MKL1888:Alpen

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
394, 395, 396, 397, 398, 399, 400, 401, 402, 403

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Alpen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 1, S. 394. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Alpen&oldid=- (Version vom 29.02.2020)

Alpen (wahrscheinlich v. kelt. alp oder alb, s. v. w. „hoch, Berg“), Hochgebirge, welche, unähnlich gewöhnlichen Gebirgsketten, aus einzelnen Gebirgsstöcken (Gruppen) zusammengesetzt sind. Die einzelnen Berge sind durch sattelförmige Erhebungen (Cols) und schmale Rippen (Joche), oft auf langen Distanzen, zusammengeknüpft. Von bedeutender absoluter Höhe, steigen sie öfters über die Schneelinie empor und haben gemeiniglich eine breite Basis. Ihre Gehänge sind tief gefurcht, zerrissen, gezackt, mit schroffen, oft lotrecht abstürzenden, häufig sehr tiefen Schluchten. Die A. werden gewöhnlich nach dem Land benannt, in welchem sie liegen. Schlechthin führt den Namen A. das große Hochgebirge Zentraleuropas (bestehend aus den Schweizer, Savoyischen, Tiroler, Salzburger, Steirischen etc. A.). Außerdem sind zu nennen: die Siebenbürgischen, die Skandinavischen A. in Europa, die Abessinischen A. in Afrika, die Nordamerikanischen Seealpen etc.

Alpen (hierzu Karte „Höhenschichten der Alpen“). Der Name dieses mächtigen Hochgebirges im mittlern Europa, des höchsten dieses Erdteils und zugleich des vollkommensten und am besten entwickelten aller Hochgebirge der Erde, wurde schon von den Römern bei der Bevölkerung vorgefunden und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (alb, s. v. w. hoch). Die A. erstrecken sich vom untern Rhônethal gegen O. bis an die Ebenen Oberungarns und erscheinen, von N. wie von S. gesehen, schon aus der Ferne wie eine durch Höhe und Reichtum der Formen überwältigende Gebirgsmauer, auf dem größten Teil ihrer Länge von Hochgipfeln überragt, die mit ewigem Schnee bedeckt sind. An allen Seiten erheben sich die Berge schroff und von den daran grenzenden Landschaften scharf geschieden; den schroffsten Abhang wenden sie jedoch der Südseite zu, wo auch die relative Höhe die bedeutendste ist. Ringsum sind die A. von Ebenen umgeben, und nur an drei Punkten stehen sie mit andern Gebirgen in Zusammenhang, mit den Apenninen im SW., dem Schweizer Jura im NW., den Kalkplateaus der Balkanhalbinsel im SO. Im SW. reichen sie, wenngleich die geologische Bildung sich noch östlicher bis zum Paß der Bocchetta verbreitet, mit ihrer charakteristischen Natur nur wenig über den Col di Tenda gegen O., wo sie mit den Anfängen der italienischen Gebirge in unmittelbarer Verbindung stehen, und sind hier bis zur Mündung des Rhône durch das Küstenland des Mittelmeers begrenzt; die Westgrenze bildet das Rhônethal bis zum Genfer See, wo am Rhôneknie unterhalb der Stadt der Schweizer Jura mit den A. in Verbindung tritt; die Nordgrenze bilden die großen Ebenen des Aaregebiets in der Schweiz und des Donaugebiets in Deutschland bis nach Wien, die Ostgrenze die Ebene von Oberungarn. Im S. des Thals der Drau stehen dagegen die letzten Ausläufer der A. in den sogen. Julischen A. mit den Bergzügen Kroatiens und dem istrisch-dalmatischen Hochland in unmittelbarer Verbindung; an der Südseite bildet bis zum Col di Tenda die lombardische Tiefebene die Grenze des Hochgebirges. Dasselbe dehnt sich hiernach über zwölf Längengrade (6–18° östl. L. v. Gr.) von dem untern Rhône- bis zum Donauthal bei Wien 1036 km weit aus, während die Breite im W. kaum 75, im O. dagegen durch das strahlenförmige Auslaufen der Ketten bis über 300, durchschnittlich etwa 175 km beträgt. Die A. nehmen also, von 43–48° nördl. Br. liegend, fast genau die Mitte zwischen Äquator und Nordpol ein. Sie bedecken ohne die angrenzenden Hochebenen ein Gebiet von etwa 240,000 qkm und haben eine mittlere Erhebung von 1400 m. Man erhält ein Bild von der Masse des Gebirges, wenn man bedenkt, daß [395] dasselbe, auf der Oberfläche Europas gleichmäßig ausgebreitet, diese um 6½ m erhöhen würde. Während die Westalpen sich von S. nach N. allmählich mehr und mehr erheben, nimmt die Höhe von den höchsten Punkten aus in östlicher Richtung wieder ab. Vom Montblanc, dem höchsten Berg nicht nur der A., sondern ganz Europas (4810 m), bis zu den Quellen der Etsch liegen die Gipfel zwischen 4800 und 2600 m, östlich davon zwischen 4000 und 1600 m; dort beträgt die Kammhöhe der Hauptrücken nicht unter 2600 m, hier sinkt sie bis 2000 m herab, und ähnlich verhält es sich mit der Paßhöhe. Die Ebenen und Thäler, welche die A. umgeben, haben sehr verschiedene Meereshöhe. Im W. liegt Valence 104, Lyon 174 m, im S. Turin 239, Mailand 114, Brescia 139, Bassano 149, Udine 108 m, im N. Wien 157, Passau 279, München 520, Konstanz 400, Zürich 412, Bern 540 m hoch; die Ebenen am Nordabhang haben also eine weit bedeutendere Erhebung als die an den übrigen Seiten.

Die Alpenthäler, die von so hervorragender Bedeutung sind, da sie den größten Teil der Bevölkerung, gegen 8 Mill. Bewohner, und der Kultur des Hochgebirges in sich schließen, teilt man nach dem Verhältnis zu den Gebirgszügen, in denen sie liegen, in Längen- und Querthäler, nach ihrer Zusammengehörigkeit und Abhängigkeit voneinander in Haupt- und Seitenthäler. In den Längenthälern, die dem Hauptzug des Gebirges folgen, zeigen sich die großen Vorzüge, welche den Bau der A. vor dem aller andern Hochgebirge der Erde auszeichnen, ganz vorzüglich; sie sind so zahlreich und ausgedehnt wie verhältnismäßig in keinem andern Hochgebirge, ja von solchem Umfang, daß sich in einzelnen sogar eigne Staaten haben entwickeln können. Ihre Bildung zeigt eine gewisse Regelmäßigkeit, ja Einförmigkeit; es sind gewöhnlich tiefe, in gerader Linie sich hinziehende, breite und von hohen Bergwänden eingeschlossene Furchen, die mit allmählicher Steigung bis tief in das Herz des Gebirges führen. Ist der Thalboden, was nicht selten der Fall ist, versumpft, so liegen die Dorfschaften mit ihren Feldern und Gärten auf den sich häufig längs der Wände meist gleichförmig hinziehenden höhern Stufen oder auf den Schutthalden an den Mündungen der in das Hauptthal einfließenden Bäche. Den Typus der Längenthäler in den A. zeigen am treuesten das Thal des Rhône im Wallis, das Vorderrheinthal und das Engadin, die Thäler der Salza, Enns, Drau, Save und Mur. Die Querthäler, welche mehr oder weniger einen rechten Winkel mit der Richtung der Hauptgebirgsmassen bilden, in das Innere derselben eindringen und sie sogar durchschneiden, sind bei weitem großartiger und malerischer als die Längenthäler; sie haben viel steilere Wände, sind voll unregelmäßiger Felsenstürze und meist viel kürzer. Besonders in den Zentralalpen bestehen sie oft aus einer Reihe stufenartig übereinander gelagerter, oft runder, meist aber länglicher Weitungen, die in frühern Zeiten Seebecken gewesen sind, sich aber mit der Zeit entleert haben. Der Bach, der sie durchströmt, fließt anfangs zwischen flachen Ufern mäßig schnell, gräbt sich aber später immer tiefer in dem Boden ein und tritt endlich in einer durch das Zusammenrücken der begrenzenden Bergwände gebildeten Schlucht, in der er oft schöne Katarakte bildet, in das tiefer liegende Becken ein. In den Weitungen liegen die Dörfer, deren Bewohner meist Viehzucht treiben. Beispiele von Querthälern sind die Thäler des Rhône unterhalb Martigny, der Aare, Reuß, Linth, des Rheins unterhalb Chur, das Gasteiner, Ötz- und Möllthal.

