MKL1888:Zinkographie

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Zinkographie“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 16 (1890), Seite 920
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Zinkographie. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 16, Seite 920. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Zinkographie (Version vom 19.04.2021)

[920] Zinkographie (Zinkhochätzung, Chemigraphie), ein von Eberhard um 1804 zu Magdeburg erfundenes Verfahren der Verwendung von Zinkplatten für auf der lithographischen Presse zu druckende Federzeichnungen und Radierungen. Seitdem ist die Z. wesentlich vervollkommt und für die Buchdruckpresse nutzbar gemacht worden, wobei die Zeichnung hochgeätzt wird. Das Bild oder die Schrift kann man hierbei entweder mit chemischer Tusche auf die polierte Platte oder auch auf Umdruckpapier zeichnen und überdrucken, oder man bringt Umdrucke von Buchdruck, Lithographien und Kupferstichen darauf, oder man überträgt mit Hilfe der Photographie (Photozinkographie). Der Umdruck erfolgt in derselben Weise wie bei der Photo-, resp. Typolithographie; verstärkt wird er nach Überziehung mit einer Gummilösung mit Hilfe eines in verdünnte Farbe getauchten weichen Schwammes. Die getrocknete Platte wird danach auf der Zeichnung mit einem feinen, aus einer Mischung von Wachs, Kolophonium und Asphalt gewonnenen Pulver eingestäubt, das man in gelinder Wärme anschmelzt, während größere bildfreie Stellen derselben sowie die ganze Rückseite mit einer Lösung von Schellack in Spiritus bestrichen werden. Zur Ätzung legt man die Platten in flache, mit Pech ausgegossene Holzgefäße, die man etwa 2 cm hoch mit einer Mischung aus 40 Teilen Regenwasser und 1 Teil reiner Salpetersäure füllt, spült sie nach etwa 2 Minuten in reinem Wasser ab, läßt sie trocknen, schmelzt das Harzpulver abermals an und zwar so, daß es mit der Farbe der Zeichnung an deren Strichen leicht herunterfließt, und trägt dann noch eine Farbenmischung aus Buch- und Steindruckfarbe, der etwas Harz und Wachs zugesetzt wird, mit einer Lederwalze auf; ist dies geschehen, so wird die Platte wieder in das Ätzwasser gebracht und das Ätzen mit vorhergehendem Decken, unter Verstärkung, resp. Erneuerung der Ätzflüssigkeit, bis zu sechsmal wiederholt. Nach der sechsten Ätzung wäscht man zunächst die Farbe mit Terpentin vermittelst einer scharfen Bürste ab, bringt die Platte in eine heiße Pottaschelösung und trocknet sie. Größere Stellen, welche nach dem Druck weiß erscheinen sollen, werden dann herausgemeißelt oder -gesägt, worauf noch eine Reinätzung erfolgt. Chlorsäure, zum Ätzen angewandt, gibt schöne, glänzende Flächen und reine, scharfe Linien. Obwohl es gelungen ist, die zinkographischen Ätzungen zu einem hohen Grad von Vollendung zu bringen, so vermögen sie doch den Holzschnitt nur da zu ersetzen, wo es weniger auf künstlerische Vollendung der Produktion als auf Schnelligkeit der Erzeugung von Illustrationen oder getreue Faksimilierung ankommt. Eine vervollkommte Art der Z. wird Elektrochemitypie (s. d.) genannt. S. auch Autotypie und Autotypographie. Litteratur: Motteroz, Essai sur les gravures chimiques en relief (Par. 1871); J. Husnik, Die Zinkätzung (Wien 1885); Scherer, Lehrbuch der Chemigraphie (das. 1877); Toifel, Handbuch der Chemigraphie (das. 1882); Stadele, Das Ganze des Zinkdrucks (3. Aufl., Münch. 1881); Krüger, Die Zinkogravüre (2. Aufl., Wien 1884); Volkmer, Die Technik der Reproduktion (das. 1885); Mörch, Handbuch der Chemigraphie und Photochemigraphie (Düsseld. 1885); Böck, Die Z. in der Buchdruckerkunst (Leipz. 1885).