MKL1888:Albert

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Albert“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 288291
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Albert. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 288–291. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Albert (Version vom 14.04.2021)

[288] Albert, 1) ansehnlicher Fluß im nördlichen Queensland in Australien, welcher sich in den Golf von Carpentaria ergießt. Stokes entdeckte seine Mündung 1841 und ging bis zu den Plains of Promise hinauf. In seinem obern Teil heißt er Gregory, welchen Namen er auch nach seiner Gabelung für seinen linken Zweig beibehält, bis sich derselbe mit dem von W. kommenden Nicholson vereinigt, dessen Namen er bis zur Mündung in das Pasco Inlet trägt. Der rechte Zweig heißt zuerst Barkly River, dann A. Der letztere sowie der Nicholson wurden 1856 von Gregory, der Gregoryfluß 1861 von Landsborough erforscht. – 2) (spr. albähr) Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Péronne, an der Ancre und der Eisenbahn von Amiens nach Arras, mit lebhafter Industrie, namentlich Baumwollspinnereien und -Webereien, Zucker-, Papier- und Maschinenfabriken, und (1876) 4414 Einw.

Albert (s. v. w. Adalbert oder Albrecht, lat. Albertus):

1) A. der Große (Albertus Magnus), Graf von Bollstädt, geb. 1193 zu Lauingen in Schwaben, studierte zu Padua, trat dann in den Dominikanerorden und lehrte in verschiedenen Klöstern zu Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg, seit 1230 zu Paris, wo er eine Zeitlang auch an der Universität den theologischen Lehrstuhl innehatte, ward 1254 Provinzial seines Ordens in Deutschland, 1260 Bischof zu Regensburg, legte 1262 diese Würde nieder und widmete sich in Köln ausschließlich den Wissenschaften. Er starb 15. Nov. 1280. In Lauingen wurde ihm 1880 ein Denkmal errichtet. Wegen seiner umfassenden Gelehrsamkeit ward er Doctor universalis genannt. Das Staunen seiner Zeitgenossen über den Umfang seines Wissens, namentlich auch in der Chemie, Physik und Mechanik, spricht sich in den wunderbarsten Sagen aus, die A. zum Zauberer und Vertreter der Magie machen. Wie er in seinen naturwissenschaftlichen Werken meist nur die in den Schriften des Aristoteles und in den byzantinischen, jüdischen und arabischen Kommentaren niedergelegten Forschungen sammelte und zusammenstellte, so zeigen auch seine philosophisch-theologischen Werke ihn völlig von Aristoteles beherrscht, dessen entscheidende Bedeutung für lange Zeit von ihm begründet wurde. In der Botanik trat er auch als selbständiger Forscher auf. Seine Schriften wurden herausgegeben von Jammy (Lyon 1651, 21 Bde.). Sein „Compendium theologicae veritatis“ (zuerst Nürnb. 1473) war im 15. und 16. Jahrh. in zahllosen Drucken verbreitet, ebenso seine apokryphen Schriften: „Liber secretorum Alberti Magni de virtutibus herbarum“ (deutsch, Reutling. 1871) und „De secretis mulierum et virorum“; eine kritische Ausgabe des 18. Kapitels der „Historia naturalis“ besorgten neuerdings E. Meyer und Jessen („De vegetabilibus libri VII“, Berl. 1867). Vgl. Sieghart, Albertus Magnus (Regensb. 1857); Joel, Verhältnis Alberts d. Gr. zu Maimonides (Bresl. 1863); Octave d’Assailly, A. le Grand (Par. 1870); Bach, Des Albertus Magnus Verhältnis zu der Erkenntnislehre der Griechen (Wien 1881).