Die Alpenthäler haben ihre jetzige Gestalt erst durch die Einwirkung des Wassers erlangt. Die Bäche und Flüsse erhalten ihren Wasserreichtum mehr aus den ausgedehnten Feldern des ewigen Schnees (Firns) in den Mulden der Schneeregion und von den sich weit herabziehenden Gletschern (Schnee und Eis bedecken eine Fläche von etwa 3300 qkm) als aus den äußerst zahlreichen Quellen. Hieraus erklärt es sich, weshalb die aus Gletschern abfließenden Alpenströme gerade im Sommer bei der größten Hitze am wasserreichsten sind, im Gegensatz zu den bloß von Quellen ernährten Flüssen. In den Kalkalpen sind dagegen die Höhen nicht selten arm an Wasser, das durch Spalten und Risse in höhlenartige Räume im Innern der Berge eindringt, um später in starken Quellen am Fuß der Höhen wieder hervorzubrechen. Aus den Bächen in den hoch gelegenen Thälern entstehen tiefer unten Flüsse, welche das Wasser in die Ebene hinausführen. Während sie in den obern Teilen gewöhnlich starken Fall haben, schleichen sie in den Thalweitungen oft langsam dahin und bilden große Sümpfe. Der von den kleinern Flüssen fortgeführte Kies und Schutt wird beim Eintreten in größere Thäler oder in die Ebenen in oft bedeutenden Schutthalden abgesetzt, die in den häufig stark versumpften Thälern die Anlage von Dörfern und den Anbau ermöglichen. Charakteristisch für das Flußsystem der A. ist die strahlenförmige Ausbreitung der Wasserläufe. So kommen vom St. Gotthard außer der Reuß drei Flüsse, der Rhein, der Rhône und der Tessin, herab, die ihre Wasser beziehentlich der Nordsee, dem Mittelmeer und dem Adriatischen Meer zuführen. Zwei andre Flüsse, die zwar nicht vom St. Gotthard selbst, aber doch ganz in der Nähe entspringen, sind die Aare, der Hauptzufluß des Rheins, und der Inn, der, obwohl bedeutender als die Donau, doch nach der Verbindung mit derselben zu gunsten der letztern auf seinen Namen verzichten muß. Also fünf Flüsse, die nach vier Meeren hin von einer Alpengruppe ausstrahlen. Den Flußgebieten des Rheins, des Rhône, der Donau und des Po und damit der Nordsee, dem Mittelmeer, dem Schwarzen und dem Adriatischen Meer gehören fast alle Alpenflüsse an. Von Seen befinden sich im Innern des Hochgebirges nur unbedeutende; von desto größerer Wichtigkeit sind die am südlichen wie am nördlichen Abhang an den Ausgängen der großen Thäler liegenden sehr tiefen Seebecken (Lago Maggiore, Comer und Gardasee, Genfer, Züricher und Bodensee, Chiem-, Traun-, Attersee etc.), welche den sie durchfließenden Gebirgsströmen als Läuterungsbecken dienen, in denen diese allen Schutt absetzen. Während sie im obern Teil von hohen Bergwänden umschlossen sind, öffnen sie sich unten in die Ebene, indem sie so die Schönheiten und Vorzüge der Natur des Gebirges und der Ebene vereinigen. Manche Becken sind jetzt durch die Ablagerungen der Gebirgsflüsse ausgefüllt.

In den Pässen, welche die Anfänge der an entgegengesetzten Teilen einer Kette entstehenden Thäler verbinden, zeigen sich die Vorzüge des Baues der A. ganz besonders. Bei keinem andern Hochgebirge ist der Unterschied zwischen der Durchschnittshöhe der Kämme und der Gipfel so bedeutend wie bei ihnen; die Folge davon ist die leichte Passage der über die Höhen führenden Straßen. Wenn alle Hochgebirge auf die sie umgebenden Landesteile [396] trennend wirken, so ist das bei den A. im geringsten Maß der Fall. Die letztern bilden wohl bei ihrer Höhe und Breite für Europa eine wichtige Scheide in Bezug auf Klima, Vegetation und Tierwelt, aber die Verbindung der zu beiden Seiten wohnenden Völker ist stets eine relativ leichte gewesen, ein Verhältnis, das für die ganze Kulturentwickelung Europas von der größten Bedeutung geworden ist. Schon die alten Römer haben die Gebirgsstraßen so gangbar gemacht, als es ihre Verhältnisse forderten; im Mittelalter und in der neuern Zeit waren sie nur Saumpfade, erst seit dem Anfang dieses Jahrhunderts hat man viele derselben fahrbar gemacht u. Kunststraßen, in neuester Zeit sogar Eisenbahnen gebaut, die teils über den Kamm fortführen (Brenner, Schober), teils die höchsten Teile desselben in Tunnels durchbrechen (Mont Cenis, St. Gotthard, Semmering, Arlberg). (S. Alpenstraßen etc. und die Übersicht auf dem Register zur Karte).

Der geologische Bau der A. ist zwar in den letzten Jahrzehnten in einzelnen Stücken von zahlreichen Forschern auf das genaueste untersucht worden; über die Bewegung der Erdrinde aber, durch die der gewaltige Bau der A. aufgerichtet wurde, ist man trotzdem nicht zu einer allseitig angenommenen Ansicht gelangt. Indessen scheint die Meinung besondere Berücksichtigung zu verdienen, nach welcher das ganze Alpengebirge durch eine horizontal, im allgemeinen von S. her wirkende Kraft emporgehoben wurde. Damit ist zugleich auch die veraltet scheinende Ansicht verlassen, als seien durch das Hervordringen halbstarrer oder flüssiger Massen aus dem Erdinnern die sedimentären Schichten der Erdrinde gehoben und durchbrochen worden und so die mantelförmige Bekleidung eruptiver Gesteine durch sedimentäre zu erklären. Entsprechend der angedeuteten Entstehungsursache der A. durch einen von S. herkommenden seitlichen Druck, ist auch die Streichungsrichtung des westlichen und nördlichen Saums des Gebirges angeordnet. Überall, wo dem Stoß ältere Massen entgegenstanden, zeigt sich eine weit mannigfachere Faltung der Schichten als da, wo solche Hindernisse nicht vorhanden waren. Diese Abhängigkeit tritt auch im innern Bau der Ketten hervor. Betrachtet man die A. auf einer geologischen Karte, so unterscheidet man deutlich drei verschiedene Zonen: eine mittlere oder Zentralzone und eine nördliche und eine südliche Seitenzone. Die Massen der Zentralzone bestehen überwiegend aus Gneisgranit von verschiedenen Formen, seltener aus echtem Granit und werden von weiten, mantelartig sie umgebenden Lagen von Schiefer (Gneis, Hornblendegesteinen, Glimmerschiefer, namentlich den sogen. grünen und grauen Schiefern) umschlossen, von denen Versteinerungen ergeben haben, daß sie in den östlichen A., zum Teil wenigstens, der silurischen und devonischen, sogar (wie auch im Westteil des Hochgebirges) der Kohlenformation angehören. Auch sind in den Westalpen bedeutende Höhen der Zentralzone von jurassischen und Kreidegesteinen, ja selbst von Gliedern der eocänen Formation gebildet, wie denn auch manche der die Zentralmassen umgebenden Schiefer metamorphische Bildungen sein mögen. Diese Schiefer sind durch die sie durchdringenden kristallinischen Massen nicht selten auf höchst merkwürdige Weise zusammengedrängt und umgebogen. Die Seitenzonen sind zum größten Teil aus kalkigen Bildungen der sekundären und tertiären Formationen zusammengesetzt, in denen kristallinische Gesteine nur isoliert hervortreten. Von einer südlichen Nebenzone der A. kann jedoch nicht in dem Sinn die Rede sein wie von der nördlichen; denn hier im S. vom Lago Maggiore an östlich lagert zwar eine große Menge tertiärer Gesteine der zentralen Zone vor, aber von einer regelmäßigen Faltung ist nirgends die Rede wie im N. Die konkave Südseite des bogenförmig gestalteten Alpengebiets ist steil abgebrochen und zeigt da, wo wirklich tertiäre Formen vorgelagert sind, andern Charakter als in der nördlichen Seitenzone.

Die Zentralzone ist es, welche ganz besonders den großen Reichtum an seltenen und geschätzten Mineralien, auch an Erzen enthält, obgleich der Bergbau nur in einigen Teilen derselben Bedeutung erlangt hat; ihr gehören die in dem ganzen Gebirge verbreiteten Goldablagerungen sowie die Gänge an, welche Kupfer, Blei, Nickel, Kobalt, vor allem Eisenerze liefern, die besonders in Steiermark die Veranlassung zu einem wichtigen Bergwerksbetrieb gegeben haben. Was die Nebenzonen betrifft, so ist in den östlichen A. namentlich die Triasformation ausgedehnt verbreitet, während sich davon in den westlichen nicht viel mehr findet als einige Quarzite (der sogen. Verrucano); sie erhält eine erhöhte Wichtigkeit durch die Einlagerung von Erzen (besonders Blei), namentlich aber durch die großen Steinsalzlager, von denen die berühmten Salzwerke von Berchtesgaden, Hallein und des Salzkammerguts abhängen. In den östlichen A. tritt die Juraformation dagegen zurück, welche in den westlichen in ausgezeichneter Weise entwickelt ist und hier (im Liaskalk) den Grund zu den Salzwerken von Bex geliefert hat; auch die einzelnen Glieder der Kreideformation sind in den westlichen A. viel ausgedehnter verbreitet als in den östlichen. Nicht geringe Bedeutung besitzen endlich die Gesteine der Eocänformation (des Nummulitenmergels und Sandsteins und des fukoidenreichen Mergels oder des sogen. Flysch der Schweizer), die besonders längs des ganzen Nordrands des Gebirges eine so hervorragende Stellung einnehmen, aber auch im Innern der Thäler sich finden und namentlich das Hochland zwischen dem Adriatischen Meer und der Save zusammensetzen; auch die jüngern Tertiärbildungen finden sich am Rande der A. wie in ihren Thälern, und besonders tritt darin die Molasse hervor mit der Nagelfluhbildung, die in der Schweiz und im Algäu ihre höchste Erhebung besitzt. Diluvialbildungen finden sich besonders in den Thälern und den Ebenen am Fuß des Gebirges; ihnen schließen sich die großen Massen der erratischen Blöcke an, die ohne Zweifel das Resultat einer ausgedehnten Vergletscherung der Ebenen am nördlichen Rande der A. und von den Gletschern aus der Zentralzone hierher geführt sind, wie noch jetzt fortwährend durch das eindringende und beim Gefrieren sich ausdehnende Wasser selbst bis zu den höchsten Kämmen und Gipfeln hinauf eine zerstörende Thätigkeit ausgeübt wird, von der die großen Schutthalden in den Thalsohlen und den Mündungen der Bäche, die Lawinen und Bergstürze Zeugnis ablegen. In der südlichen Nebenzone erscheinen noch zwischen den sedimentären Gesteinen zerstreut einzelne ältere, wie Granit, kristallinische Schiefer, vor allen die berühmten Feldspat- und Augitporphyre, und mit ihnen verbunden die Dolomite am Luganer See und in Südtirol. Die äußern Formen der einzelnen Teile der A. sind nach der Gesteinsbeschaffenheit und Art der Lagerung verschieden. In der Zentralzone bedingen [397] Steilheit der Schichten, Unverwitterbarkeit, besonders Quarzreichtum des Gesteins die scharf gezeichneten, nadelförmigen und pyramidalen Felskämme und Gipfel, die namentlich die Westalpen charakterisieren, während dagegen die aus leichter verwitterndem Schiefer bestehenden Berge sanftere und gerundete Formen zeigen. In den Kalkalpen herrscht bei allen Veränderungen, welche die Schichtenstellung durch Störungen erfahren hat, immer noch die Neigung zur Hochflächenbildung vor (die an manchen Punkten so charakteristischen sogen. Karrenfelder mit ihren tiefen Furchen und trichterartigen Löchern und den scharfen Gebirgsrippen scheinen diese Form durch Erosion erhalten zu haben); aber durch die ausgedehnte Zerstörung mächtiger Felsmassen sind oft die pittoreskesten Felsbildungen, Türmen und Ruinen ähnelnd, entstanden, die zu den interessantesten Bergformen des Hochgebirges gehören.

