer, daß es nur in seltenen Fällen angewendet werden konnte und von einer allgemeineren Verbreitung, besonders als Nahrungsmittel, gänzlich abgesehen werden mußte.

Die Industrie hat sich in neuerer Zeit auch dieses Artikels bemächtigt, und ein Herr Gilbert, der unter Leitung der Professoren v. Liebig und Pettenkofer in München die Bereitung praktisch erlernte, hat jetzt in Uruguay in Südamerika, wo das Fleisch als werthlos bei Seite geworfen und die Thiere nur ihrer Felle wegen geschlachtet werden, eine große Fabrik zur Ausbeute dieses Artikels errichtet, aus welcher er sein Fabrikat regelmäßig nach München sendet, von wo es durch die Professoren v. Liebig und Pettenkofer unentgeltlich untersucht und unter der Bedingung weiter versendet wird, daß der Preis nur den dritten Theil von dem bei uns bisher bereiteten Extracte beträgt.

Kaum fängt nun das billigere Fleischextract an, sich allgemeineren Eingang zu verschaffen, so bemächtigt sich auch schon die Marktschreierei dieses Artikels und ein Herr Dr. Meyer-Berk aus Frankfurt empfiehlt einen Fleischextract-Syrup, der natürlich gegen nicht weniger als alle Krankheiten helfen soll, aber mit dem Liebig’schen Präparate nichts als einen Theil des Namens gemein hat. In der langen Reclame läßt Herr Meyer-Berk seinen Syrup durch einen Herrn Dr. Gautier St. Martin in Paris chemisch untersuchen und empfehlen. Herr Dr. Gautier hebt nun als besondere Empfehlung den Umstand hervor, daß dies Präparat sehr viel Eiweiß enthalte; allein jede Hausfrau weiß, daß sich Eiweiß nur getrocknet und gepulvert unverändert aufbewahren läßt, aber in flüssigem oder nur feuchtem Zustande nicht nur selbst schnell zersetzt und den bekannten Geruch nach faulen Eiern entwickelt, sondern zugleich zersetzend auf verschiedene andere Körper einwirkt. Dr. Gautier’s Anpreisung ist entweder nichts, als ein gewöhnlicher Schwindel, oder zeigt von einer so gänzlichen Unkenntniß chemischer Vorgänge, daß es nur des Hinweises darauf bedarf, um das Publicum vor diesen Anpreisungen zu schützen.

Leipzig.
Dr. M. Rothe.