Melpomene/Band 1/072 Bei dem Grabe eines frommen Greisen

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 231–232
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[231]

72. Bei dem Grabe eines frommen Greisen.

Melod. IX.

1. Wir stehen am düstern Grabe
Von einem ehrwürdigen Greis,
Er machte, geleitet am Stabe,
Des Lebens beschwerliche Reis.
Er hatte am eitlen Gewühle
Der Erde schon lange genug,
Bis endlich am glücklichen Ziele
Die Stunde des Todes ihm schlug.

2. Es ist ja für Junge und Greise
Hienieden kein bleibender Ort,
Sie wallen im Zeitengeleise
Zur ewigen Seligkeit fort.
Nur irdische Thoren verlassen
Der Tugend beschwerliche Bahn,
Doch wenn sie im Tode erblassen
Verschwindet der täuschende Wahn.

3. Zu diesen verblendeten Thoren
Gehört der Beerdigte nicht,
Er hatte die Weisheit erkohren,
Und lebte nach christlicher Pflicht;
Dem Willen des Höchsten ergeben
Befolgte er treu sein Geboth,
Und hoffte im ewigen Leben
Belohnet zu werden von Gott.

[232] 4. So lebte in Armuth und Leiden
Der fromme, der christliche Greis,
Und hielt sich mit innigsten Freuden
Gefasst auf die ewige Reis.
Und sicherlich fand er im Tode,
Was hier er vergebens gesucht,
Die Nahrung des himmlischen Brodes,
Der ewigen Seligkeit Frucht.

5. Drum lasset uns immer bedenken:
Wir seyen nur Wanderer hier,
Um unsern Wandel zu lenken
Zum Himmel mit heisser Begier.
Dann werden wir sicher erstreben
Das göttlich erhabene Ziel,
Und unsere Seelen erheben
Zum himmlischen Wonnegefühl.