Melpomene/Band 1/051 Bei dem Grabe eines hoffnungvollen Mädchens

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 183–185
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[183]

51. Bei dem Grabe eines hoffnungvollen Mädchens.

Melod IV.

1. Mit redlichem Gemüthe,
Und unschuldvollem Sinn,
Sank in des Lebens Blüthe
Ins Grab ein Mädchen hin.

2. Vor sieben viertel Jahren
Ward schon die Arme krank,
Und alle Mittel waren
Vergebens, die sie trank.

3. Denn ach! die Ärtzte fanden
Den Grund des Übels nicht,
Bis Farb und Leben schwanden
Aus ihrem Angesicht.
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4. Noch wehrte lang dagegen
Sich ihre Jugendkraft,
Sie wurde doch deswegen
Vom Tode hingerafft.

5. So welkt schon in der Blüthe
Die Jugend langsam hin,
Wenn einmal im Geblüte
Der Krankheit Schmerzen glün.

6. So gehts, wenn man so lange
Des Artztes Rath verschmäht,
Bis auf der blassen Wange
Der Hauch des Todes weht.

7. Laßt diese junge Leiche
Euch doch zur Warnung seyn,
Und nicht so früh dem Reiche
Des Todes euch zu weihn.

8. Gebrauchet Medizinen
Sobald euch etwas fehlt;
Denn öfter wird von ihnen
Der Kranke neu beseelt.

9. Denn wer zu seines Lebens
Erhaltung sie verschmäht,
Der sucht sie dann vergebens,
Und Reue kommt zu spät.

10. Wir sind nicht Eigenthümer
Von unsrer Lebenskraft,
Gott ziehet uns, wann immer;
Dafür zur Rechenschaft.
[185]
11. Und ists der Willen Gottes,
Daß euch nichts helfen soll,
So bringt ihm gern des Todes
Von euch verlangten Zoll.

12. Dann mögt ihr endlich sterben
Wo immer jederzeit,
Ihr werdet sicher erben
Das Reich der Seligkeit.