Man hat schon früh das Bedürfnis gefühlt, die A. in verschiedene Teile zu teilen, und die alte Trennung derselben in die westlichen (französischen), mittlern (Schweizer) und östlichen (deutschen) A. empfiehlt sich, obschon sie nur auf die politischen Verhältnisse begründet ist, dennoch, da auch in der Bildung dieser Abteilungen bestimmte Verschiedenheiten hervortreten. Die westlichen A. unterscheiden sich von den übrigen durch ihre Richtung gegen N., die östlichen von den mittlern durch ihre größere Breite und dadurch, daß in ihnen und zwar je weiter gegen O., desto mehr die Hochflächenbildung hervortritt. Jede derselben zerfällt dann wieder in kleinere Abteilungen. – In den

westlichen Alpen

unterscheidet man gewöhnlich vier kleinere Abteilungen. Den Südostteil derselben bilden die Seealpen, zwischen der lombardischen Ebene und dem Thal des Verdon, zu denen vor allem die hohe, steil zur Ebene abfallende und bis zur Quelle der Stura gegen NW. ziehende Gebirgskette gehört, deren höchste Gipfel die Cima dei Gelas (3188 m), Cima di Mercantour, Monte Tenibres, Monte Palat sind, und welche der fahrbare, Nizza mit Turin verbindende Paß des Col di Tenda durchschneidet, über den die italienische Regierung eine Eisenbahn zu legen beabsichtigt. Im SW. dieser Kette breitet sich um das Thal des Var ein weniger hohes Gebirge aus, das westlicher mit den durch das Längenthal des Argens getrennten Ketten der Monts d’Esterel und Monts des Maures zusammenhängt. Nördlich vom Thal der Stura und Ubaye beginnen die Kottischen A., ein Land voller Berge und Bergzüge ohne bestimmte Richtung, welche die Thäler der Durance und des Drac umschließen, und über deren steil gegen O. sich herabsenkenden und von den Quellthälern des Pogebiets durchschnittenen Abhang der fahrbare, Briançon mit Susa verbindende Paß des Col de Genèvre führt, während sich südlicher isoliert der Monte Viso erhebt; die westlichen Abhänge dieses Gebirgslands zum Rhônethal sind weniger steil als die östlichen. Die bedeutendste Höhe erreicht in den Kottischen A. die Berggruppe des Pelvoux im S. des fahrbaren, von Grenoble nach Briançon führenden Col de Lautaret, deren höchster Gipfel der Ecrins oder Pic des Arsines (4103 m) ist.

Die Grajischen A. beginnen mit einer hohen, nach ONO. ziehenden Gebirgskette zwischen den Thälern des Arc und der Dora Riparia; in ihrem Westteil liegen die Grandes Rousses (3478 m), östlicher führt über sie der berühmte, Grenoble und Turin verbindende Paß des Mont Cenis, und 21 km westlich davon durchschneidet die Eisenbahn im Tunnel unter der Pointe sur Fréjus das Gebirge. Nördlich von dieser Kette liegt das Thal des Arc (die Landschaft Maurienne), und wieder nördlich von diesem erhebt sich eine andre, jener Kette parallel ziehende (mit dem Grand Paradis von 4052 m und der Becca di Nona), die im N. von den Thälern der Isère (der Landschaft Tarantaise) und der Dora Baltea begrenzt wird; beide Flüsse sind an ihren Quellen durch eine hohe, gegen NW. ziehende Bergkette geschieden, über die der fahrbare Paß des Kleinen St. Bernhard von Grenoble nach Aosta führt. In den darauf folgenden Savoyer A. erhebt sich zuerst die kolossale Gebirgsmasse des Montblanc, die höchste der ganzen A., ein gegen NO. sich erstreckender Gebirgszug, dessen mit großen Gletschern bedeckter Kamm nirgends unter 3000 m herabsinkt, in welchem sich der Montblanc (4810 m) und die durch ihre zackigen, pyramidalen Gipfel ausgezeichneten Aiguilles (Aiguille Verte, Aiguille de Dru etc.) erheben. Diese Bergmasse wird im S. von den Quellthälern der Dora Baltea (der nach den vielen Gletschern benannten Allée Blanche), im N. von dem Quellthal der Arve, dem weltberühmten Thal Chamonix, begrenzt; von dem letztern endlich senkt sich das Hochgebirge (in der Landschaft Chablais) allmählich zum Genfer See herab, durch das Thal von Sixt in zwei Teile getrennt, in deren südlichem sich der Buet und weiter nördlich der Dent du Midi erheben; noch allmählicher ist die Senkung nach W. über die untere Arve gegen das Rhônethal hin.

Die mittlern oder Schweizer Alpen

zerfallen zunächst in zwei Teile, den südlichen, welcher die höchsten Ketten des Gebirges umschließt, und den nördlichen oder die Schweizer Voralpen. Die erstern lassen sich wieder in vier Abteilungen scheiden. Die nördlichste bilden die Berner A., eine gegen ONO. ziehende Gebirgsmasse, die am Westende nur durch den engen Paß von St.-Maurice, durch den der Rhône zum Genfer See hindurchbricht, von dem Dent du Midi getrennt ist und im O. an der Quelle des Rhône mit der Masse des St. Gotthard unmittelbar zusammenhängt. Nur Saumpfade (der Paß der Gemmi, der der Grimsel) führen über den Kamm des Gebirgszugs, dessen großartigster Teil der östliche, mit mächtigen Gletschern bedeckte ist, über den sich die höchsten Spitzen (das Finsteraarhorn 4275 m, das Aletschhorn, die Jungfrau, der Mönch, Eiger, das Schreckhorn) erheben. Zum Brienzer und Thuner See hin senken sich von dieser Gebirgsmasse zugängliche Thäler. Am berühmtesten sind die von Grindelwald und Lauterbrunnen, welche das Berner Oberland im engern Sinn, das Gebiet zwischen den genannten Seen im N., dem Thal der obern Aare (Hasli) im O. und dem der Kander im W., erschließen. Durch das Grindelwaldthal wird von der Hauptmasse der Berner A. eine Berggruppe geschieden, in der das durch seine Aussicht auf die südlich davon gelegenen Gletscher berühmte Faulhorn (2683 m) hervorragt. Niedriger als im O. ist der Kamm der Berner A. im W.; hier gilt als höchste Spitze das Wildhorn (3264 m). Die Südseite senkt sich steil und schnell zu dem Längenthal des obern Rhône, der Landschaft Wallis, herab. Südlich vom Rhônethal erhebt sich die noch kolossalere Gebirgsmasse der Penninischen oder Walliser A., die, im W. [398] mit der Masse des Montblanc zusammenhängend, nach O. bis zur Quelle der Anza zieht und nur einen einzigen gangbaren Paß, den Saumpfad des Großen St. Bernhard, im Westteil enthält, während weiter im O. der Kamm von den gewaltigsten Gletschern überlagert ist. Über diese erheben sich die höchsten Gipfel am Ostende des Gebirgszugs (Monte Rosa mit der Dufourspitze 4638 m, Matterhorn, Weißhorn). Nach S. sinken diese Berge steil und schroff zum Thal der Dora herab, nach N. zum Rhône allmählicher und mit längern Armen, welche große und schöne Thäler (das Bagne-, Eringer und Vispthal) umschließen. Ganz im O. erstreckt sich zwischen den beiden Armen des letzten Thals vom Monte Rosa aus die hohe Kette der Mischabelhörner (mit dem Domhorn) nach N., und ihr parallel zieht eine ähnliche Kette (mit dem Fletschhorn) an der Ostseite des Saasthals nach N. bis zum Rhône.

Östlich davon beginnen mit dem fahrbaren Paß des Simplon die Lepontinischen A. Im O. durch die Einsenkung des Splügen und das Hinterrheinthal mit der Via mala, im N. durch die Thäler des obern Rhône, die Gebirgsmasse des St. Gotthard und das Vorderrheinthal begrenzt, breiten sie sich gegen S. bis zum Lago Maggiore und Comersee aus. Die Thäler der Tosa und des Tessin sondern aus dieser Masse Gebirgsgruppen aus, die man wohl unter dem Namen Tessiner A. zusammenfaßt; sie enthalten zwar noch am Nordufer des Lago Maggiore Gipfel von über 2000 m, erreichen jedoch die Schneegrenze nur in ihren nördlichsten Teilen. Zwei Alpenketten schließen sich im N. an diese Gruppe an, von denen die eine vom Simplon bis zum St. Gotthard reicht, mit den höchsten Gipfeln Monte Leone (3565 m) und Basodine, während die andre unter dem Namen Adula-A. vom St. Gotthard aus sich nach O. bis zum Splügen hinzieht. In diesem Teil, zwischen dem Rheinthal im N. und den Seen im S., ist die höchste Erhebung das Rheinwaldhorn (3398 m). Nördlich vom Thal des obern Tessin (Val Bedretto) liegt die zentrale Masse des St. Gotthard mit dem berühmten Paß gleichen Namens, unter dem jetzt durch einen Tunnel eine Eisenbahn gebaut ist; sie wird im N. von dem Thal der obern Reuß (dem Urserenthal) begrenzt, das durch zwei fahrbare Pässe, den Furkapaß mit dem Thal des Rhône und den Oberalppaß mit dem des Vorderrheins, verbunden ist. Im O. schließen sich an die Lepontinischen die Rätischen A. (Graubünden) an, welche durch das Längenthal von Chiavenna bis Landeck (Bergell und Engadin, durch den fahrbaren Malojapaß miteinander verbunden) in zwei Abschnitte geteilt werden. Der nördliche Teil der Rätischen A., zwischen Inn, Rhein und der Arlbergstraße von Landeck bis Feldkirch, hat nur wenig ausgedehnte Schneeflächen; doch übersteigen noch eine Reihe von Gipfeln 3000 m. Die höchsten Erhebungen liegen in einer am südlichen Rand sich hinziehenden Kette (Piz Kesch 3422 m, Piz Linard in der Silvrettagruppe, Piz d’Err). Mehrere fahrbare Pässe, zu denen vom Rhein her Querthäler führen, übersteigen den Kamm, wie Julier, Albula, Flüela, welche die Verbindung mit dem Engadin unterhalten. Vom Zentrum des nordrätischen Kammes (der Silvrettagruppe) zieht sich nach NW. zwischen den Thälern Montafun und Prättigau das Rätikon mit der Scesaplana (2968 m) hin. Die südliche Abteilung der Rätischen A. zieht sich von der untern Maira nach NO. bis zur Reschenscheideck; sie ist besonders ausgezeichnet durch die von großen Gletschern umgebene Gebirgsmasse des Bernina (der Rosso di Scerscen 4052 m), an deren Ostseite der gleichnamige fahrbare Paß nach dem Veltlin, dem an der Südseite dieser Kette gegen SW. und W. bis zum Comer See sich erstreckenden Längenthal der Adda, führt, an dessen Südseite sich als selbständige Gruppe die Bergamasker A. erheben, deren höchste Kette (Monte Redorta 3039 m) sich der Adda nahe gegen O. ausdehnt, während ihre südlichen Verzweigungen sich zur lombardischen Ebene hinabsenken und im O. durch das Ogliothal (Val Camonica) von den Bergen Westtirols getrennt werden.

