Melpomene/Band 1/071 Bei dem Grabe einer alten armen Frau

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 229–230
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71. Bei dem Grabe einer alten armen Frau.

Melod. IV.

1. In diesem Grabe modert
Von einem armen Weib,
Vom Tode abgefodert,
Der abgezehrte Leib.

2. Sie brachte zwar ihr Leben
Auf mehr als siebenzig,
[230] Doch viele Jahre geben
Dem Tode nur den Sieg.

3. Sie lebte stets zufrieden
Mit ihrem armen Stand,
Und ohne zu ermüden,
Wenn sie die Pflicht verband.

4. Sie trug die größten Schmerzen
Mit christlicher Geduld,
Bereute stets von Herzen
Die große Sündenschuld.

5. Sie sehnte sich mit Freuden
Nach stiller Grabesruh,
Und schloß in stillem Leiden
Im Tod die Augen zu.

6. Um doch nicht schuldbeladen
Vor dem Gericht zu stehn,
Ließ sie mit Gottes Gnaden
Voll Glauben sich versehn.

7. Wir können also hoffen,
Daß sie am Grabesrand
Für sich den Himmel offen,
Und ew’ges Leben fand.

8. Denn wer sich rein von Sünden,
Und an die Tugend hält,
Wird einstens Gnade finden,
Wenn ihn der Tod befällt.