MKL1888:Ölfarbendruck

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Ölfarbendruck“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 12 (1888), Seite 372373
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Ölfarbendruck. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 12, Seite 372–373. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:%C3%96lfarbendruck (Version vom 19.04.2021)

[372] Ölfarbendruck (Ölgemäldedruck) ist eine Anwendung der Chromolithographie, des Buntdrucks zur Nachbildung von Ölgemälden. Es sind hierbei zwei Reihen von Manipulationen zu unterscheiden: diejenigen, welche dem gewöhnlichen Buntdruck in jeder Gestalt und Anwendung eigen sind, und diejenigen, welche mit Rücksicht auf die möglichst täuschende Nachahmung der äußern Erscheinung der Ölgemälde hinzugefügt werden. Der künstlerische Wert der Erzeugnisse ist fast nur von der Ausführung der erstern abhängig, während die letztern wesentlich nur eine größere Täuschung bezwecken. Erste Reihe der Manipulationen: Von dem zu vervielfältigenden Gemälde wird eine möglichst genaue Zeichnung, sei es in Originalgröße, sei es in beliebiger Verkleinerung, hergestellt und diese auf einen lithographischen Stein übertragen. Mit Hilfe dieser „Konturplatte“ kann eine beliebige Anzahl vollkommen genau übereinstimmender Wiederholungen der Zeichnung erzeugt werden. In den Ecken sind durch Kreuze Punkte bezeichnet, mit Hilfe deren später beim Drucken die genaue Übereinanderlagerung der verschiedenen Farbenschichten erreicht werden kann. Auf den verschiedenen Steinen werden nun diejenigen [373] Teile des Bildes (in Kornmanier) ausgeführt, welche je in Einer Farbe erscheinen sollen, dergestalt, daß zunächst möglichst große Flächen mit einer gemeinsamen Grundfarbe angelegt werden, dann sich die Lokalfarben gegeneinander absetzen, ferner die Tönung und Modellierung hinzugebracht wird, endlich die letzten Retouchen aufgesetzt werden. Die künstlerische Vollendung des Ergebnisses ist davon abhängig, daß man sich dem Endresultat ohne Übereilung nähert, also mit den spätern Platten einzeln nicht zu viel zu erreichen sucht, lieber ein paar Platten mehr in Anwendung bringt. Namentlich können die Retoucheplatten die künstlerische Feinheit außerordentlich steigern, wenn sie in nicht zu geringer Zahl geschickt und sauber vorbereitet werden. Um tadellose Abdrücke zu erzielen, ist erforderlich, daß alle Drucke haarscharf genau aufeinander fallen, und daß alle Platten in bestimmter Reihenfolge und mit einer stets ganz gleichen Farbe abgedruckt werden. Man pflegt zur leichtern Kontrolle jeder Platte ein kleines Randstückchen zuzufügen, so daß sämtliche Platten Proben der mit ihnen aufgetragenen Töne an der Bildkante entlang nebeneinander hinterlassen. Selbst zu scheinbar sehr einfachen Öldrucken werden nicht leicht unter 30 Steine benutzt; in Fällen, wo höchste künstlerische Vollendung erzielt werden soll, kann sich die Anzahl bis aufs Doppelte steigern. Zweite Reihe der Manipulationen: Das zu den Öldrucken bestimmte Papier wird zwischen Platten gepreßt, welche demselben das „Korn“ der Malerleinwand geben, wodurch die fertigen Drucke das Ansehen von Gemälden auf Leinwand bekommen. Auch werden der von Natur gleichmäßig glatten Oberfläche des Abdrucks die sichtbaren Spuren aufgeprägt, welche die Pinseltechnik hinterläßt: man macht größere, im Original dick und unvermalt aufgetragene Farbenflecke streifig, wie sie durch die Haare des Pinsels werden; auch setzt man mittels besonderer vertiefter Platten hier und da kleine Häufchen von Farbe auf, um den „pastosen“ Farbenauftrag vieler Künstler nachzuahmen. Der Ö. hat von Anfang an mit dem Vorurteil der Kunstkenner zu kämpfen gehabt, die sich ablehnend gegen ihn verhielten. So hat er sich an das große Publikum wenden müssen, wobei er sich, um den Ansprüchen an Wohlfeilheit zu genügen, technisch vernachlässigte. Die Folge war, daß er sich auf Fabrikarbeit beschränken mußte, und daß auch neuerdings keine Versuche mehr zur künstlerischen Veredelung desselben gemacht worden sind. Einen künstlerischen Ersatz für den Ö. bietet das Farbenlichtdruckverfahren von Troitzsch in Berlin, welchem die Photographie zu Grunde liegt, und in dem die amtlichen Publikationen der Berliner Nationalgalerie für die „Vereinigung der Kunstfreunde“ hergestellt werden. Über Aquarellfarbendruck s. Lithographie.