Die Schweizer Voralpen breiten sich vor den Abhängen der Berner und nördlichen Rätischen A. aus und reichen im N. bis an die Schweizer Ebene und den Bodensee. Den Hochgebirgscharakter zeigen sie nur hier und da und mehr isoliert; sie werden von einer Reihe schöner Thäler, die abwechselnd Quer- und Längenthäler (die letztern mit großen Seebecken) bilden, vielfach durchschnitten und erhalten dadurch die Mannigfaltigkeit und Abwechselung, welche ihnen so großen Ruhm verschafft hat. Die Hauptthäler sind die der Aare, Reuß, Linth mit dem Züricher und Wallensee und des mittlern Rheins; durch diese zerfallen sie in sechs Abteilungen.

Die westlichste, zwischen der Ebene, dem Thal der Simme und dem Ostende des Genfer Sees, die Freiburger A. (mit dem Vanil Noir 2386 m, dem Stockhorn und dem Moleson), die in der Mitte vom Thal der Saane durchschnitten werden, zeigt nirgends die Natur des Hochgebirges. Nördlich vom Thuner und Brienzer bis zum Vierwaldstätter See liegen die Emmenthaler A. (das Brienzer Rothorn 2351 m, der Pilatus), über welche der fahrbare Paß des Brünig zum Brienzer See führt; sie werden von den Thälern der beiden Emmen, der zur Reuß und der zur Aare fließenden, durchschnitten und senken sich gegen NW. zur Ebene herab. Im O. folgen darauf die Urner A., die von der Aare bis zur Reuß und im N. bis zum Vierwaldstätter See reichen, in der Mitte von einer Kette mit sehr hohen Gipfeln (dem Dammastock 3633 m, dem Galenstock, dem Titlis) durchzogen, die von der Rhônequelle sich gegen N. ausdehnt.

Im O. der Urner A. breiten sich nördlich vom Vorderrhein die Glarner A. aus, die bis zum Linththal und den Ufern des Wallensees reichen; sie haben noch an mehreren Punkten die Hochgebirgsnatur (der Tödi 3623 m, das Scheerhorn, der Piz Sol) und werden von den Thälern der Sernf und einigen Zuflüssen des Rheins durchschnitten. Nordwestlich davon liegen im W. des Thals der Linth und zwischen dem Vierwaldstätter und Züricher See die Schwyzer A., in denen die Bildung des Hochgebirges nur noch im Ostteil hervortritt (der Glärnisch 2919 m); zu ihnen gehört im Südwestteil die durch das Thal des Lowerzer Sees ganz von den übrigen Bergen geschiedene Gebirgsmasse des Rigi zwischen dem Zuger See im N. und dem Vierwaldstätter See im S., der sich zwar nur zu 1800 m erhebt, aber als Aussichtspunkt so hochberühmt ist. Nördlich von dem durch Thäler mit dem Züricher See wie mit dem Rheinthal verbundenen Wallensee erhebt sich, dadurch ganz von den südlichern Bergen geschieden, das Gebirgsland der Appenzeller A. (der Säntis 2504 m, die Churfirsten), im N. und W. von den allmählich zur Ebene sich senkenden Höhen umgeben, welche die Thäler der Thur und Töß einschließen.

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Die Ostalpen (Deutschen Alpen),

von den westlichern durch die Hinneigung zur Hochflächenbildung und die größere Breite unterschieden, haben zugleich einen einfachern Bau; sie zerfallen in drei große, durch breite Längenthäler voneinander geschiedene Gebirgsmassen. Die nördliche Gebirgsmasse beginnt im W. mit den Vorarlberger und Algäuer A., die im S. bis zum fahrbaren Arlpaß, der Verbindung zwischen Bodensee und Innthal, im O. bis an das Lechthal reichen. An ihrer Westseite liegen das Thal Montafun, das der Bregenzer Aa und der obern Iller (der Algäu), an der Ostseite das Längenthal des obern Lech, der in dem Engpaß von Füssen in die Ebene hinaustritt. Die höchsten Erhebungen sind die Rote Wand (2701 m), Mädeler Gabel, der Hochvogel. Östlicher bilden die Fortsetzung der Vorarlberger A. die Berggruppen der Nordtiroler A., deren nördlicher Abhang das Bayrische Oberland genannt wird, und in denen sich über dem auf weitere Strecken die Hochflächenform annehmenden Boden mehrere Bergketten und isolierte Berge erheben (das Wettersteingebirge mit der Zugspitze 2960 m, das Karwändelgebirge, der Solstein). Drei fahrbare Straßen durchschneiden diese A., der Fernpaß im W., der Paß von Scharnitz in der Mitte, welche das Innthal mit dem Lech und dem Isarthal verbinden, und der Paß längs des romantischen Achensees im O. Im S. werden die Nordtiroler A. von dem schonen Längenthal des Inns begrenzt, das im W. mit den Engpässen von Finstermünz und Landeck beginnt und im O. mit dem Paß von Kufstein endet, durch den der Fluß die Ebene erreicht. An seinem Ostufer beginnt die Gebirgsmasse der Kitzbüchler A. die sich im O. bis zum Thal der Saalach, im S. bis an den Pinzgau ausdehnen; die höchsten Erhebungen sind an der Ostseite das Birnhorn (2632 m), im SW. der Katzenkopf, aber der interessanteste Punkt ist das Kaisergebirge (2331 m) nahe am Inn zwischen seinem und dem das ganze Gebirgsland durchschneidenden Achenthal.

An der Ostseite der Saalach erheben sich die Salzburger A., welche durch das Thal dieses Flusses, das im S. mit dem der Salzach am Zeller See unmittelbar in Verbindung steht, und durch das der letztern rings umschlossen und von den umliegenden Bergen ganz getrennt sind. In der Mitte liegen ihre höchsten Erhebungen (der Hochkönig 2938 m, der Watzmann), an deren Nordseite sich das romantische Thalland von Berchtesgaden, wohl der schönste Alpendistrikt Deutschlands, ausbreitet, aus welchem eine fahrbare Straße über den Hirschbühl in das Saalachthal führt. Östlich von der Salzach folgen dann die A. des Salzkammerguts, deren höchste Teile an der Südseite längs des Thals der Enns sich hinziehen. Den Mittelpunkt derselben bildet die Gebirgsgruppe des Dachsteins (2996 m) und Thorsteins, an deren Ostseite eine fahrbare Straße über Aussee in das Ennsthal führt, und an deren Nordseite sich das liebliche Traunthal, das Salzkammergut im engern Sinn, mit seinen schönen Alpenseen hinzieht (der seiner Aussicht halber berühmte Schafberg). Westlich von dieser höchsten Gruppe läuft gegen die Salzach hin das Tännengebirge (der Raucheck 2428 m), östlich das Tote Gebirge und die Gebirgsmasse des Priel (der Große Priel 2514 m). Im S. und O. werden diese Berge von dem Ennsthal eingeschlossen, und ihre Fortsetzungen verbinden sich östlich von der Enns mit dem Ende der mittlern Gebirgsmasse der Deutschen A.; gegen N. erstrecken sich ihre niedrigen Vorberge bis gegen das Donauthal (s. unten).

Im S. begrenzt die nördlichen Deutschen A. ein System von Längenthälern, im W. das des Inns von dem Paß von Landeck bis zu dem von Kufstein, in der Mitte das der Salzach (der Pinzgau) am südlichen Abhang der Kitzbüchler und der Salzburger A., an deren Ostseite die Salzach in dem Engpaß des Lueg in die Ebene hinaustritt, östlicher das mit dem Salzachthal unmittelbar verbundene Thal der Enns, welcher Fluß an der Ostseite des Prielgebirges durch den Engpaß des Gesäuses in das Donauthal gelangt.