2) A. I. (Albrecht), 18. Erzbischof von Magdeburg, aus dem thüringischen Grafengeschlecht Käfernburg, ward in Paris und Bologna gebildet, schon 1200 durch die Gunst Innocenz’ III. Dompropst zu Magdeburg und 1205, nachdem er sich König Philipp angeschlossen, durch die staufische Partei zum Erzbischof von Magdeburg erwählt und 1206 vom Papst geweiht. Der Neubau des am 20. April 1207 durch Feuer zerstörten Doms ist sein Hauptwerk. Nach Philipps von Schwaben Ermordung half A. Otto IV. zur Anerkennung in ganz Deutschland und begleitete denselben 1209 nach Italien. Als aber 1210 Otto der Bann traf, mußte ihn A. trotz allen Sträubens in Deutschland verkündigen, worauf er 1212 die Wahl des Staufen Friedrich II. zum König betrieb. Deshalb traf A. die Acht und sein Gebiet jahrelange Verwüstung durch die Welfen. Nach wiederhergestellter Ruhe nahm A. die durch den Krieg heimatlos gewordenen Einwohner in die feste Neustadt und mit dieser in den Stadtverband auf. Eine Fehde mit den Markgrafen von Brandenburg, Johann und Otto, [289] focht er tapfer durch. Im J. 1222 folgte er dem Kaiser Friedrich II. nach Italien und ward zum Grafen der Romagna und zum Stellvertreter des Kaisers in Oberitalien ernannt. Er brachte fortan einen großen Teil seines Lebens in Italien zu und bemühte sich besonders um Aufrechterhaltung des Friedens zwischen dem Kaiser und dem Papst. Er starb 15. Okt. 1232.

3) Bischof von Riga, Begründer der deutschen Kolonie Livland, aus dem bremischen Rittergeschlecht der Appeldern gebürtig, war Domherr in Bremen, als er 1199 zum Bischof von Livland erhoben wurde. Er führte 1200 ein stattliches Pilgerheer auf 23 Schiffen nach der Mündung der Düna, wo er 1201 die Stadt Riga gründete. Unermüdlich war er nun darauf bedacht, durch neue Pilgerscharen aus Norddeutschland, für die er vom Papst Innocenz III. den völligen Sündenerlaß erwirkte, die Kolonie zu stärken und auszubreiten und die Eingebornen zum Christentum zu bekehren. Dreizehnmal unternahm er die Reise nach Deutschland, von wo er sich mehrere Male nach Italien begab, und zurück nach Livland, das er bis 1207 dem Christentum und dem deutschen Volk eroberte und 1. April 1207 von Kaiser Philipp als Lehen des Deutschen Reichs empfing. Auch Semgallen eroberte er und errichtete hier ein Bistum. Über Esthland geriet er erst mit dem inzwischen gegründeten Orden der Ritterschaft Christi, dann mit dem König Waldemar von Dänemark in einen langen Streit. Doch glückte es ihm endlich 1224, auch dies Land unter seine Botmäßigkeit zu bringen und seinen Bruder Hermann zum Bischof daselbst zu ernennen. Im J. 1225 erhob ihn Kaiser Friedrich II. zum Fürsten, sein Bistum zur Mark des Reichs; Papst Honorius III. gewährte ihm völlige Freiheit von jedem Metropolitanverband. A. starb 17. Jan. 1229 in Riga.

4) König von Sachsen, Sohn des Königs Johann, geb. 23. April 1828, ward unter der speziellen Leitung des Geheimrats v. Langenn erzogen und studierte seit 1845 in Bonn Rechts- und Staatswissenschaften. In die Heimat zurückgekehrt, betrat der Prinz die militärische Laufbahn, nahm 1849 als Hauptmann an dem Feldzug in Schleswig teil, erhielt 1851 als Oberst und bald als Generalmajor die Führung einer Infanteriebrigade, einige Jahre später die einer Division und wurde dann Kommandeur der gesamten Infanterie. Im Feldzug von 1866 befehligte er die ganze sächsische Armee, die anfangs dem 1. österreichischen Armeekorps (Clam-Gallas) zugeteilt war. Mit diesem zusammen kämpfte er bei Münchengrätz und Gitschin. In der Schlacht bei Königgrätz stand er auf dem linken Flügel der österreichischen Aufstellung und verteidigte Problus in sehr energischer Weise gegen die Elbarmee. Bei der Gründung des Norddeutschen Bundes trat er als kommandierender General des 12. (sächsischen) Armeekorps in das Bundesheer ein. Unter seiner Führung nahm dasselbe im Kriege gegen Frankreich 1870 zuerst entscheidenden Anteil an der Schlacht bei Gravelotte (18. Aug.), indem es im Verein mit der preußischen Garde auf dem äußersten linken Flügel der deutschen Armee die starken Positionen der Franzosen in Marie aux Chènes und St.-Privat im Sturm nahm. Hierauf wurde ihm der Oberbefehl über die aus dem Gardekorps, dem sächsischen und 4. Armeekorps gebildete vierte (oder Maas-) Armee übertragen, welche, auf dem Marsch von Metz nach Châlons begriffen, im Verein mit der dritten Armee den berühmten Flankenmarsch ausführte, bei Nouart und Beaumont Mac Mahons Armee zurückwarf und den Sieg bei Sedan erfechten half. Schließlich beteiligte sich der Kronprinz mit seiner Armee an der Zernierung von Paris und nahm durch einen energisch ausgeführten Artillerieangriff den Mont Avron. Nach dem Krieg wurde er zum Generalfeldmarschall und zum Generalinspekteur der ersten Armeeinspektion ernannt. Er folgte 29. Okt. 1873 seinem Vater auf dem Thron. Seit 1853 ist er mit der Prinzessin Carola (geb. 1833), Tochter des Prinzen Gustav von Wasa und der Prinzessin Luise von Baden, vermählt. Die Ehe ist kinderlos.

