Meister Grimbart in Nöten

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Meister Grimbart in Nöten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 804
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[804] Meister Grimbart in Nöten. (Zu dem Bilde S. 793.) Der Weidmann kennt heute zwar noch eine ganze Reihe „weidgerechter“ Jagdarten auf den Dachs, aber unter diefeu uimmt das „DachSgraben' doch eine solch hervorrageude Stelle ein und ist befouderS in ueuerer Zeit, wo der Teckel der LiebliugShuub.micht nur der Iäger, foudern - ich möchte sagen - jedermanns geworden ist, dermaßeu in den Bordergruud getreteu, daß die Zeit vvr der Thür fteht, wo es ebeufo auSschließlich fiir weidmäuuisch augefeheu wird wie bei den Eugläuderu die B.rrfvreejagd auf den FnchS.

ES ist Herbft - ein windstiller Tag, und hinanS geht'S in den Forft auf den Haupt. oder Mutterbau, in welchem sich Meifter Grimbart, wie die frisch „auSgefahrene“ Erde bor den „Röhreu“ und die augeuscheiulich beim Herauschleifeu verlvreu gegangenem zerstreut liegeudeu trockeueu Gräser, Farne und Blätter uuS zeigen, sein warmes, wohnliches Wiuier.

guartier eingerichtet hat. Was ziehen und zerren die uiedrigen, krumm. läufigen tollkühueu Kerlchen die Teckel, doch vor Jagdeifer an den Koppeln! Sie, können die Zeit nicht erwarten, da sie tief unter der Erde mit ihrem dickwanstigen Feiude iuS Zwiegespräch kommen. Aber sie müssen sich noch gednldem die schueidigen Bursche - deuu zuuächft wird von ihuen nur einer gelöft, der alte erfahrene Erdmann, der dann auch fofort in eine „befahrene“ Röhre „einschlieft^, begleitet von dem neidischen lang. gezogenen, weinerlichen „Geh mache“ der audereu Krummläufe. Jetzt heißt eS ftill sein, damit wir den durch die Erde gedämpften „HalS“ Grd. mäuuchenS hören köuueu und die Stelle finden, unter der er „vorliegt“. Hier ertöut leise der dumpfe Schall - wenn wir das .i.^hr auf die Erde legen, köuueu wir deutlich die Stimme des HuudeS veruehmeu - er hat den DachS gefuudeu. Jetzt kommt es darauf an, daß er feiueu Feiud in ein Endrohr treibt - in eine fackartige Stelle des Baus, wo Grimbart, wenn der Hund nicht weicht, weder vor. noch rückwärts flieheu kann. Wenu dauu von oben dahin „durchgeschlageu“ (eiu Schacht getriebeus wird, wo wir das dumpfe Berbelleu ErdmäuucheuS höreu, und wir treffeu auf die Röhre, so fteckt der TachS in dem kurzeu Eude vor uns und wird mit der Zange herausgezogen Daher kommt es zuuächft darauf an, daß wir deui Huude behilflich fiud, feiueu Feind iuS Eudrohr zu treibeu. Wir schlagen deshalb mit dem flacheu Spateu feft auf die Erde, daß die Schläge dröhueud durch die Bäume halleu.

Richte, der Dachs hat sich „ verfetzt“ - Erdmäuucheu ist unter uns ftill. Wieder wird die Stelle aufgefucht, wo der Huud verbellt - wieder wird aufgeklopft und wieder ist der DachS verschwuudeu. So geht es fast eine Swude im Bau hiu und her, der Huud kann feiueu Feiud nicht „feft machen', der Bau ist zu groß. Jetzt wird die gauze Deckelgefell. schaft gelöst, vielleicht geliugt eS der vereiuteu Auftreugung, Meister Grimbart in ein Eudrohr zu ireibeu.

Hier unter uuS liegt wieder ein Huud vor - - aber eS verbellt und „hüuscht“ in alleu Röhren, an alleu Eudeu. Der Spateu schlägt dröhueud. auf die Erde - diesmal klwgt der HalS deS HuudeS nur um so wüteuder auf derfelbeu Stelle. RochmalS schalleu die Schläge mit der Schaufel laut durch den Forft ^ ^ der DachS waukt und weicht nicht, er fteckt im Eudrohr. Jetzt heißt eS, so rasch wie möglich „durchschlageu“, und die fagdeisrigen Arbeiter grabeu und hacken dranf loS, als gelte eS, einen Schatz zu hebeu. Zoll um Z^ll geht's tiefer hiuab in die Erde. Bei jedem Spateuftich kliugt der HalS des HuudeS deutlicher und wüteu. der herauf - eS hört und weiß der brave Teckel, daß er Hilfe bekommt. Blötzlich fiukt der Spateu bis an den Stiel iuS Erdreich .und hell klingt der HalS des HnudeS aus deui sich bildeudeu Loche hervor - - wir fiud auf der Röhre. Behutsam wird die .^essuung erweitert, damit sie von hiueiurutscheuder Erde nicht gauz verschüttet wird n - da ist der Kopf ErdmäuucheuS - der schweißeude Faug, die Augen mit Sand und Erde verklebt - wüteud heulend und scharrend, er will über die Erd. barrikade klettern, welche die Röhre versperrt und ihn von seinem Feinde trennt. Dort, an der anderen Seite schiebt sich auch der weißblässige Kopf Grimbarts hervor - aber nur eine Sekuude, dauu ist er wieder im Dunkel der Röhre verschwuudeu. Rnr Geduld, Bürschchen wir kam. meu gleich!

Blötzlich ein Höllenlärm dorl hiuleu auf dem Bau. Die zuletzl ge. löfleu Huude habeu einen zweite Dachs gefuudeu, und dieser, durch die wüteudeu Augrisse feiuer Feiude hiu. und hergejagt, ist schließlich „ge. sprungeu“, wie der Iäger daS aus dem Bau Laufen nennt

Lndwig Beckmauu, der bekauute Düfseldorser Jagdmaler, hat den Augeublick festgehalten, wo dieser zweite Grimbart, von seinen Feiudeu muriugt, einen Augeublick stutzt - hätte er aber den Zeitpunkt fünf Sekuudeu später gewählt, so wurdeu wir sehen, wie ein Deckelcheu schweitzeud Kobolz schlägt uuo wie der graue Borfteuträger, gefolgt von feiuem Feiudeu, mit ungeahuter Schnelligkeit zur uächfteu Dickung flieht - gewiß auf Rimmerwiederfeheu, wenn der Iäger nicht wäre, der ihn mit gut gezieltem Schuß erlegt. Karl Brandt.