Die mittlere Gebirgsmasse der Deutschen A. beginnt im W. mit den Ötzthaler A., die von den Rätischen A. durch den Paß der Reschenscheideck zwischen dem Innthal und der Quelle der Etsch, einen der bequemsten Alpenpässe, getrennt und im S. durch den Vintschgau (Thal der Etsch) begrenzt werden. Ihre höchsten, von ausgedehnten Gletschern umlagerten Erhebungen liegen im Südteil an den Quellen der Ötz (die Wildspitze 3776 m, die Weißkugel oder das Schweinser Joch, die Similaunspitze); auch der Ostteil, der den Namen Stubaier A. führt, enthält noch bedeutende Berge (der Zuckerhut 3511 m). Die größten Thäler dieser von keinem Paß durchbrochenen Gebirgsmasse, das Kaunz-, Piz-, Ötz- und Stubaier Thal, ziehen sich nach N. herab zum Innthal; gegen S. sind die zum Vintschgau abfallenden Verzweigungen kürzer, außer im östlichen Teil am Sarnthal. Im O. werden die Ötzthaler A. durch den jetzt von einer Eisenbahn übersetzten Brennerpaß, welcher Innsbruck mit Bozen verbindet, von den Zillerthaler A. geschieden, deren höchster Teil eine nach NO. sich erstreckende Gebirgskette (die Hochseilerspitze 3506 m, der Schwarzenstein und die Löffelspitze) an der Nordseite des obern Ahrenthals (Pettau) bildet. An ihrer Nordseite breitet sich das Zillerthal mit seinen vielen Armen aus, von deren östlichstem der Gerlospaß zu dem Anfang des Pinzgaus führt; gegen S. reichen die Verzweigungen am Ahrenthal hinab bis zum Pusterthal.

Der Paß der Krimler Tauern trennt die Zillerthaler A. von ihrer Fortsetzung, den Hohen Tauern, einer der gewaltigsten Gebirgsmassen der Deutschen A., deren höchster Teil eine zusammenhängende, gegen O. bis an den Lungau ziehende Gebirgskette mit hohen, von ausgedehnten Gletschermassen umgebenen Gipfeln (der Großglockner 3797 m, der Großvenediger, Dreiherrenspitz, das Wiesbachhorn, Hochalpenspitz) ausmacht, die nur von wenigen beschwerlichen Saumpfaden überschritten wird. Sie senkt sich gegen N. schneller und steiler zum Pinzgau herab; den Abhang durchschneiden zahlreiche durch ihre Naturschönheiten hochberühmte, besonders durch ihre prächtigen Katarakte ausgezeichnete Querthäler, das Kriml-, Stubach-, Fusch-, Gastein-, Arlthal. Im S. ziehen sich vor dem Abhang zwei größere Längenthäler hin, im W. das Thal Dessereggen, im O. das der Möll, welche wieder durch hohe Gebirgszüge, das erste durch die Antholzer A. (Hochgall 3442 m, der Lengssteinferner) und die A. von Dessereggen (der Panargenspitz 3168 m), das zweite durch die Gebirgsgruppe des Kreuzeck (der Polinik 2780 m) vom Drauthal getrennt werden. Am östlichen Ende teilen sich die Hohen Tauern in zwei durch das Quellthal der Mur (den Lungau) getrennte Arme, über [400] welche hier die ersten fahrbaren Pässe im O. des Brenner, der Radstädter Tauern- und der Katschbergpaß (1641 m), von Salzburg nach Klagenfurt führen.

Der nördliche dieser beiden Arme, der zuerst den Namen der Steirischen A. führt, erstreckt sich zwischen den parallelen Längenthälern der Enns und Mur gegen O. Den höchsten Teil derselben bildet eine in der Mitte zwischen jenen Thälern hinziehende Gebirgskette (der Hochgolling 2863 m), deren östlicher Teil die Seckauer A. heißt; an der Westseite der letztern führt der fahrbare Paß des Rottenmanner Tauern über das Gebirge vom Ennsthal nach Judenburg. Im O. werden diese A. von den gegen SO. sich hinziehenden Thälern der Palte und Liesing begrenzt, deren Quellen der fahrbare Paß des Schobersattels verbindet, einer der bequemsten Alpenpässe, auf dessen Kammhöhe sich Kornfelder ausbreiten; von da an dehnt sich die Fortsetzung des Gebirges unter dem Namen der Steirisch-Österreichischen A. in viel größerer Breite zwischen den Thälern der Donau und Mur aus, bis es im O. von Wiener-Neustadt an der ungarischen Ebene endet. Es besteht hier aus einer Reihe von Gebirgsgruppen von pittoresken Formen, die aber nicht mehr die Hochgebirgsnatur haben und durch tiefere Einsenkungen getrennt sind. Zwei parallele Längenthäler durchschneiden es gegen SW., das der Salza und das der Mürz; im nördlichen Teil an der Salza liegen der Dürrenstein und der Ötscher, zwischen den beiden Längenthälern der Reichenstein, der Hochschwab (2278 m), die Veitschalp, der Wiener Schneeberg, im S. der Mürz der Wechsel, und zwischen den beiden letztern Bergen führt der von einer Eisenbahn überschrittene Paß des Semmering von Wien nach Graz. Gegen N. senken sich diese Berge in das Donauthal, im S. an der Südseite der Mürz in die hügelige Ebene Oberungarns herab. Die nordöstlichste Fortsetzung dieser A. ist der Wiener Wald, der seine höchste Erhebung im Schöpfel (893 m) hat und am Donauufer bei Wien mit dem Kahlenberg endet. Viel kürzer ist der zweite Arm der Gebirgskette, der sich unter dem Namen der östlichen Kärntner A. vom Katschbergpaß an nach O. ausdehnt und seine höchste Erhebung in einem nahe am Murthal hinziehenden Gebirgszug hat (mit dem Eisenhut 2441 m, dem Königstuhl, der Kuhalp), von dem er sich in weiten Verzweigungen, die von den Thälern der Gurk und Lavant durchschnitten werden, nach S. zum Drauthal hinabsenkt. An der Ostseite der letztern bildet die Kette der Stainzer A. (mit der Saualp 2081 m) die Grenze gegen das Murthal und das Hügelland von Untersteiermark.

An der Südseite der mittlern Deutschen A. erstreckt sich ein ununterbrochenes System von Längenthälern von W. nach O. Es beginnt im W. mit dem Längenthal der obern Etsch (dem Vintschgau), das durch den Engpaß von Klausen an dem Eisack mit dem Thal der Rienz (dem Pusterthal) in Verbindung steht; aus diesem führt der Paß des Toblacher Feldes in das Thal der Drau, welches bis zu seinem Eintritt in die Ebenen von Ungarn die mittlern von den südlichen Deutschen A. trennt. Diese werden im W. durch das Thal des Oglio von den Bergamasker A. geschieden. Ihren Anfang haben sie in der Gebirgsgruppe des Ortler, zwischen dem Veltlin, dem Vintschgau und dem Thal des Nos, die einen der großartigsten Gebirgsdistrikte der ganzen Deutschen A. bildet. Die höchsten Berge enthält sie im Nordwestteil (der Ortler 3905 m, der Zebru [Königsspitze], der Monte Tresero); östlicher sind auch noch um die beiden parallel nach NO. ziehenden Thäler Martell und Ulten bedeutende Höhen. Über diese A. führt nahe am nördlichen Fuß des Ortler die berühmte fahrbare Straße des Stilfser Jochs, die höchste aller Alpenkunststraßen (2756 m), vom Etsch- zum Addathal. Den Raum südlich von diesen Bergen zwischen dem Oglio und der Etsch nehmen die westlichen Trientiner A. ein, deren höchste Spitzen im nördlichen Teil, der Adamellogruppe, liegen (der Presanella 3561 m, der Adamello, die Cima di Brenta). An der Nordseite dieser Berge zieht sich das große Thal des Nos (Sulzberg und Nonsberg) nach O. hin, an dessen Quelle der fahrbare Paß des Tonale nach Camonica führt; die südlichen Verzweigungen zur lombardischen Ebene umschließen das Thal der Sarca (Judikarien), welcher Fluß in den Gardasee mündet, dessen Ostufer der Monte Baldo vom Etschthal trennt. Im O. dieser Berge zieht sich das Thal der mittlern Etsch von Bozen gegen S., bis der Fluß in dem Engpaß von Ala in die lombardische Ebene eintritt. An seiner Ostseite erheben sich zunächst an der Südseite des Thals der Brenta (Val Sugana), das im W. durch den Paß von Pergine mit dem Etschthal verbunden ist, die östlichen Trientiner oder Lessinischen A., deren höchste Spitzen im nördlichen Teile liegen (Cima Duodici 2331 m, Cima Covel Alto). Nördlich vom Val Sugana beginnen die Südtiroler Dolomitalpen zwischen der Etsch und der Piave, die durch die pittoresken Formen ihrer Berge ausgezeichnet sind. Sie zerfallen in drei Abteilungen, von denen die südliche zwischen Val Sugana und dem großen Thal des Avisio (Fassa im obern, Fleims im untern Teile) liegt und von zwei größern nach S. gehenden Thälern, dem des Cismone (Primiero) und dem des Cordevole, durchschnitten wird; sie enthält die bedeutendsten Höhen (Marmolata di Penia 3494 m, Cima de Lagorei, Cima d’Asta, Monte Pelmo). Die nordwestliche im W. des Thals der Gader (Enneberg) ist vorzugsweise wegen der großartigen Bildung ihrer Gipfel (der Langkofel 3179 m, die Geißler Spitz, der Schlern) berühmt; die nordöstliche (mit der Croda Rosa, der Dreischusterspitz 3160 m) wird im östlichen Teil von der fahrbaren Ampezzaner Straße, die das Piavethal mit dem Pusterthal verbindet, durchschnitten.