5) A. (Albrecht) Kasimir, Herzog von Sachsen-Teschen, Sohn des Königs August III. von Polen, geb. 11. Juli 1738 zu Moritzburg bei Dresden, trat 1759 als Freiwilliger in die österreichische Armee und wurde 1760 Generalleutnant. Durch seine Vermählung (1766) mit der Erzherzogin Christine, der Tochter Kaiser Franz’ I., Oberstatthalterin der österreichischen Niederlande, erhielt er als Mitgift das Fürstentum Teschen in Österreichisch-Schlesien. Er bekleidete 1765–80 die Gubernatur Ungarns und 1780–90 gemeinschaftlich mit seiner Gattin die Generalstatthalterschaft der Niederlande, obschon thatsächlich schon 19. Juli 1787 das Statthalterpaar angesichts der niederländischen Bewegung Brüssel verlassen hatte. Nach der bewaffneten Pazifikation des aufständischen Landes kehrte A. wieder nach Brüssel zurück. Im Krieg mit Frankreich kommandierte er 1792 das Belagerungsheer vor Lille, mußte jedoch die Belagerung aufheben und, bei Jemappes geschlagen, Belgien räumen. Im J. 1794 als Reichsfeldmarschall gemeinsam mit den Preußen unter Möllendorf operierend, verließ er 25. Mai 1795 die Armee und lebte seitdem am Wiener Hof, wo er 11. Febr. 1822 starb. Seiner Gemahlin, die ihm schon 1798 im Tod voranging, verdankt die Wiener Vorstadt Mariahilf eine prächtige Wasserleitung. Er selbst verwendete große Summen auf seine besonders an Handzeichnungen berühmter Meister (Dürer, Raffael, Rubens) und Kupferstichen reiche Kunstsammlung, Albertina genannt, die an den Erzherzog Karl und nach dessen Tod an den Erzherzog Albrecht überging. Daraus veröffentlichte Förster „Lithographische Kopien von Originalhandzeichnungen berühmter alter Meister aus der Sammlung des Erzherzogs Karl“ (Wien 1830–42), Photographien Jägermeyer („Albrecht-Galerie“, das. 1863–66) und A. Braun in Dornach. Vgl. A. Wolf, Erzherzogin Christine (Wien 1863); v. Vivenot, Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen als Reichsfeldmarschall (das. 1864–66, 2 Bde.).

