Lindheimer

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Textdaten
Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Lindheimer
Untertitel:
aus: Aus dem Nachlaß hrsg. von Walter P. H. Scheffler
Herausgeber: Walter P. H. Scheffler
Auflage:
Entstehungsdatum: 4. September 1811
Erscheinungsdatum: 1963
Verlag: J. F. Steinkopf
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Ludwig Uhland: Dichtungen. Briefe, Reden. Eine Auswahl, hrsg. von Walter P. H. Scheffler, Stuttgart 1963, S. 129f. Scan auf Commons
Kurzbeschreibung: Sagenballade nach einem Hinweis von Justinus Kerner
Siehe auch Sagenpoesie
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Lindheimer


4. September 1811

Lindheimer liegt gefangen
Im tiefen Turme dort,
Soll auf dem Rad empfangen
Den Lohn für Raub und Mord.

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„Es liegt mir auf dem Herzen

Ein Stein, viel Zentner schwer,
Er brennt mit Höllenschmerzen
Und trieft von Blute sehr.

Er drückt mich noch hinunter

10
Zum tiefsten Höllengrund;

Hätt’ ich den Stein herunter,
Ich würde noch gesund.“

Lindheimer hat gebeten,
Daß man ihn führ’ hinaus;

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Man führet ihn in Ketten

In schwarzer Wälder Graus.

Allwo der Stein gelegen,
Im Boden eingesenkt,
Viel Zentner mag er wägen

20
Und ist mit Blut getränkt.


Lindheimer will nicht rasten,
Bis er den Stein ausgräbt,
Den Stein von großen Lasten
Er auf die Schulter hebt.

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Trägt ihn von freien Stücken

Den steilen Berg hinan,
Es kracht ihm Knie und Rücken,
Kaum daß er atmen kann.

Lindheimer ohn’ Ermatten

30
Den Stein zum Gipfel trägt,

Zu einem Kirchlein hatten
Sie dort den Grund gelegt.

Den Stein, den er getragen,
Den wirft er auf den Grund,

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Daß man in allen Tagen

Kein’ bessern Eckstein fund.

„Der Stein ist mir vom Herzen,
Er liegt in Gottes Gnad’.
Nun acht’ ich keiner Schmerzen,

40
Nun legt mich auf das Rad!“


Am Kirchlein unsrer Frauen
Der Stein noch heute steht,
Lindheimer drein gehauen,
Wie er belastet geht.