Zwischen den Thälern der Piave und des Tagliamento liegen zunächst an der Südseite des Drauthals die Karnischen A. Ihr nördlicher Teil zwischen dem Drau- und Gailthal zerfällt durch den Paß von Mauthen in zwei Teile (im westlichen die Sandspitze 2801 m, im östlichen die Villacher Alp 2167 m). Südlich davon begleitet das Längenthal der Gail, das im W. durch das Karditscher Joch mit dem Drauthal in Verbindung steht, die Kette der eigentlichen Karnischen A. (Paralba 2690 m, Colliano, an dem alten Römerweg des Pleckenjochs oder Monte Croce). Die südlichen Verzweigungen dieser Kette bilden die bis zum lombardischen Tiefland sich herabsenkenden Friauler A. (Monte Cridola 2583 m, Monte Premaggiore), die von den öden und mit Steinen bedeckten Thälern der Arme des Tagliamento durchzogen werden. Die Karnischen A. werden von dem Paß von Pontafel (Pontebba) durchschnitten, der Klagenfurt mit der Lombardei verbindet und einer der bequemsten der ganzen A. ist. Östlicher teilt sich das letzte Glied der Deutschen A. in zwei Abteilungen, zwischen denen sich das breite Thal der Save nach SO. hinzieht. [401] Die nördliche heißt anfangs die Karawanken und besteht aus einer nach beiden Seiten steil abfallenden Kette (mit dem Grintouz 2559 m und dem Petzen), über deren Westteil die fahrbare Straße des Loiblpasses von Klagenfurt nach Laibach führt. Im SO. bildet sie in den Steiner oder Sulzbacher A. (mit der Oistritza 2350 m und der Raducha) das Cillier Oberland, einen der anmutigsten Gebirgsdistrikte der Deutschen A., im Thal der obern Sann, und senkt sich dann in dem Cillier Bergland an der Sann und im Bachergebirge an der Drau zur Ebene Ungarns hinab. Die südliche Abteilung hat nur noch in ihrem ersten Teil, den sogen. Julischen A., zwischen den Thälern des Tagliamento und Isonzo, die Natur des Hochgebirges und bedeutendere Gipfel (der Triglav 2864 m); dann sinkt sie im SO. schnell zu dem viel niedrigern Bergland von Idria herab, auf welches südöstlich die Hochebene des Karstes folgt, in der alle Alpennatur verschwunden ist, während das Land bereits die Bildung des istrisch-dalmatischen Hochlandes angenommen hat.

Klima, Vegetation, Tierwelt, Bevölkerung.

In klimatischer Beziehung sind die westlichen Teile der A. wärmer als die östlichen, die südlichen wärmer als die nördlichen. Mit der Höhe nimmt die Temperatur ab, so daß im Durchschnitt die Erhebung von 176 m einer Verminderung der Mitteltemperatur um 1° C. entspricht; doch ist dies nach den verschiedenen Jahreszeiten verschieden, im Sommer fällt die Temperatur mit der Höhe viel schneller als im Winter. Die atmosphärischen Niederschläge sind in den A. bedeutend; die Menge des jährlich fallenden Schnees und Regens beträgt im allgemeinen gewiß 1 m, vor allem ist das Thal des obern Tagliamento durch erstaunlich starken Regenfall ausgezeichnet, der im Durchschnitt wohl bis zu 2,4–2,8 m steigt. Nicht bloß in der Schneeregion übertrifft die Zahl der Tage, an denen es schneit, die der Regentage bei weitem; dies ist sogar schon in einer Höhe von 1500 m an der Fall. Hierzu kommen die häufige Betauung, die Reif-, Nebel- und Wolkenbildung; Nebel und Wolken, die sich bald zu dichten Haufen zusammenballen, bald durch einen warmen Windstoß schnell auflösen und dann einen um so überraschendern Ausblick auf die Höhen erlauben, sind ein sehr charakteristisches Glied der klimatischen Verhältnisse der A. Von den Winden sind für das Hochgebirge besonders der Südwest- und der Nordostwind von Wichtigkeit. Der erste (der Föhn der Schweizer), der wahrscheinlich nichts als der Südwestpassat in den höhern Luftschichten des Atlantischen Ozeans ist, dem Europa wesentlich sein mildes Klima verdankt, ist warm, stürmisch und heftig und wirkt erschlaffend; aber er ist für das Hochgebirge von der größten Bedeutung, da er durch seine Wärme im Frühjahr das schnelle Schmelzen des Schnees bewirkt und dadurch den Anbau des Bodens in den höhern Teilen der Gebirgsthäler erleichtert. Der Nordostwind (in der Schweiz Bise genannt) bringt dagegen helles, klares Wetter mit Trockenheit der Luft und Verminderung der Temperatur.

Die Vegetation der A. hat viel Eigentümliches. Die drei Zonen, in die man die Abhänge der A. zu teilen pflegt, zeigen in dieser Beziehung eine große Mannigfaltigkeit. Die Waldregion reicht etwa von 600 m bis hinauf zu 1800 m, bis zur Grenze des Holzwuchses. Der unterste Abschnitt dieser Region wird durch die Verbreitung der Nußbäume und der Kastanien, welch letztere jedoch dem Nordabhang fehlen, charakterisiert, wie durch den Anbau des Maises, der bis 800 m hinaufreicht. Der Weinstock, der am Nordabhang bis etwa 500 m Höhe gedeiht, erreicht im S. eine Höhe von 800 m. Weiter hinauf herrscht in den Wäldern die Buche vor; am Nord- wie am Südabhang findet der Anbau der europäischen Getreidearten bis zu einer Höhe von etwa 1300 m statt, ebenso gedeihen dort die gewöhnlichen Obstsorten. Hierauf folgt der Strich der Nadelhölzer bis zur Grenze des Waldwuchses. In ihm herrscht die gemeine Fichte vor; besonders charakteristisch ist die jedoch nur selten Wälder bildende Arve oder Zirbelkiefer. Die Alpenregion, der Sitz des Hirtenlebens, jedoch nur in seltenen Fällen fester Wohnsitz der Menschen, reicht aufwärts bis zur Schneegrenze, also etwa bis 2700 m. Anfangs noch mit strauchartigen Gewächsen (in den deutschen Kalkalpen besonders mit Knieholz) bedeckt, trägt höher hinauf der Boden nur Gräser und die durch ihre schönen Blumen ausgezeichneten sogen. Alpenpflanzen (s. d.). Die Schneeregion, die alle über der Schneegrenze liegenden Teile des Hochgebirges umfaßt, zeigt da, wo wegen der Steilheit des Abhanges der Schnee nicht haftet, noch einzelne Phanerogamen, und selbst auf den höchsten Punkten finden sich hier und da verkümmerte Flechten.

Ebensoviel Eigentümliches enthält die Tierwelt der A. Sie ist in den untern Teilen überwiegend die mitteleuropäische (nur in den nach S. sich öffnenden Thälern gibt es einzelne spezifisch italienische Tiere); in den höhern Teilen aber über der Waldgrenze findet sich eine ganz verschiedene alpine Fauna, charakterisiert durch schöne Schmetterlinge, eigentümliche Käfer und Landschnecken, Vögel (wie den Lämmergeier, die Schnee- und Alpendohle, die Flüelerche, das Schnee- und Steinhuhn etc.) und Mammalien (wie die Gemse, den fast ausgerotteten Steinbock, den Wolf, Luchs und Bären an einigen Stellen, das Murmeltier, den weißen Alpenhasen, den Siebenschläfer etc.). Von Haustieren ist für einen großen Teil der A. das Rind in vielen edlen Rassen von großer Wichtigkeit und seine Zucht die Haupterwerbsquelle der Alpenbewohner; überall verbreitet ist die Ziege; auf trocknen oder hohen, vom Rind nicht erreichbaren Gebirgsweiden herrscht das Schaf. Auch das Pferd wird gezüchtet, Esel und Maulesel aber nur im S.

Was die Bevölkerung der A. betrifft, so finden wir in historischen Zeiten Völker keltischer Abkunft in ihnen verbreitet, die, durch die Römer unterworfen und romanisiert, später eine Beute der Deutschen geworden und von ihnen meist verdrängt sind, so daß der größte Teil der Gebirgsthäler ganz von Deutschen in Besitz genommen ist; wahrscheinlich sind die in einigen Teilen (in Graubünden und mehreren Thälern von Osttirol) sich findenden sogen. Romanen (Ladiner etc.) Überreste dieser ursprünglichen Bevölkerung. Jetzt sind die Bewohner der südlichen Thäler zum großen Teil Italiener, zwischen denen sich hier und da inselartig Gruppen von Deutschen erhalten haben; die westlichen A. werden von Franzosen, die übrigen Teile von Deutschen bewohnt, nur in den östlichen Teilen (in Kärnten, Krain) haben sich slawische Stämme niedergelassen. Man schätzt die Zahl der Germanen oder Deutschen in den A. auf 3½ Mill., die der Romanen ebenfalls auf 3½ Mill., die der Slawen auf 1 Mill. Politisch gehören die Deutschen A. fast ganz [402] dem österreichischen Staat an; längs des ganzen Südabhanges sind einzelne Thäler Teile des Königreichs Italien, im W. herrscht Frankreich bis an den Genfer See, und der mittlere Teil der A. bildet Kantone des Schweizer Staatenbundes.