6) A. Franz August Karl Emanuel, Prinz von Sachsen-Koburg-Gotha, Gemahl der Königin Viktoria von Großbritannien, zweiter Sohn des Herzogs Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha und dessen erster Gemahlin, Dorothea Luise von Sachsen-Gotha, geb. 26. Aug. 1819 im Schloß Rosenau bei Koburg, widmete sich, sorgfältig vorbereitet, seit 1837 zu Bonn mit Vorliebe staatswissenschaftlichen und geschichtlichen Studien. Im Juni 1838 wohnte er mit seinem Vater und seinem Bruder in London der Krönung der damals 18jährigen Königin Viktoria bei, welchen Besuch er im Herbst 1839 wiederholte. Am 23. Nov. d. J. erklärte die Königin ihrem Geheimen Rat ihren Entschluß, dem Prinzen ihre Hand zu reichen, und 10. Febr. 1840 ward die Vermählung in London gefeiert. Der Prinz ward naturalisiert und erhielt durch Parlamentsbeschluß ein Jahreseinkommen von 30,000 Pfd. Sterl., wurde Ritter des Hosenbandordens, Großmeister des Bathordens, Feldmarschall, Kanzler der Universität Cambridge, Oberhofmeister des Herzogtums Cornwallis, Lord-Aufseher der Zinngruben, Großforstmeister der Parke von [290] St. James, Hyde und Windsor etc. und erhielt 1857 den Titel „Consort of Her most gracious Majesty“. Er trat in den Geheimen Rat ein und wohnte den Audienzen bei, welche die Königin den Ministern gab. Er nahm von allen vertraulichen Staatsschriften Kenntnis und wurde geradezu als Eine Person mit der Königin betrachtet. Den 1850 von Wellington gemachten Vorschlag, A. solle sein Nachfolger im Oberbefehl über das Heer werden, lehnte er ab, um nicht seine Stellung als vertrauter Ratgeber der Königin in allen Staatsangelegenheiten durch zu ausschließliche Beschäftigung mit einem Geschäftszweig zu gefährden, wirkte jedoch nach dem Tod Wellingtons bei den dringenden Reformen im Militärwesen mit. Vorübergehend wurde wohl seine Einmischung heftig angegriffen, namentlich 1854, wo man ihn russischer Sympathien beschuldigte – ganz mit Unrecht, wie sich bald zeigte. Überhaupt vermied er es, öffentlich und direkt seinen Einfluß auf die Staatsgeschäfte geltend zu machen, wiewohl er, seiner Stellung und seinen hohen geistigen und moralischen Gaben entsprechend, in der Stille als der vertrauteste Rat der Königin einen höchst bedeutenden und segensreichen Einfluß geübt hat. Allgemein anerkannt wurde seine Thätigkeit auf dem von ihm besonders gepflegten Gebiet der Wissenschaften und Künste. Seit 1847 Kanzler der Universität Cambridge, hob er dieselbe sehr und ließ namentlich der Geschichte, den neuern Sprachen und den schönen Künsten größere Berücksichtigung zu teil werden. Von ihm rührte der Plan zu einer Weltindustrieausstellung in London her. Jedes gemeinnützige Unternehmen fand bei ihm eifrige Förderung, und er war als Protektor zahlreicher Anstalten der Wohlthätigkeit und Humanität unermüdlich thätig: so nahm er besonders die freien Armenschulen (ragged schools) und Besserungsanstalten für jugendliche Verbrecher unter seinen Schutz, sorgte für die Wohnungen der ärmern Klassen, gab der industriellen Entwickelung eine mächtige Anregung und trug viel zur Hebung des Ackerbaus und der Viehzucht bei, indem er durch seine Musterfarm im Windsorpark zeigte, zu wie hohen Ergebnissen auch hier eine rationelle Behandlung zu führen vermöge. So gelang es ihm mit der Zeit, alle gegen ihn als Ausländer anfänglich gehegten Vorurteile zum Schweigen zu bringen und große Popularität zu erlangen. Sein 14. Dez. 1861 infolge eines typhösen Fiebers erfolgter plötzlicher Tod erregte daher die allgemeinste und tiefste Trauer. Namentlich war die königliche Witwe untröstlich, und lange Zeit hielt sie sich, soweit nicht unabweisbare Regentenpflichten es erheischten, von der Öffentlichkeit fern. Zahlreiche Monumente, dem Andenken des Prinzen geweihte Institute etc. bringen seinen Namen auf die Nachwelt. Seine Reden erschienen in „Addresses delivered on different public occasions by H. R. H. Prince A.“ (Lond. 1857) und „The principal speeches and addresses of H. R. H. the Prince Consort“ (mit Notizen der Königin, das. 1862; deutsch, Brem. 1863). Vgl. Gen. Grey, The early years of the Prince Consort (auf Veranlassung der Königin, 4. Aufl. 1869; deutsch, Gotha 1868); Pauli, Aufsätze zur englischen Geschichte (Leipz. 1869), und vor allem das von der Königin veranlaßte Werk von Martin: „Life of H. R. H. the Prince Consort“ (Lond. 1876–79, 5 Bde.; deutsch, Gotha. 1876 ff.), sowie die interessanten Aufzeichnungen der Königin: „Leaves from the journal of our life in the Highlands“ (hrsg. von Helps, Lond. 1868).

