Melpomene/Band 1/070 Bei dem Grabe eines Jünglings, der durch einen Fall plötzlich starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 227–229
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[227]

70. Bei dem Grabe eines Jünglings, der durch einen Fall plötzlich starb.

Melod. IV.

1. Hier stehen wir, und beben
An diesem Grabesrand,
Weil hier ein junges Leben
In einem Nu verschwand.

2.) Denn hier im Grabe modert
Der Jüngling Joseph Zick,
Vom Tode abgefodert
In einem Augenblick.
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3. Er wollte seiner Mutter
Ersparen einen Gang,
Und stieg hinauf zum Futter,
Wo ihm ein Schritt mißlang.

4. Im Eifer lief er flüchtig
Der nahen Öffnung zu,
Doch leider unvorsichtig,
Und fiel hinab im Nu.

5. Er fiel zur Tenne nieder,
Und stürtzte sich aufs Haupt,
Und war durch alle Glieder
Der Lebenskraft beraubt.

6. Zerschmettert war von Innen
Des Hirnes edler Saft;
Er kam dadurch von Sinnen,
Und aller Lebenskraft.

7. Hoch bäumte er in Krämpfen
Und Zuckungen sich auf,
Und schloß in Todeskämpfen
Den kurzen Lebenslauf.

8. Denn alle Pulse schwiegen,
Der Athem blieb zurück,
Und in den letzten Zügen
Verblich sein starrer Blick.

9. So starb der arme Junge
Aus Unvorsichtigkeit;
Drum schildert keine Zunge
Der Eltern Herzenleid.
[229]
10. In heissen Thränen weinen
Sie sich die Augen wund,
Denn ach! sie finden keinen,
Ach! keinen Trostesgrund.

11. Doch ja: die Vorsicht Gottes
Soll trösten euer Herz;
Hebt aus der Nacht des Todes
Die Augen himmelwerts.

12. Seht: ohne Gottes Willen
Wird uns kein Haar gekrümmt,
Der aus des Grabes Hüllen
Uns auf ins Leben nimmt.

13. Hier fand in zarter Jugend
Den Tod der einz’ge Sohn,
Doch dort für seine Tugend
Gewiß des Himmels Lohn.