Unter den Erwerbsquellen der Alpenbewohner nimmt der Ackerbau teils aus klimatischen Ursachen, teils infolge unzureichender Güte des Bodens in vielen Gegenden eine sehr untergeordnete Stellung ein, und die Produktion bleibt hinter dem Bedarf zurück. Die Getreidegrenze liegt in den nördlichen A. bei 900, in den Zentralalpen bei 1300 und am Südabhang bei 1550 m; doch gedeiht die Gerste an einzelnen Stellen bis 1650, am Südabhang sogar noch bis 1950 m. Weinbau wird in den drei genannten Regionen bis 500, resp. 600 und 900 m getrieben und zwar namentlich in Steiermark, Südtirol, Veltlin, Wallis und Piemont, deren Produkt zuweilen von hoher Güte ist. Obstbau wird in geschützten Thälern der Zentral- und Westalpen noch bis 12–1500 m gepflegt, Südfrüchte findet man aber nur an den südlichen Abhängen. Hier gedeiht auch der Maulbeerbaum und zwar vornehmlich in vielen Thälern der Ostalpen und Südtirols, wo im Zusammenhang damit eine erfolgreiche Seidenzucht betrieben wird. Weit bedeutender aber als die Bodenkultur ist die Viehzucht. Schweine und Pferde finden sich freilich nirgends in größerer Zahl, doch werden im S. sehr gute Maultiere, unentbehrliche Vermittler des Verkehrs, gezüchtet, und Schafe und Ziegen finden in Graubünden und Tessin auf schwer zugänglichen und spärlichen Weiden noch gute Nahrung. Doch tritt die Zucht aller dieser Tiere gegen die Rindviehzucht weit zurück, welche auf den trefflichen Alpenweiden (Almen) der Schweiz und Tirols mit vielem Erfolg betrieben wird (s. Alpenwirtschaft). Mit Mineralschätzen ist zwar der ganze Gebirgszug bedacht, die Gewinnung aber nur in den Ostalpen von Belang. Namentlich in Steiermark, aber auch in Kärnten und Krain wird die Förderung und Verarbeitung von Eisenerzen betrieben; denn dort finden sich auch ergiebige Kohlenlager, deren Fehlen in der Schweiz die Ausbeutung zahlreich vorhandener Erzadern verhindert. Während Steiermark das beste Eisen liefert, kommt von Kärnten Blei, von Krain Zink und Quecksilber. In den Westalpen wurden früher zahlreiche Gruben bearbeitet, die meisten sind in der Folge aufgegeben worden; nur etwas Eisen, Nickel, Blei und Steinsalz, auch Anthracitkohle wird jetzt gefördert. Salz wird aus den Salinen Tirols, Oberbayerns und Salzburgs gewonnen. An Mineralquellen verschiedenster Art sind die A. besonders reich; am berühmtesten und besuchtesten sind die Solquellen von Ischl und Reichenhall, der Natronsäuerling von Schuls-Tarasp und der Eisensäuerling von St. Moritz, die Schwefelthermen von Leukerbad und Aix les Bains, die Thermen von Gastein, Bormio und Ragaz-Pfäffers. Die Industrie einiger Gegenden ist hoch entwickelt, so daß ihre Erzeugnisse sich über die ganze Welt verbreiten. Außer der schon erwähnten Eisenindustrie, welche in Steiermark, Oberösterreich und Tirol, und der Seidenindustrie, welche am Südabfall ihre Sitze hat, treten namentlich leistungsfähig auf die Textilindustrie der Schweiz und Vorarlbergs, kunstreiche Holzschnitzerei im Berner Oberland, im Berchtesgadener Land, Ammergau und in Tirol (Grödener Thal). In den vom Touristenverkehr vornehmlich berührten Gegenden hat sich ein in seiner Weise einzig dastehendes Wirtshaus- und Führerwesen herausgebildet. In der Schweiz steht die Wirtshausindustrie (15,000 Wirtshäuser) jeder andern an wirtschaftlicher Bedeutung voran. Trotzdem zwingt die Armut der Alpenländer eine große Zahl seiner Bewohner zum Wandern. Aus dem armen Savoyen gehen jährlich Tausende in die Fremde, suchen schon als Knaben ihren Unterhalt, indem sie Murmeltiere oder Affen zeigen, als Stiefelputzer oder Schornsteinfeger arbeiten; mit Teppichen, Handschuhen und Lederwaren ziehen hausierende Tiroler umher, aber die Liebe zur alten an Glücksgütern zwar armen, an Naturschönheiten so reichen Heimat führt die meisten wieder zurück. Durch diese Schönheiten sind die A. auch das Reiseziel aller zivilisierten Nationen geworden und werden es durch die Verbesserung und Vermehrung der Verkehrsmittel immer mehr. Die Eisenbahnen, welche jetzt an Stelle mühsamer Saumpfade bis zum Fuß der höchsten Berge, ja, wie beim Gotthard, Brenner, Semmering, durch oder über die Berge selbst hinwegführen (s. Alpenbahnen), die Dampfer, welche die Seen befahren, prächtige Landstraßen machen das Reisen ebenso bequem wie anziehend. Der Touristenverkehr richtet sich namentlich nach dem Chamonixthal, dem Berner Oberland mit Interlaken, den Ufern des Vierwaldstätter Sees mit Luzern und dem Rigi, dem Nikolaithal mit Zermatt, dem Engadin, den italienischen Seen, dem Ziller-, Puster- und Ampezzothal, den oberbayrischen Seen, dem Berchtesgadener Lande, dem Salzkammergut und den Kärntener Seen. Eine große Zahl der Touristen verweilt alljährlich in den zahlreichen Sommerfrischen oder in den klimatischen Luftkurorten, wie Montreux, Davos und Meran. Aber eine von Jahr zu Jahr wachsende Zahl unternehmungslustiger Bergsteiger wagt sich an die ehedem gefürchteten Hochalpen. Wenn im vorigen Jahrhundert Männer wie der Naturforscher Scheuchzer, der vielseitige Gelehrte und Dichter Albrecht v. Haller (in seinem beschreibenden Lehrgedicht „Die A.“), der erste Ersteiger des Montblanc, Saussure, durch ihre Forschungen eine nicht ganz fruchtlose Anregung gaben, so haben sich doch erst in diesem Jahrhundert die Wissenschaft und Kunst, mit ihnen auch abenteuernder Unternehmungssinn diesem Gebiet zugewandt. Viele der höchsten Spitzen sind erst in neuester Zeit erklommen worden, die Jungfrau schon 1811, der Mönch und die Dufourspitze (höchster Punkt des Monte Rosa) 1855, das Finsteraarhorn 1863, das Matterhorn 1865; die letzte That kostete vier Menschen das Leben. Für solche Hochgebirgstouren werden vornehmlich aufgesucht die ein Gebirge für sich bildende Masse des Montblanc mit seinen zahlreichen Gletschern, dessen Besteigung, früher so beschwerlich, jetzt sogar von Frauen ausgeführt wird, noch weit mehr aber die Penninischen, Berner, Urner und Glarner A., die Berninagruppe, die Ötzthaler Ferner, der Ortler und die Hohen Tauern, die Dolomit- und Porphyrkegel der Südtiroler A., das Wettersteingebirge, die Salzburger A. Nach dem Vorbild des Alpine Club in England haben sich auch in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien Vereine zur Erforschung der Alpenwelt gebildet (s. Alpenvereine).

Die höchsten stets bewohnten Orte in den A. sind: die Stadt und Festung Briançon in der Dauphinée (1323 m) und südöstlich davon das Dorf St.-Veran (2035 m), das höchste Dorf Frankreichs; das Hospiz des Großen St. Bernhard (2472 m), das höchste bewohnte Haus Europas; das Hospiz auf dem Colle di Valdobbia in den Westalpen; das Maut- und Zufluchtshaus Santa Maria (2538 m) an der Stilfser [403] Straße. Das Averser Thal im Gebiet des Hinterrheins ist das höchste bewohnte Thal Europas, darin das Dorf Cresta in 1950 m und der höchste Häuserkomplex in 2135 m Höhe; im Engadin ist das höchste Dorf der Badeort St. Moritz (1855 m), in Tirol Gurgl (1889 m). Höher, aber nur im Sommer bewohnt, liegen einige Wirtshäuser, z. B. auf dem Faulhorn (2684 m), das Sommerhäuschen auf dem Theodulspaß am Matterhorn (3328 m).

[Litteratur.] Allgemeines: Saussure, Reise durch die A. (a. d. Franz., Leipz. 1781, 4 Bde.); Berlepsch, Die A. in Natur- und Lebensbildern (4. Aufl., Jena 1870); Frey, Die A. im Licht verschiedener Zeitalter (Berl. 1877); Schaubach, Die Deutschen A. (2. Aufl., Jena 1865–71, 5 Bde.); H. Schmid und Stieler, Aus deutschen Bergen (Stuttg. 1873, Prachtwerk); Noë, Deutsches Alpenbuch (Glog. 1875–85, 3 Bde.); Ruthner, Berge und Gletscherreisen in den österreichischen Hochalpen (Wien 1864–69, 2 Bde.); Tuckett, Hochalpenstudien (a. d. Engl., Leipz. 1873–74, 2 Bde.); Monographien von Payer und Sonklar in den Ergänzungsheften zu „Petermanns Mitteilungen“; Studer, über Eis und Schnee. Die höchsten Gipfel der Schweiz und die Geschichte ihrer Besteigung (Bern 1869–83, 4 Bde.); „Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Alpenreisen“ (von Gümbel u. a., Münch. 1879–82, 2 Bde.); Meurer, Handbuch des alpinen Sports (Wien 1882); die Veröffentlichungen der Alpenvereine (s. d.); die Zeitschrift „Der Alpenfreund“ (Gera 1870–79, 11 Bde.).

Mit der Untersuchung der geologischen Verhältnisse, besonders der Gletscher (s. d.), haben sich Agassiz, L. v. Buch, Charpentier, Cotta („Die A.“, 2. Aufl., Leipz. 1851), Desor („Gebirgsbau der A.“, Wiesb. 1865), Dollfus, Escher v. d. Linth, Forbes, v. Hauer, Heer („Die Urwelt der Schweiz“, 2. Aufl., Zür. 1879), v. Mojsisovics, Sir R. Murchison, A. Schlagintweit („Über den geologischen Bau der A.“, Berl. 1852), Pfaff („Der Mechanismus der Gebirgsbildung“, Münch. 1880), v. Richthofen, v. Sonklar, Studer („Geologie der Schweiz“, Bern 1851–53, 2 Bde.), Süß („Die Entstehung der A.“, Wien 1875), Heim („Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgsbildung“, Bas. 1878, 2 Bde.), Theobald, Tyndall, Vogt, Emmrich („Geologische Geschichte der A.“, Jena 1874), Penck („Die Vergletscherung der Deutschen A.“, Leipz. 1882) und die geologische Reichsanstalt in Wien beschäftigt. Über die physikalischen Verhältnisse der A. schrieben H. und A. v. Schlagintweit („Untersuchungen über die physikalische Geographie und Geologie der A.“, Leipz. 1850–54), Studer („Geschichte der physischen Geographie der Schweiz“, Zür. 1863), Mühry („Das Klima der Alpenwelt“, Götting. 1865), Pfaff („Die Naturkräfte in den A.“, Münch. 1877), über die Tierwelt v. Tschudi („Das Tierleben der Alpenwelt“, 10. Aufl., Leipz. 1875), Rütimeyer, über die Flora Christ („Pflanzenleben der Schweiz“, Zür. 1879), Hegetschwyler, Wahlenberg, Kerner, H. Müller u. a. Reisehandbücher über die verschiedenen Alpengebiete von Bädeker, Meyer, Tschudi, Waltenberger, Trautwein, Amthor, den Engländern Murray, Ball u. a. Karten über das Gesamtgebiet: Berghaus-Mayr, Karte der A. (Gotha 1876, 8 Bl. in 1 : 450,000); v. Haardt, Wandkarte der A. (Wien 1882, in 1 : 600,000, mit Textheft); Steinhauser, Wandkarte der A. (das. 1880, 9 Bl.); für die Deutschen A. außerdem die betreffenden Sektionen der „Österreichischen Spezialkarte“ (1 : 75,000), Heybergers „Topographische Spezialkarte für die A. Bayerns“, Ravensteins vorzügliche „Karte der Ostalpen“ (Frankf. 1881 ff., 5 Bl. in 1 : 250,000, mit Höhenschichten); für die Schweizer A. General Dufours „Topographischer Atlas“ (25 Bl. in 1 : 100,000), „Topographischer Atlas im Maßstab der Originalaufnahmen“ (546 Bl. in 1 : 50,000, bez. 25,000), die gleichfalls vom topographischen Büreau in Bern bearbeitete „Generalkarte“ (4 Bl. in 1 : 250,000), Karten von Ziegler (hypsometrisch), Leuzinger u. a. Geologische Karten von Studer und Escher von der Linth („Carte géologique de la Suisse“, 2. Aufl., Winterth. 1867), v. Hauer („Geologische Übersichtskarte der österreich.-ungar. Monarchie“, Wien 1867–73, 12 Bl., und „Geolog. Karte“ in 1 Bl., 3. Aufl. 1878). Reliefkarten der Deutschen A. von Pauliny (Wien), Keil (Salzburg), der Schweiz von Leuzinger (Winterthur 1884), Bürgi (Basel), E. Beck (Bern), Imfeld (Sarnen), Schöll (St. Gallen).