7) A. Eduard, Prinz von Wales, Herzog zu Sachsen, Herzog von Cornwall etc., geb. 9. Nov. 1841 zu London, ältester Sohn des Prinzen Albert und der Königin Viktoria von Großbritannien und Irland, ward sorgfältig erzogen, besuchte die Universitäten Oxford und Cambridge, machte 1860 eine Reise nach Amerika, 1862 nach dem Orient, vermählte sich 10. März 1863 mit der Prinzessin Alexandra von Dänemark, Tochter des jetzigen Königs Christian IX., welche ihm fünf Kinder (zwei Prinzen und drei Prinzessinnen) gebar. Er trat als Oberst in die Armee, in welcher er bis zum Feldmarschall avancierte, ohne indes einen mehr als vorübergehenden Anteil an den Heeresangelegenheiten zu nehmen. Im preußischen Heer hat er den Rang eines Generalfeldmarschalls und ist Chef der Blücherschen Husaren. 1875–76 machte er eine große Reise nach Indien, wo er mit vielem Enthusiasmus und unter glänzenden Festen empfangen wurde. Er residiert meist in Marlborough House zu London und in Frogmore bei Windsor.

Albert, 1) (Alberti) Heinrich, Liederdichter und Komponist, geb. 28. Juni 1604 zu Lobenstein im Vogtland, studierte in Leipzig die Rechte, dann Musik unter seinem Oheim Schütz in Dresden, ging 1626 nach Königsberg i. Pr., wo er 1631 Organist an der Domkirche wurde, und starb dort 6. Okt. 1651 (nicht 1668). Seine Gedichte, die er alle selbst in Musik gesetzt hat, sind zum größten Teil Kirchenlieder, von denen manche (z. B. „Gott des Himmels und der Erden“, „Zum Sterben ich bereitet bin“, „Einen guten Kampf hab’ ich“) noch jetzt im Gebrauch sind; seine wenig zahlreichen weltlichen Lieder zeichnen sich durch Innigkeit und Anmut aus. Dieselben erschienen (mit einigen seiner Freunde Dach und Roberthin) gesammelt in seinem berühmten „Poetisch-musikalischen Lustwäldlein“ (1642–48 u. öfter), eine Auswahl, mit den Musikbeilagen, in den „Neudrucken deutscher Litteraturwerke“ (hrsg. von Eitner, Halle 1883–84). Dem Einfluß des Musikers A. war vor allem die lyrische Frische und volkstümliche Leichtigkeit der Gedichte der Königsberger Poetengruppe des 17. Jahrh. zuzuschreiben.

2) Alexandre Martin, genannt A., franz. Sozialist, geb. 27. April 1815 zu Bury (Oise) als Sohn eines Bauern, war Mechaniker und arbeitete in Paris, wo er 1840 auch ein populäres Blatt, „L’Atelier“, gründete. An der Februarrevolution 1848 nahm er eifrigen Anteil und ward infolge seiner Bekanntschaft mit Louis Blanc als Vertreter des Arbeiterstands zum Mitglied der provisorischen Regierung ernannt, wurde mit diesem 4. März Präsident der Kommission für Errichtung von Nationalwerkstätten und im April in die Nationalversammlung gewählt. Wegen seiner Teilnahme am Attentat vom 15. Mai an demselben Tag mit Barbès auf dem Stadthaus verhaftet, wurde er zu längerer Gefangenschaft verurteilt und geriet in Vergessenheit. Während der Belagerung von Paris 1870 war er Mitglied der Barrikadenkommission und, nachdem er bei den Wahlen vom 8. Febr. 1871 durchgefallen war, bei dem Aufstand der Pariser Kommune beteiligt, ohne aber eine irgendwie hervorragende Rolle zu spielen.

3) Joseph, Photograph, geb. 5. März 1825 zu München, besuchte die polytechnische Schule, dann die Akademie daselbst, gründete 1850 ein photographisches Atelier in Augsburg, aus welchem treffliche Arbeiten besonders im Porträtfach hervorgingen, und siedelte 1858 nach München über. Er wandte die Photographie zuerst zu Vervielfältigung von Handzeichnungen und Kupferstichen an. Seine Hauptwerke sind die Goetheschen Frauengestalten nach Zeichnungen von Kaulbach, die Reformatoren und die Zerstörung [291] Jerusalems nach demselben, Schwinds Märchen von den sieben Raben, Rethels Hannibalzug u. a. Auch lieferte er photographische Nachbildungen von Werken der Münchener Pinakothek. Über die nach ihm benannte „Albertotypie“ vgl. Photographie.

