Melpomene/Band 2/018 Bei dem Grabe des Franz Joseph Galler, der zu tod fiel

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 67-70
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[67]

18. Bei dem Grabe des Franz Joseph Galler, der zu tod fiel.

Melod. III. XVIII.

1. Ach ach! schon wieder eine Leiche
Durch einen jähen Unglücksfall!
So herrscht im ganzen Lebensreiche
[68] Die Macht des Todes überall;
So droht uns alle Augenblicke
Der Tod mit seinem Sensenschwung,
Und zieht sich immermehr zurücke,
Und kennet keine Sättigung.

2. So gieng es diesem armen Manne,
Den dieser Grabeshügel deckt,
Er ward, wie eine starke Tanne
Vom Sturme, plötzlich hingestreckt;
Er fiel beinah fünf Manneshöhen
Herab mit umgekehrtem Haupt,
Und ward, um nicht mehr aufzustehen
Der Leib- und Seelenkraft beraubt.

3. Er wollte nemlich voll der Liebe
Dem Nachbar helfen in der Noth,
Und folgte diesem edlen Triebe,
Weil Jesus dieses ihm geboth;
Er eilte nun mit schnellen Füssen
Zu dem vom Sturm verlezten Tach,
Um seine Öffnungen zu schliessen,
Und dachte nicht mit Vorsicht nach.

4. Da fehlte nun die nöth’ge Helle,
Doch schritt er unvorsichtig vor
Auf eine nicht mehr feste Stelle,
Wo er die Unterlag verlohr;
Er glitschte aus, und fiel hernieder
Auf einen strohbedeckten Ort,
Und diese Stelle warf ihn wieder
Mit umgekehrtem Leibe fort.
[69]
5. So fiel er nun mit Haupt und Stirne
In felsenfester Tenne auf;
Da stand in dem zerquetschten Hirne
Des ausgetrettnen Blutes Lauf,
Es floß aus Nase Mund und Ohren
Hervor gleich einem rothen Strahl,
Und alle Hoffnung war verlohren:
Er sey zu retten noch einmal.

6. Betäubet blieb er lange liegen,
Doch kam er noch einmal zu sich,
Und röchelte in langen Zügen,
Bis er in Todesfarb verblich.
Er war jedoch bei guten Sinnen
Beinahe eine ganze Stund,
Und trat, Verzeihung zu gewinnen,
Aufs neu mit Gott in Gnadenbund.

7. Er bath mit reuevollem Herzen
Gott um Verzeihung Gnad und Huld,
Und litt die größte Qual und Schmerzen
Mit wahrhaft christlicher Geduld,
Empfing mit wahrer Vorbereitung
Der heil’gen Sakramente Gnad,
Und überließ sich Gottes Leitung,
Und wandelte den Todespfad.

8. Zwar mußte er noch lange kämpfen,
Bis Gott befahl: es ist genug,
Und unter Zuckungen und Krämpfen
Zum letztenmal sein Herze schlug.
So starb er aus dem edlen Triebe
[70] Der christlichen Dienstfertigkeit,
Voll Gottes und der Menschenliebe,
Obwohl aus Unvorsichtigkeit.

9. Deswegen können wir auch hoffen:
Daß, als sein Lebenshauch verschwand,
Sein Geist für sich den Himmel offen,
Und beim Gerichte Gnade fand.
Laßt uns daher zu jeder Stunde
Zum jähen Tod bereitet seyn,
Dann sterben wir mit Gott im Bunde,
Und gehen in den Himmel ein.