Melpomene/Band 1/028 Bei dem Grabe eines Mannes, der an langwährenden heftigen Leiden starb

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
<<< 028 Bei dem Grabe eines Mannes, der an langwährenden heftigen Leiden starb >>>
{{{UNTERTITEL}}}
aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 122–124
von: [[{{{AUTOR}}}]]
Zusammenfassung: {{{ZUSAMMENFASSUNG}}}
Anmerkung: {{{ANMERKUNG}}}
Bild
Jung Melpomene 1122.jpg
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[[Index:{{{INDEX}}}|Wikisource-Indexseite]]
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe

[122]

28. Bei dem Grabe eines Mannes, der an langwährenden heftigen Leiden starb.

Melod. V.

Töne traurig, dumpfe Sterbeglocke!
Bei dem Sarge unsers Bruders hier.

1. Denn ein jeder Grabeshügel
Ist für uns ein treuer Spiegel,
Und in tiefer Ahnung beben wir.

2. Und mit jedem Glockenschlage
Nahn wir uns dem Sterbetage,
Heut an mir, und Morgen schon an dir.

3. Dieses Beispiel hat so eben
Unser Bruder hier gegeben,
Dessen Leiche dieser Hügel deckt;

4. Lange war er schon gebrechlich,
Und das Leiden unaussprechlich,
Welches Gottes Hand auf ihn gelegt.

5. Jedes Mittel war vergebens
Zur Erhaltung seines Lebens,
Die Gesundheit kehrte nicht zurück;
[123]
6. Jede Hoffnung zur Genesung
War umsonst, und nach Erlösung
Sehnte sich sein heisser Thränenblick.

7. Aber ach! sein Leiden währte
Gar so lange, und er zehrte
Langsam ab in heisser Schmerzenglut.

8. Und er mußte fünfzehn Wochen
Leiden, bis auf Haut und Knochen
Aufgezehret war sein Fleisch und Blut.

9. Ringend hob er seine Hände
Auf zu Gott, und bath: o ende
Meiner Leiden grenzenlose Noth.

10. Endlich hatte Gott genügen,
Und in seinen lezten Zügen
Kam für ihn der heiß ersehnte Tod.

11. Unter schwachen Herzensschlägen
Sah er lächelnd ihm entgegen,
Schloß die matten Augenlieder zu;

12. Puls und Athem standen stille,
Und die abgezehrte Hülle,
Fand im Grabe die ersehnte Ruh.

13. Seine Seele, frei von Schmerzen;
Schwang, mit hoffnungvollem Herzen,
Sich empor zu Gottes Gnadenthron!

14. Und nach überstandnen Wehen
Aerntet er in jenen Höhen
Dort, gewiß den wohlverdienten Lohn,
[124]
15. Denn mit gottergebnem Herzen
Litt er alle seine Schmerzen,
Und mit wahrhaft christlicher Geduld;

16. Und es ließ für seine Sünden
Ihn gewiß Verzeihung finden
Gottes grenzenlose Vaterhuld.

17. Lasst uns nun geduldig leiden,
Jede Sünde stets vermeiden,
Und uns ganz der wahren Tugend weihn.

18. O dann werden, wenn wir sterben,
Wir auch Gottes Huld erwerben,
Und im Himmel ewig selig seyn.

Anmerkungen (Wikisource)

Jungs Errata (Bd. 2, S. 293) wurden in den Text eingearbeitet.