4) Eugen d’, Pianist, geb. 10. April 1864 zu Glasgow als Sohn eines französischen Musikers und einer deutschen Mutter, erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, sodann vorübergehend von Ernst Pauer in London. Im J. 1880 „entdeckte“ ihn Hans Richter, nahm ihn als seinen Schüler mit nach Wien und schickte ihn bereits 1881 zu Liszt. Noch in demselben Jahr begann A. seine pianistische Ruhmeslaufbahn; er spielte mit sensationellen Erfolgen in Wien, Weimar, Berlin, wo ihn die Kritik einhellig als Tausig redivivus bezeichnete, Leipzig etc. Ein Klavierkonzert und eine fünfsätzige Suite eigner Komposition, welche er in seinen Konzerten zu Gehör brachte, erwecken auch Hoffnungen für den Komponisten d’A.


Ergänzungen und Nachträge
Band 17 (1890), Seite 19
korrigiert

[19] Albert, (1886) 5707 Einw.

Albert, 3) Joseph, Photograph, starb 5. Mai 1886 in München.

 5) Eduard, Chirurg, geboren im Januar 1841 zu Senftenberg in Böhmen, studierte zu Wien, promovierte 1867, wurde 1873 Professor der Chirurgie in Innsbruck, 1881 in Wien. Er arbeitete besonders über Diagnostik, Mechanik der Gelenke und operative Chirurgie und schrieb: „Beiträge zur Geschichte der Chirurgie“ (Wien 1878); „Lehrbuch der Chirurgie“ (3. Aufl., das. 1884–85, 4 Bde.); „Diagnostik der chirurgischen Krankheiten“ (4. Aufl., das. 1887); „Beiträge zur operativen Chirurgie“ (das. 1878–80, 2 Hefte).


Jahres-Supplement 1890–1891
Band 18 (1891), Seite 12
korrigiert

[12] Albert, 7) A. Eduard, Prinz von Wales. Vgl. Burdett, Prince, princess, and people (Lond. 1889).

Albert (spr. -bä́r), Paul, franz. Litterarhistoriker, geb. 14. Dez. 1827, besuchte das Lycée Louis le Grand und die Normalschule zu Paris, bekleidete dann Stellen an der Fakultät der Wissenschaften zu Poitiers und an der Normalschule zu Paris und wurde 1878 Professor der französischen Litteratur als Loménies Nachfolger am Collège de France. Er starb 21. Juni 1880. A. schrieb: „Saint Jean Chrysostome considéré comme orateur populaire“ (1858); „La Poésie“, Vorlesungen (1869, 8. Aufl. 1887), mit dem Gegenstück „La Prose“ (1870); „Histoire de la littérature romaine“ (1871, 2 Bde.); „La littérature française“ (1872–82, 5 Bde., wiederholt aufgelegt); „Poètes et poésies“ (1881); „Variétés morales et littéraires“ (1881). A. war auch fleißiger Mitarbeiter am „Temps“.


Jahres-Supplement 1891–1892
Band 19 (1892), Seite 13
korrigiert

[13] Albert, Prinz zu Sachsen-Altenburg, preuß. General, geb. 14. April 1843 zu München, Vetter des Herzogs Ernst von Sachsen-Altenburg, Sohn des Prinzen Eduard (1804–52), war 1861–65 Leutnant im 5. preußischen Ulanenregiment, trat sodann in russische Dienste und stieg bis zum General à la suite des Kaisers auf. Nachdem er aus dem russischen Dienst geschieden war und sich 6. Mai 1885 mit der Prinzessin Marie von Preußen, Witwe des Prinzen Heinrich der Niederlande, vermählt hatte, wurde er zum preußischen Generalmajor à la suite der Armee, 1889 zum Kommandeur der 3. Gardekavalleriebrigade ernannt und 1891 als Generalleutnant à la suite gestellt. Nach dem Tode der Prinzessin Marie (gest. 20 Juni 1888), die ihm zwei Töchter gebar, vermählte er sich 6. Dez. 1891 mit der Prinzessin Helene von Mecklenburg-Strelitz.