Alpen (Alpes), Name dreier französischer Departements: Niederalpen, Oberalpen und Seealpen (s. d.).


Jahres-Supplement 1891–1892
Band 19 (1892), Seite 1617
korrigiert

[16] Alpen. Die älteste Einteilung des östlichen Flügels der A. stammt von den Römern, welche das Gebirge entweder nach den Ländern benannten, denen die A. angehörten, oder nach den Völkern, welche sie bewohnten. In diesem Sinn unterschieden die Römer ihre Rätischen, Norischen, Pannonischen, Tridentinischen, Karnischen und Julischen A. Die Grenzen dieser Alpenteile fielen mit den Länder- und Völkergrenzen zusammen, welche ihrerseits durch den Verlauf der höchsten Gebirgsketten bedingt waren. Diese römische Alpenbenennung hat sich seither jahrhundertelang fast bis in die Gegenwart hinein in der Litteratur erhalten. Erst als man gegen Ende des vorigen Jahrhunderts durch topographische Kartierungen und geologische Aufnahmen mit dem Bau des Gebirges näher bekannt wurde, brach sich die Erkenntnis Bahn, daß die Begrenzung der Gebirgsgruppen den dieselben trennenden Thälern und tiefsten Paßeinsenkungen folgen müsse. Von diesem Gesichtspunkt aus hat vor allem Karl v. Sonklar versucht, das Gebirge nach dem Verlauf der tiefsten Flußläufe zu zergliedern. Die Alpeneinteilung v. Sonklars wurde in neuerer Zeit mit mehr oder weniger bedeutenden Veränderungen von verschiedenen

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Einteilung der Ostalpen, nach A. Böhm.

Seiten angenommen und verbreitet. Neben der Aufstellung von zahlreichen Gebirgsgruppen hat man aber auch die A. wie in longitudinaler Beziehung auch in große transversale Hauptabschnitte zerlegt, deren man bald zwei, bald drei angesetzt hat, und über deren gegenseitige Begrenzung man nicht minder uneinig ist, als über jene der einzelnen Gebirgsgruppen, aus denen sie sich zusammensetzen. Die Zweiteilung in östliche und westliche A. ist die ältere und überdies diejenige, welche den geologischen Verhältnissen der A. am besten entspricht. Nach ihrer Entstehungsgeschichte, Struktur und Zusammensetzung zerfallen die A. in zwei große Abschnitte, welche in der Gegend des Adulagebirges aneinander stoßen. Bei einer Dreiteilung sind die Ansichten nicht bloß über die Abgrenzung der West- und Mittelalpen geteilt, sondern ebenso und noch mehr über diejenige der Mittel- und Ostalpen. Überdies gibt die Bezeichnung des mittlern transversalen Hauptabschnittes als Mittelalpen Anlaß zu Mißverständnissen, indem von einer Seite auch die kristallinische Zentralzone mit demselben Namen belegt wird. Bei der Zweiteilung fällt diese Zweideutigkeit des Ausdrucks zwar weg, doch ist es immerhin besser, für Zentralalpen die Bezeichnung Gneisalpen zu setzen. Die bisherigen Einteilungsversuche der A. gingen fast ausschließlich von den plastischen Verhältnissen des Gebirges aus, indem man den Verlauf des Flußnetzes zu Grunde legte und den geologischen Aufbau vollkommen vernachlässigte. Bei einer naturgemäßen Einteilung müssen aber beide Momente, das oroplastische und geologische, gleichmäßig berücksichtigt werden; beide zusammen bedingen die Physiognomie eines Gebirges, die den besten Anhaltspunkt zur Beurteilung von orographischer Gleichartigkeit und Verschiedenheit liefert. Von diesem Grundsatz ausgehend hat A. Böhm eine neue „natürliche“ Einteilung für die Ostalpen durchgeführt (s. obige Kartenskizze). Das Alpensystem setzt sich aus zwei gegen NW. gerichteten Bogenstücken zusammen; dort, wo der westliche Bogen auf den östlichen stößt, tritt eine auffallende Unterbrechung in dem Höhenzug ein, in [17] die man am besten die Grenze zwischen West- und Ostalpen verlegt. Diese verläuft demnach als eine fast gerade Linie vom Bodensee durch das Rheinthal, über den Splügenpaß zum Comersee und über den Luganer See zum Lago Maggiore. Entsprechend dem scharfen Unterschied, der in physiognomischer und geologischer Hinsicht zwischen der kristallinischen Zentralzone und den diese auf beiden Seiten begleitenden Kalkgebirgen besteht, teilt man die Ostalpen in Gneisalpen und Nördliche und Südliche Kalkalpen. Die Grenze zwischen den einzelnen Zügen ist im N. viel einfacher und deutlicher als im S. Da die A. durch einen von S. nach N. gerichteten Druck in Falten gelegt sind, der Steilabfall der Gebirgsglieder also immer nach S. gerichtet ist, so kehren die Nördlichen Kalkalpen der Zentralzone ihren Steilrand zu, der vom Rhein bis Wiener-Neustadt sich ununterbrochen verfolgen läßt. Zwischen die Nördlichen Kalkalpen und die Gneiszone schiebt sich ein verschieden breiter Streifen paläozoischer Schiefergesteine, so daß also die nördliche Grenze der Gneisalpen nicht mit der südlichen Grenze der Nördlichen Kalkalpen zusammenfällt. Im S. fehlt eine entsprechende Zone von Schiefern; eine besondere Stellung nimmt hier das Becken von Klagenfurt ein. Für die Einteilung der Ostalpen läßt sich folgendes Schema aufstellen:

A. Gneisalpen.
1) Rätische Alpen. Nördlicher Zug: a) Oberhalbsteiner Alpen; b) Silvretta-Alpen.
Mittlerer Zug: a) Bernina-Alpen; b) Spöl-Alpen; c) Ötzthaler Alpen.
Südlicher Zug: a) Adamello-Alpen; b) Ortler Alpen; c) Pensergebirge.
2) Die Tauern: a) Hohe Tauern; b) Niedere Tauern.
3) Norische Alpen: a) Gurkthaler Alpen; b) Lavanthaler Alpen; c) Bacher- und Posruckgebirge.
4) Cetische Alpen: a) Floning-Zug; b) Gleinalpen-Zug; c) Fischbacher Alpen; d) Grazer Bucht.
B. Schieferalpen.
1) Plessur-Alpen. 2) Salzburger Schieferalpen. 3) Eisenerzer Alpen.
C. Nördliche Kalkalpen.
l) Algäuer Alpen: a) Rätikon; b) Lechthaler Alpen; c) Bregenzer Wald.
2) Nordtiroler Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Wettersteingruppe; b) Karwendelgruppe; c) Brandenberger Gruppe; d) Kaisergebirge. – Voralpenzug: a) Vilser Gebirge; b)Ammergauer Alpen; c) Altbayrische Alpen.
3) Salzburger Kalkalpen. Hochgebirgszug: a) Waidringer Alpen; b) Berchtesgadener Alpen; c) Ausseer Alpen.
Voralpenzug: a) Wolfganger Alpen; b) Grünauer Alpen; c) Oberösterreichischer Seehügel.
4) Österreich. Alpen. Hochalpenzug: a) Ennsthaler Alpen; b) Hochschwab-; c) Schneeberg-Gruppe; d) Lassing Alpen.
Voralpenzug: a) Mollner Alpen; b) Höllensteiner Alpen; c) Thermen-Gruppe; d) Wiener Wald.
D. Südliche Kalkalpen.
1) Lombardische Alpen. a) Luganer Alpen; b) Bergamasker Alpen.
2) Etschbucht-Gebirge. a) Brescianer Alpen; b) Brenta-Gruppe; c) Monte Baldo; d) Sarca-Gruppe; e) Nonsberger Alpen; f) Vicentinische Alpen.
3) Südtirolisches Hochland. a) Cima d’Asta-Gruppe; b) Porphyrplateau von Bozen; c) Pfannhorn-Gruppe; d) Südtiroler Dolomite.
4) Venetianer Alpen. a) Belluneser Hochalpen; b) Becken von Belluno; c) Belluneser Hügel; d) Premaggiore-Gruppe; e) Sappada-Gruppe.
5) Karnische Alpen. a) Gailthaler Alpen; b) Karnische Hauptkette; c) Karawanken.
6) Julische Alpen. a) Raibler Alpen; b) Steiner Alpen; c) Maggiore-Gruppe.
E. Becken von Klagenfurt.

Vgl. A. Böhm, Einteilung der Ostalpen („Geographische Abhandlungen“, hrsg. von A. Penck, Bd. 1, Wien 1887).