Melpomene/Band 1/036 Bei dem Grabe der Jungfrau Marianna Göppel von Unteropfingen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
<<< 036 Bei dem Grabe der Jungfrau Marianna Göppel von Unteropfingen >>>
{{{UNTERTITEL}}}
aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 145–147
von: [[{{{AUTOR}}}]]
Zusammenfassung: {{{ZUSAMMENFASSUNG}}}
Anmerkung: {{{ANMERKUNG}}}
Bild
Jung Melpomene 1145.jpg
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[[Index:{{{INDEX}}}|Wikisource-Indexseite]]
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe

[145]

36. Bei dem Grabe der Jungfrau Marianna Göppel von Unteropfingen.

Melod. III.

1. O welche unverhoffte Leiche
Versank in dieser Todtenbahr,
Die von dem Tode aus dem Reiche
Des Lebens ausgestrichen war!
Denn ach! das Mädchen, hier begraben,
War noch in beßter Lebenskraft,
Mit allen hoffnungvollen Gaben
Vom Tode schmerzlich hingerafft.
[146]
2. Schon vor beinahe dritthalb Jahren
Verlor sie der Gesundheit Lust,
Und alle Medizinen waren
Umsonst für ihre kranke Brust;
Denn täglich schwanden ihre Kräften,
Und schwächten jeden Athemzug,
Und zu den leichtesten Geschäften
War ihre Kraft nicht mehr genug.

3. Am Ende sank sie ganz entkräftet
Aufs heisse Schmerzenlager hin,
Und unverwandt auf Gott geheftet
War nun ihr Auge Herz und Sinn;
Sie fühlte namenlose Schmerzen,
Wobei sie wie ein Wurm sich wand,
Bis endlich im gepreßten Herzen
Ihr Puls und Athem stille stand.

4. Indeß verlor sie das Vertrauen
Auf Gottes Vatergüte nicht,
Und unverwandt auf Gott zu schauen
War ihre höchste Zuversicht;
Sie opferte die größten Schmerzen
Zur Tilgung ihrer Sündenschuld,
Und bath mit reuevollem Herzen
Gott um Verzeihung Gnad und Huld.

5. So starb sie ganz in Gott ergeben,
Die arme, stille Dulderin,
Und Jesus Christus war ihr Leben,
Und Tod und Grab für sie Gewinn;
Denn sicher wurde ihr Vertrauen
[147] Belohnt mit höchster Seligkeit,
Wo Gottes Antlitz anzuschauen
Ihr Geist auf ewig sich erfreut.

6. Denn alle werden Gott anschauen
Die eines reinen Herzens sind,
Allein die Bösen wie die Lauen
Sind schon für Gottes Anblick blind.
Laßt uns daher das Böse meiden,
Und stets im Guten eifrig seyn,
Dann gehen wir beim letzten Scheiden
Auch in das Reich des Himmels ein.