Med. Topographie Gmuend:046

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Franz Joseph Werfer
Versuch einer medizinischen Topographie der Stadt Gmünd
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De med Topographie Gmuend 046.jpg
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daß wohl wenige Häuser zu finden seyn möchten, wo nicht ein, auch zweymal des Tages dasselbe genossen wird, und bey manchen, zumal aus der ärmren Klasse, macht es theils seiner Wohlfeilheit, theils der leichtern Bereitung wegen oft die ganze warme Kost aus; denn man muß wissen, daß diese Leute ihren Kaffee aus gerösteter Gerste, gelben Rüben, Cichorienwurzeln und andern beliebten Surrogaten mit dem seltnen und höchst unbedeutenden Zusatz einiger Kaffeebohnen bereiten, besonders seit dem wegen verbotener Einfuhr und daheriger immer größerer Seltenheit des Kaffeevorraths dessen Preis so hoch gestiegen, so daß derselbe oft kaum die Farbe, vielweniger den Geruch der indianischen Bohne mehr hat. Manche der unschmackhaften Brühe überdrüßig haben den Kaffee in letzterer Zeit ganz aufgegeben; viele aber sind schon von der frühesten Jugend an so sehr an denselben gewohnt, daß sie sich eher die nothwendigsten Bedürfnisse des Lebens, als dieses wenn auch nicht ganz schädliche doch überflüßige Getränk versagen würden. Dieses bisher so häufig übliche Kaffeetrinken, das anfänglich, wenn es wirklicher Kaffee ist, einige Erhitzung und Spannung, dann aber Erschlaffung zu Folge hat, mach auch zu leichtern Entstehung der hier so häufig vorkommenden Hämorrhoiden, zumal bey der gewöhnlich mehr sitzenden Lebensart vieles beytragen.

Bier, weißes und braunes, zumal letzteres wird jetzt viel häufiger als sonst getrunken, und wenige Wirthe sind, welche nicht die meiste Zeit im Jahr hindurch jetzt auch braunes Bier ausschenken, die vordem nur Wein und weises Bier führten. Das Bier ist an Güte und innern Gehalt verschieden; einige

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Bierbräuer machen wirklich recht gutes, haltbares, wenn auch nicht immer gar kräftiges Bier; andern geräth es aber nicht allzeit so, sondern ist vielmehr oft ganz unkräftig, nicht hell und klar und widrigen Geschmacks, besonders ist das weise Bier im allgemeinen ziemlich schlecht; das Malz und der Hopfen werden manchmal zuviel gespart, auch das Bier nicht selten, besonders zur Winterszeit zu jung ausgeschenkt, daher gerne Blähungen, Säure im Magen, und bey manchen auch Urinbeschwerden (Harnwinde) auf dessen Genuß entstehen. Sonst kann man aber unsern Bierbrauern nicht zur Last legen, daß sie berauschende oder andere Ingredienzen, um dadurch das Bier hell und sich halten zu machen, darein mischen.

Wein wird zwar häufig getrunken, jedoch gegenwärtig von der mittlern Klasse weit weniger, als in Zeiten, wo bey lebhaften Handel und Verkehr der Verdienst für dieselbe auch besser und reichlicher war, der heut zu Tage bey vielen kaum mehr zur Anschaffung der nothwendigsten Lebensbedürfnisse zureichend ist. Die Güte unsers Weins ist sehr verschieden; man sollte meinen, unsrer Lage nach, nicht ferne vom Weinlande, würde hier auch immer guter und wohlfeiler Wein getrunken; allein es ist dem nicht so, sondern man hört vielmehr oft und häufig über Geringhaltigkeit und viele Säure desselben bey dem stets hohen Preiße klagen. Junge Weine werden gern und häufig besonders der Wohlfeilheit wegen, von manchen aber nicht ohne Schaden für ihre Gesundheit getrunken, und nicht selten sieht man Brustkrankheiten bey jungen Leuten, verschiedene Unterleibs- und Hämorrhoidalnbeschwerden bey älten als Folgen des